Bilanz 2018

Dürre-Jahr für Landwirte noch lange spürbar

Der Sommer 2018 hat die Böden im Land stark austrocknen lassen. Zwar hat der Winter die Pegel wieder steigen lassen. Doch den Pflanzen reicht es noch lange nicht.
dpa
Zur guten Hälfte leer ist der Flusslauf der Tollense am Wehr. Der Sommer 2018 hat die Böden im Land stark austrocknen lassen.
Zur guten Hälfte leer ist der Flusslauf der Tollense am Wehr. Der Sommer 2018 hat die Böden im Land stark austrocknen lassen. Bernd Wüstneck
Ein breiter Streifen im Uferbereich am Kölpinsee in Waren liegt trocken.
Ein breiter Streifen im Uferbereich am Kölpinsee in Waren liegt trocken. Bernd Wüstneck
Auch Tiere waren von der Dürre betroffen. So suchten Schafe in der Uferböschung eines teilweise ausgetrockneten Elbe-Seitenarms Schatten und Futter.
Auch Tiere waren von der Dürre betroffen. So suchten Schafe in der Uferböschung eines teilweise ausgetrockneten Elbe-Seitenarms Schatten und Futter. Bernd Wüstneck
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Neubrandenburg.

Die Niederschläge der letzten Winterwochen haben die kleinen Getreide- und Rapspflanzen sprießen lassen – sie reichen aber nach dem Trockenjahr 2018 noch lange nicht. „Wir brauchen weiter Regen, um die Reserven wieder aufzufüllen”, sagte der Pflanzenexperte beim Landesbauernverband Mecklenburg-Vorpommern Frank Schiffner. „Der Niederschlag im Winter war nun relativ normal, aber die Böden sind ab einer Tiefe von 30 Zentimetern immer noch sehr trocken”, erläuterte Uwe Ulbrich vom Wetterdienst Meteomedia auf Hiddensee. Dieses Manko sei im Boden noch lange nicht wieder aufgefüllt.

Anders sieht es bei Flüssen und Seen aus. Wie das Pegelportal MV der Landesumweltverwaltung zeigt, haben einige Flüsse wie Trebel, Peene und Uecker mehr Wasser als im zehnjährigen Mittel. Nur die Mecklenburger Oberseen mit der Müritz und der Schweriner See, die höher liegen und sich aus Regen und kleinen Zuflüssen speisen, haben noch etwa 17 Zentimeter „Minus”. Experten zufolge dauert es drei bis vier Jahre, um den Speicherverlust der Seen auszugleichen.

Problem für Landwirte begann im Herbst

Nur ihre Abflüsse in Richtung Süden zur Havel und nach Westen zur Elbe haben inzwischen Normalwerte erreicht. Die anderen nördlichen zwei Drittel Mecklenburg-Vorpommerns entwässern in Richtung Ostsee, dort stehen die Pegel etwas höher.

„Das Problem für die Landwirte war, dass wir aus einem enorm trockenen Herbst kamen”, sagte Schiffner. Meteorologe Ulbrich hat errechnet, dass im 30-Jahres-Durchschnitt rund 600 Liter Wasser pro Quadratmeter im Nordosten fallen. „2018 waren es aber nur 440 Liter pro Quadratmeter.” In Neubrandenburg gab es sogar nur 400 Liter Wasser. „Das Problem begann vor einem Jahr im April, als das Wetter nach Ostern gleich von Winter auf Sommer umschlug”, sagte Ulbrich.

2018 sehr niedriger Pegelstand

Insofern sind die Landwirte froh über jeden verregneten Tag. „Wir brauchen keinen Sturzregen, sondern durchgehend langsamen Regen, damit Wasser in den Boden hineindiffundieren kann”, erläuterte Schiffner. Jetzt stünden die jungen Raps-, Winterweizen- und -gerstepflanzen gut. Sie hätten noch keinen großen Wasserbedarf. Das ändere sich ab Temperaturen von mehr als fünf Grad, wenn das echte Wachstum beginne. „Also brauchen wir im April, Mai und Juni ordentlich Niederschlag”, wünscht sich der Pflanzenexperte.

Beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt in Neubrandenburg beobachtet Christoph Linke akribisch die Pegel der Flüsse und Seen. „Wir hatten 2018 einen sehr niedrigen Pegelstand erreicht”, sagte Linke. Der Tiefstand an der Müritz war 1,54 Meter. Ähnlich lag er 2003 mit 1,55 Meter, und niedriger zuletzt 1989 mit 1,29.

Trockenperioden werden intensiver

Nun haben die 200 Quadratkilometer großen Oberseen nach „normalen Niederschlägen” 1,80 Meter Wasserstand, 15 Zentimeter über dem „unteren Stauziel” und 40 Zentimeter bis zum „oberen Stauziel.” Damit sei der Wasserspeicher vor Ende der Füllphase Ende April erst zu knapp einem Drittel gefüllt. „Fachleute rechnen mit drei Jahren Füllphase”, sagte Linke. So war das in den Vergangenheit auch.

„Klimamodelle sagen voraus, dass die Trockenperioden, aber auch die Nässeperioden, intensiver werden wie es seit 2017 war”, meinte Linke. Das Land müsse sich darauf einstellen, Möglichkeiten zum Wasserspeichern einzurichten, was aber mit vielen Beteiligten abgestimmt werden muss. „Das Problem ist, das 60 Prozent des Wassers durch Verdunstung verschwindet, wogegen man nichts machen kann.” Der Rest gehe über Wasserentnahme bis nach Berlin, für Wasserkraft und für Schleusungen weg. Der Anteil der Schleusungen sei dabei gering. Eine verlässliche Prognose, wie das beginnende Frühjahr und der Sommer 2019 werden, wagte bisher niemand.