Ab 2025 soll eine neue Grundsteuer-Berechnung gelten. Dafür müssen fast 36 Millionen Grundstücke in Deutschland
Ab 2025 soll eine neue Grundsteuer-Berechnung gelten. Dafür müssen fast 36 Millionen Grundstücke in Deutschland neu bewertet werden. Patrick Pleul
Finanzministerium

Eigentümer in MV haben keine Lust auf Grundsteuer-Erklärung

Viele Eigentümer ächzen unter dem bürokratischen Aufwand, den ihnen die Grundsteuerreform abfordert. In MV hat bisher erst ein sehr kleiner Teil seine Erklärung abgegeben.
Schwerin

Es sind Zahlen, die aufhorchen lassen: Am 21. August hatten erst 4,2 Prozent der Eigentümer in Mecklenburg-Vorpommern ihre gesetzlich vorgeschriebene Erklärung zur Grundsteuer abgegeben. Stand 31. August waren etwa 7,3 Prozent der Aufforderung durch den Gesetzgeber nachgekommen.

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In absoluten Zahlen hatten bis zum letzten Augusttag nach Auskunft aus dem Finanzministerium 88.475 Eigentümer den mehrseitigen Erklärungsboden ausgefüllt. Landesweit wird aktuell schätzungsweise insgesamt von bis zu 1,2 Millionen wirtschaftlichen Einheiten ausgegangen. Mit der bescheidenen Rücklaufquote liegt MV im unteren Bereich beim Vergleich mit den anderen Bundesländern.

Hintergrund der Grundsteuerreform: Ab 2025 soll eine neue Grundsteuer-Berechnung gelten. Dafür müssen fast 36 Millionen Grundstücke in Deutschland neu bewertet werden. Das geschieht auf Grundlage von Angaben, die Eigentümer nun einreichen müssen – seit dem 1. Juli nehmen die Finanzbehörden die Daten entgegen.

Aufgrund bisher geringen Mitmachens der Eigentümer und vorübergehenden technischen Problemen beim Online-Portal „Elster” haben mittlerweile die Bundessteuerberaterkammer und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag sowie einige Landespolitiker eine Verlängerung der Abgabefrist gefordert, die regulär am 31. Oktober endet.

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Das Finanzministerium in Schwerin will die schwache Rücklaufquote nicht überbewerten. Der Eingang von Steuererklärungen gestalte sich selten linear über den gesamten Abgabezeitraum. Das sei auch bei der Grundsteuer nicht zu erwarten gewesen, heißt es auf Nordkurier-Nachfrage aus dem Haus von Finanzminister Heiko Geue.

„Es wird damit gerechnet, dass der Eingang in den nächsten Wochen und insbesondere zur Abgabefrist hin spürbar zunehmen wird. Insofern ist der aktuelle Stand der Erklärungsabgabe prinzipiell erwartbar gewesen”, hält das Ministerium den politisch brisanten Ball noch flach.

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Ferner weist das Geue-Ministerium darauf hin, das insbesondere im Bereich des land- und forstwirtschaftlichen Vermögens, wo nunmehr die Eigentümer und nicht mehr die Pächter erklärungsverpflichtet seien, die Anzahl der wirtschaftlichen Einheiten nur grob geschätzt werden könne. Dadurch könnte es bei der Berechnung der Rückläuferquote durchaus zu Abweichungen kommen.

Nach Mitteilung der Industrie- und Handelskammer Schwerin stellt die Grundsteuer für die Städte- und Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern mit jährlich rund 200 Millionen Euro eine der größten Einnahmequellen dar. Trotz dieses dreistelligen Millionenbetrages deutet das Finanzministerium bei der Abgabefrist eine gewisse Kulanz an: „In begründeten Einzelfällen ist schon jetzt nach den allgemeinen Vorschriften eine Fristverlängerung im Einzelfall möglich – beispielsweise in Fällen sehr umfangreichen Grundbesitzes.”

 

 

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