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Endlich Umfrage zu Straftaten gestartet

Nicht zu allen Straftaten wird die Polizei hinzugezogen. Von einer Umfrage erhoffen sich die Beamten nun Auskunft über die Dunkelziffer.
Nicht zu allen Straftaten wird die Polizei hinzugezogen. Von einer Umfrage erhoffen sich die Beamten nun Auskunft über die Dunkelziffer.
Patrick Seeger

Stolz verkündete Innenminister Caffier (CDU) im vergangenen Jahr einen Kriminalitätsrückgang. Doch die Zahlen sind laut Experten mit Vorsicht zu genießen. Ein Projekt des Landekriminalamtes könnte zu ganz anderen Ergebnissen führen.

Das Landeskriminalamt (LKA) will es ganz genau wissen: 19 DinA4-Seiten umfasst der Fragenkatalog zur Kriminalitätslage, den rund 8000 Menschen im Nordosten in den vergangenen Wochen per Post erhalten haben. Die Polizei will mit Hilfe der groß angelegten Umfrage die Sicherheitslage im Nordosten genauer kennenlernen. Gefragt werden die Teilnehmer auch, ob sie schon einmal Opfer eines Verbrechens geworden sind. Dazu gehören Delikte wie Diebstahl, Körperverletzungen, Einbrüche und Internetkriminalität. „Wir finden es gut, dass sich das Innenministerium zu diesem Projekt durchgerungen hat“, sagt der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Ronald Buck.

BDK-Mann Buck setzt in die Untersuchung vor allem eine Hoffnung: Sie könnte Erkenntnisse zum tatsächlichen Ausmaß der Kriminalität in MV liefern. Die jährlich vorgestellte Polizeiliche Kriminalstatistik des Innenministeriums (PKS) sei nämlich nur wenig aussagekräftig.

Stolz hatte Innenminister Lorenz Caffier (CDU) im vergangenen Jahr verkündet, dass die Zahl der Straftaten insgesamt auf dem niedrigsten Niveau seit Erhebung der Daten liegt und die Straßen- und Gewaltkriminalität erheblich abgenommen habe. Doch die „Jubelzahlen“, wie BDK-Chef Buck es ausdrückt, sind mit Vorsicht zu genießen. Die Kriminalstatistik enthält nur die von den Beamten registrierten Fälle.

In Niedersachsen erstatteten 70 Prozent der Opfer keine Anzeige

Die Polizei selbst geht aber davon aus, dass längst nicht alle Straftaten angezeigt werden. „Etwa Diebstähle von geringem Wert“, erklärt Buck. Kriminologen bezeichnen diese Differenz zwischen amtlich registrierten Straftaten (Hellfeld) und der vermutlich begangenen Kriminalität als Dunkelfeld. „Das wird in der PKS vollkommen vernachlässigt, spielt aber gerade bei organisierter Kriminalität und Drogenhandel eine wichtige Rolle“, gibt Buck zu bedenken.

Der BDK-Vorsitzende rechnet damit, dass über die LKA-Umfrage zur Sicherheitslage mehr Straftaten ans Tageslicht befördert werden als in der Statistik angegeben sind. „Das führt dann hoffentlich zu einer neuen Debatte über den fortschreitenden Personalabbau bei der Polizei, der mit den Fallzahlen aus der Kriminalitätsstatistik begründet wurde“, hofft Buck. Er hat für seine Annahme gute Gründe: In Niedersachsen lief ein ähnliches Projekt. Das Ergebnis: Demnach wurden 2012 etwa 30 Prozent der Niedersachsen Opfer einer Straftat – aber 70 Prozent dieser Opfer erstatteten keine Anzeige. Ihre Fälle wurden somit nicht erfasst.

Bis erste Ergebnisse der Studie in MV vorliegen muss sich Buck noch bis zum Frühsommer 2015 gedulden. Rund ein Viertel der 8000 Umfrageteilnehmer hat bislang geantwortet. Damit ein repräsentatives Ergebnis herauskommt, hat das LKA erst kürzlich dazu aufgerufen, dass möglichst viele Teilnehmer die Fragebögen beantworten und zurückschicken.