ZERSCHLAGUNG

Edeka will bei Verkauf von Real mitmischen – Mitarbeiter bangen

Die rund 3000 Beschäftigten von Real in Brandenburg und MV müssen zittern, die Entscheidung über ihre berufliche Zukunft verzögert sich weiter. Nun will auch Edeka ein Stück vom Kuchen.
Eigentlich sollte die Entscheidung des Kartellamtes über die Zukunft von Real in dieser Woche fallen.
Eigentlich sollte die Entscheidung des Kartellamtes über die Zukunft von Real in dieser Woche fallen. Oliver Berg
Neubrandenburg.

Das ist alles andere als ein Alltagsgeschäft: Der Verkauf der rund 270 Real-Märkte an den russischen Investor SCP stachelt den Ehrgeiz der Wettbewerbshüter an.

Das Geschäftsmodell der Käufer, die sämtliche Standorte vom früheren Eigentümer Metro erworben haben: Die Handelskette Real wird zerschlagen, die Filialen anderen Anbietern angeboten. Standorte, die übrig bleiben, sollen geschlossen werden. Allein in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern und sind rund 3000 Beschäftigte von dem Mega-Geschäft betroffen, die ihren möglichen neuen Arbeitgeber immer noch nicht kennen.

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Wettbewerber müssen angehört werden

Dass der Weiterverkauf nicht einfach durchgewunken wird, ist seit Juli klar. Im Sommer hatte das Bundeskartellamt das so genannte Hauptprüfverfahren eingeleitet, um den angekündigten Erwerb von rund 100 Real-Märkten durch den heutigen Noch-Konkurrenten Kaufland genauer zu untersuchen. Dafür waren drei Monate vorgehen, die sich jetzt als zu knapp erweisen.

Statt Anfang dieser Woche zu entscheiden, verlängern die Wettbewerbshüter die Prüfungsfrist um einen weiteren Monat. Wettbewerber wie Globus, Rewe oder Edeka müssten angehört werden, teilte das Bundeskartellamt mit. Kaufland habe der Verlängerung zugestimmt.

Auch Edeka gehört nun zu den Interessenten

Das Kartellamt ermittelt in zwei Richtungen: Einerseits sollen die Marktanteile im Lebensmittelhandel vor Ort analysiert und bewertet werden. Andererseits gehe es auch darum, mögliche Auswirkungen auf die Lieferanten beurteilen zu können.

Hersteller von Lebensmitteln beklagen immer wieder, dass die wenigen deutschen Handelskonzerne angesichts ihrer Marktmacht die Preise diktieren und drücken können. Mit den Verschwinden von Real setzt sich dieser Konzentrationsprozess fort.

Unterdessen hat sich beim Real-Verkauf eine weitere Baustelle eröffnet, weil auch Edeka Appetit auf ehemalige Real-Filialen verspürt. War anfangs immer von rund 50 Märkten die Rede, hat Deutschlands größter Lebensmitteleinzelhändler jetzt sein Interesse für 72 Standorte benannt.

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Pläne von Edeka werden überprüft

Auch Edeka muss sich für seine Pläne der Tiefenprüfung unterziehen, „da weitere Ermittlungen zu den Absatz- und Beschaffungsmärkten erforderlich sind“, erklärt das Bundeskartellamt.

In diesem Fall will die Behörde bis zum 21. Dezember seine Entscheidung über die Kaufpläne fällen. Das könnte pünktlich klappen: Das Kartellamt hatte schon im vergangenen Jahr die Marktmacht von Edeka untersucht, weil der Konzern bereits in einem später geplatzten Verkaufsmodell für Real sein Interesse angemeldet hatte.

In der Vergangenheit hatte das Kartellamt immer wieder auf Anfrage betont, dass die Rettung möglichst vieler Arbeitsplätze bei Real nicht zum gesetzlichen Auftrag für die Behörde gehöre. Zuvor hatte die Gewerkschaft Verdi vor dem Verlust von mehr als 10.000 Jobs bei Real gewarnt. Der Kette war es zuvor seit Jahren nicht gelungen, der Verlustzone zu entkommen.

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