Schwarzmundgrundel
Eingeschleppter Fisch breitet sich in MV aus

Mit der Schwarzmundgrundel verbreitete sich eine eingeschleppte Fischart ungewöhnlich schnell in der Ostsee. Inzwischen ist sie auch in den Flüssen von MV angekommen.
Mit der Schwarzmundgrundel verbreitete sich eine eingeschleppte Fischart ungewöhnlich schnell in der Ostsee. Inzwischen ist sie auch in den Flüssen von MV angekommen.
Daniel Stepputtis

Sie ist nicht sonderlich hübsch und dazu noch gefräßig. Die invasive Schwarzmundgrundel erobert nach der Ostsee die Flüsse in Mecklenburg-Vorpommern. Sehr zum Unmut vieler Angler.

So mancher Fischer oder Angler staunt, was er da aus dem Wasser gezogen hat. Schwarz getigert, Glubschaugen, ein gedrungener Körper und ein großes Maul: Die Schwarzmundgrundel – lateinisch Neogobius melanostomus – findet sich immer öfter in Netzen oder hängt am Haken.

Erstmals 1999 vor Südostrügen im Greifswalder Bodden nachgewiesen, hat sich die Schwarzmundgrundel seitdem als „Massenart“ über die gesamte deutsche Ostseeküste ausgebreitet und erobert nun auch schrittweise die angrenzenden Flüsse in MV.

Bildergalerie: Tierische Einwanderer im Nordosten

Fisch stammt ursprünglich aus Asien

Der Zoologe Helmut Winkler von der Universität Rostock sagt, aus der Ostsee sei die Schwarzmundgrundel in die meisten Fließgewässer eingewandert – wie Uecker, Zarow oder Peene. Dort mache sie aber keine solchen großen Probleme wie in Süd- und Westdeutschland.

Auch in die Uckermark hat sich der Eindringling schon breit gemacht. „In der Oder tritt die Schwarzmundgrundel mittlerweile in großen Stückzahlen auf”, sagt Michael Tautenhahn, stellvertretender Leiter des Nationalparks Unteres Odertal. Seit dem Erstnachweis 2013 in Nationalpark zieht die Fischart kontinuierlich flussaufwärts.

Ursprünglich ist die Schwarzmundgrundel im Kaspischen und Asowschen Meer an der Grenze zwischen Europa und Asien beheimatete. Die räuberische Fischart kommt dabei sowohl mit Brack- als auch Süßwasser zurecht und kann sich darin auch vermehren. „Der Fisch ist extrem anpassungsfähig”, sagt Fischereibiologe Daniel Oesterwind vom Thünen-Institut in Rostock.

Schwarzmundgrundel reiste vermutlich in Schifftanks

Anders als in Süddeutschland, wo die Fischart sich etwa in Donau oder Rhein über Kanäle schnell natürlich verbreitet, wurde die Fischart im Nordosten vermutlich über abgelassenes Balastwasser von Schiffen in Ostseehäfen eingeschleppt. Daher spricht man bei der Schwarzmundgrundel auch von einem Neozoon. Das sind Tierarten, die sich ein Gebieten etabliert haben, in denen sie ursprünglich nicht vorkamen – sei es mithilfe des Menschen oder ohne.

Die Schwarzmundgrundel wird bis zu 25 Zentimeter lang und hat eine typische Grundel-Gestalt, die mit abgeflachten Kopf, nach obenstehenden Maul und Augen perfekt an das Bodenleben angepasst ist. Sie lebt in den Boden- und Uferzonen mit steinigem Untergrund und ernährt sich von Insektenlarven, Flohkrebsen, Schnecken und Muscheln.

Auswirkungen auf heimische Fische

Der Fisch kann auch Eier und Larven von heimischen Fischen fressen und einen erheblichen Einfluss auf deren Fortpflanzung haben. Im Greifswalder Bodden – der Kinderstube des Herings – ist dies auf den Hering bezogen aber noch nicht der Fall, wie der Experte vom Thünen-Institut erläutert. Die Rolle der Schwarzmundgrundel als möglicher Laich- und Kleinfischräuber und als Nahrungskonkurrent einheimischer Arten wird aktuell intensiv untersucht.