AWO, DRK, CARITAS, VOLKSSOLIDARITÄT

Ein bisschen mehr Transparenz in der Wohlfahrt

Anfang März erhitzte ein Vorschlag der Caritas die Debatte um die Sozialverbände. Was ist ein halbes Jahr später aus der Initiative geworden?
Standen vor einem halben Jahr bei ihrer Forderung nach verbindlichen Transparenz-Standards bei Sozialverbänden Rede und Antwort: Ulrike Kostka und Steffen Feldmann von der Caritas.
Standen vor einem halben Jahr bei ihrer Forderung nach verbindlichen Transparenz-Standards bei Sozialverbänden Rede und Antwort: Ulrike Kostka und Steffen Feldmann von der Caritas.
Schwerin.

Da dürften so manchem Funktionär bei Awo, DRK, Volkssolidarität und Co. die Ohren geklingelt haben. Die christlich-katholisch ausgerichtete Caritas in MV hatte im März an die anderen Wohlfahrtsverbände appelliert, Transparenz-Standards in ihrer Geschäftspolitik einzuführen. Diese Standards sollen die Offenlegung der Gehälter der Geschäftsführung, den detaillierten Umgang mit öffentlichen Mitteln sowie Bescheide des Finanzamtes beinhalten.

Das war ein Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Awo Müritz: Dort wurde der Vorstandsvorsitzende sogar über neun Jahre von der Geschäftsführung mit fürstlichen 5100 Euro monatlich entlohnt – ohne entsprechenden Tätigkeitsnachweis. Im Gegenzug revanchierte sich der Vorstandschef und „bedankte“ sich mit dem Abnicken eines lukrativen Geschäftsführergehalts.

Verbände haben sich Initiative angeschlossen

Mehr Transparenz bei den Geschäftspraktiken der Sozialverbände – gibt es schon erste Ergebnisse? „Das Feedback unter den Sozialverbänden zur Caritas-Transparenz-Offensive ist positiv. Inzwischen haben sich alle Wohlfahrtsverbände der ,Initiative Transparente Zivilgesellschaft‘ angeschlossen und Informationen auf ihren jeweiligen Websites veröffentlicht“, sagt Christina Kölpin von der Caritas-Pressestelle in Berlin.

In der Tat: Die in die Negativschlagzeilen geratenen Awo- und DRK-Landesverbände in MV geben beispielsweise Auskunft über Erträge, Aufwendungen und Personalaufwand. Was allerdings die oftmals hoch dotierten Geschäftsführer verdienen, bleibt – im Gegensatz zur Caritas – Geheimnis von Arbeiterwohlfahrt und Deutschem Roten Kreuz. Gilt die Caritas aufgrund ihrer Transparenz-Offensive jetzt als Netzbeschmutzer in der Sozialwirtschaft? Christina Kölpin: „Wir arbeiten in der freien Wohlfahrtspflege in Mecklenburg Vorpommern eng und vertrauensvoll mit den anderen Sozialverbänden zusammen, es sind keine Ressentiments zu spüren.“

In dem Zusammenhang verweist die Pressesprecherin auch auf die enge Abstimmung mit dem Sozialministerium in Schwerin. Das wiederum betont, dass Transparenz alternativlos sei und verloren gegangenes Vertrauen mühsam wieder zurückgewinnen werden müsste. Zudem kündigte Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) noch für September ein Spitzentreffen mit den Sozialverbänden an, um dort die Transparenz-Offensive weiter zu verankern.

 

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