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Fliegerhorst Laage

:

Ein Drittel der Eurofighter nicht einsatzbereit

Generalleutnant Ingo Gerhartz begrüßt Techniker am Fliegerhorst Laage.
Generalleutnant Ingo Gerhartz begrüßt Techniker am Fliegerhorst Laage.
Bernd Wüstneck

Neue Hiobsbotschaften für Deutsche Überschallflieger. Am Fliegerhorst Laage stehen viele Eurofighter still. Und auch bei der Marine besteht Grund zur Sorge.

Wer mit zweifacher Schallgeschwindigkeit fliegen will, muss sich zum Eurofighter-Piloten ausbilden lassen. Als einzigen Ausbildungsort hat die Bundeswehr den Fliegerhorst Laage eingerichtet. Am Fliegerhorst Laage, zentral zwischen Rostock und Güstrow gelegen, stationiert seit 1993 das Taktische Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff.”

Neben der Ausbildung von neuen Fliegern kümmert sich das Luftwaffengeschwader aber auch um die Sicherung des deutschen Luftraumes. Auf Anweisung der Nato kann in kürzester Zeit eine „Alarmrotte” zusammengestellt werden, die dann sofort gefechtsbereit wäre. Am Standort stehen augenblicklich 24 Eurofighter.

Probleme mit Selbstschutz

In letzter Zeit macht der Eurofighter vor allem negative Schlagzeilen. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Spiegel” sind nur eine kleine Anzahl der Kampfjets einsatzbereit. Grund für den Ausfall: technische Probleme am Selbstschutzsystem. Ein Sensor am Flügel der Flugzeuge könne nicht ausreichend gekühlt werden. Die Bundeswehr hat die Probleme bestätigt. Ein Sprecher sagte damals, man arbeite mit Hochdruck an einer Lösung.

Inzwischen sind schon einige Wochen vergangen. Zum 01.06 gab es einen Wechsel in der Führung: Ingo Gerhartz übernimmt den Posten des Generalinspekteurs der Luftwaffe. Er folgte auf Karl Müllner, der Ende Mai in den Ruhestand ging. Der erste Truppenbesuche führte Gerhartz nun an den Fliegerhorst Laage. Das war eine bewusste Entscheidung, denn der Generalleutnant erachtet Laage als „Wiege für all unsere Eurofighter-Piloten.”

Viele Flieger stehen still

Von den 24 Eurofightern, die an diesem Mittwoch im Fliegerhorst standen, waren nur 16 einsatzbereit. Viele Flieger stünden still, weil Ersatzteile fehlten. Dabei sieht der Generalinspekteur auch die Industrie in der Pflicht. Davon abgesehen müsse sich aber auch bei der Luftwaffe noch einiges verbessern: „Die Einsatzbereitschaft ist wirklich nicht zum Besten bestellt”, konstatierte Gerhartz beim Besuch.

Der Stillstand vieler Eurofighter hat auch negative Auswirkung auf die Ausbildung der Piloten. Sie kämen nun nicht mehr auf die geforderte Zahl von Flugstunden, erklärte der Inspekteur. Während der Flugausbildung sollte ein junger Soldat 140 Stunden pro Jahr im Flugzeug sitzen, derzeit seien es nur rund 100 Stunden.

Wehretat muss wachsen

Auch bei der Marine besteht Grund zur Sorge. Vize-Admiral Andreas Krause, Generalinspekteur der deutschen Marine, sprach sich schon am Anfang der Woche für einen höheren Wehretat aus. Wenn die Marine auch weiterhin alle ihre Aufgaben erfüllen soll, brauche sie mindestens für 15 Jahre mehr Geld als bisher, sagte Krause der „Ostsee-Zeitung”.

Zustimmung erhielt der Admiral auch von Innenminister Lorenz Caffier. Am Dienstag twitterte er: „Klare Position und richtige Beurteilung des Inspekteurs der Marine.” Das 2-Prozent-Ziel für den Wehretat wurde von der Nato vereinbart. Jahr für Jahr würde es den Bundeshaushalt mit Mehrausgaben im zweistelligen Milliardenbereich belasten. Wo das Geld für die Rüstung fehlt, bleibt die Bundeswehr wohl weiterhin nur „bedingt einsatzbereit.”