In Schieflage: Nach den MV Werften muss jetzt offenbar auch der Eigentümer Genting Hongkong Insolvenz anmelden.
In Schieflage: Nach den MV Werften muss jetzt offenbar auch der Eigentümer Genting Hongkong Insolvenz anmelden. Bernd Wüstneck
MV Landesregierung

Eigner der MV Werften erwägt Insolvenz im Inselparadies Bermuda

Erst das Tochterunternehmen MV Werften – jetzt auch der Mutterkonzern Genting Hongkong? Im Schiffbau im Nordosten droht die zweite Pleite innerhalb weniger Tage.
Schwerin

Der Eigner der insolventen MV Werften, Genting Hongkong, erwägt einen Insolvenzantrag. „Im Lichte der Finanzsituation des Konzerns – falls das Unternehmen nicht noch glaubwürdige Angebote für eine solvente, einvernehmliche und wechselseitig bedingte Sanierungslösung erhält – wird der Vorstand möglicherweise eine vorläufige Liquidierung des Unternehmens beim zuständigen Gerichtshof in Bermuda einreichen”, hieß es in einer Nachricht an die Investoren am Dienstag in Hongkong.

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Klage gegen das Land verloren

Am Vortag hatte das Landgericht in Schwerin den Eilantrag von Genting zur Auszahlung eines Darlehens des Landes Mecklenburg-Vorpommern abgelehnt. Der Konzern habe nicht hinreichend darlegen können, dass er ohne die Auszahlung der 78 Millionen Euro (88 Mio Dollar) in einer existenziellen Notlage sei, sagte die Richterin. Um eine Einstweilige Verfügung vor der Entscheidung in der Hauptsache zu erlangen, müsse eine solche existenzielle Notlage aber vorliegen.

Langfristige Kredite

Das Land hatte Genting Hongkong den Kredit gewährt, um eine für 2024/2025 prognostizierte Liquiditätslücke bei dem Konzern perspektivisch zu schließen. Genting meldete die Auszahlungsnotwendigkeit jedoch schon im Dezember 2021 an, weil bereits eine Liquiditätslücke klaffe. Das Land verweigerte die Auszahlung des Kredits – unter anderem mit der Begründung, dass die Zukunft der MV Werften nicht gesichert sei. Am vergangenen Montag meldete Genting dann Insolvenz für die MV Werften an.

Banken wollen nicht zahlen

Neben dieser Gerichtsentscheidung verwies Genting am Dienstag auch auf andere Versuche, kurzfristig Geldmittel aufzutreiben, inklusive einer Liquiditätsreserve von 81 Millionen US-Dollar, die ebenfalls Teil der Finanzierungsvereinbarung des Kreuzfahrtschiffes „Global One” sei. „Bisher hat keine der beteiligten Banken einer Auszahlung zugestimmt”, teilte das Unternehmen mit.

Zudem hieß es, dass vier der Vorstandsmitglieder als unabhängige, nicht-geschäftsführende Direktoren zurückgetreten seien. Gründe dafür wurden nicht genannt, es gebe jedoch keine Unstimmigkeiten mit dem Vorstand.

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Finanzlücke ist größer

„Das Land sieht sich durch die Ankündigung Gentings in seiner Skepsis bestätigt, dass das Darlehen in Höhe von 78 Millionen Euro in der jetzigen Situation nicht ausgereicht hätte, um diese Entwicklung zu verhindern. Die durch die Corona-Pandemie verursachten Probleme erscheinen größer als die im Rahmen der Sicherstellung einer Fortführungsperspektive verhandelte Darlehenszusage an den Mutterkonzern der MV Werften”, betonten MV-Finanzminister Heiko Geue und Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (beide SPD) in einer ersten Reaktion auf die aktuelle Entwicklung.

Das Land sei bereit gewesen, das für eine andere Situation gedachte Darlehen im Rahmen einer Gesamtlösung für die MV Werften an Genting auszuzahlen. Jetzt aber sei es auch im Interesse der Steuerzahler richtig, dass man sich gegen eine Auszahlung des Darlehens in ein Insolvenzszenario hinein vor Gericht gewehrt habe, so Meyer und Geue.

 

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