Viele Hotels in Mecklenburg-Vorpommern kämpfen um ihre Existenz.
Viele Hotels in Mecklenburg-Vorpommern kämpfen um ihre Existenz. Bernd Wüstneck
Dehoga-Umfrage

Energiekosten treiben den MV-Tourismus in den Ruin

Das Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern ist in Gefahr. Laut einer Dehoga-Umfrage fürchtet das Gastgewerbe um seine Existenz. Wie muss der Branche jetzt geholfen werden?
Schwerin

Die Lage und die Stimmung im Gastgewerbe im nordöstlichsten Bundesland hat sich nochmals massiv und dramatisch verschlechtert. Das ergab eine aktuelle Blitz-Umfrage des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). Nachdem sich über den Sommer die Krisensituation leicht entspannt hatte, bangen mittlerweile angesichts explodierender Kosten und sinkender Umsätze 6 von 10 Gastgewerbebetriebe in Mecklenburg-Vorpommern um die unternehmerische Existenz – insbesondere aufgrund der hohen Energiepreise, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes.

Mehr lesen: So steht es um die MV-Tourismusbranche

Im Vergleich zum August habe sich der Prozentsatz derer, die sich in der Existenz bedroht sähen, nahezu verdoppelt. Ein Viertel der Unternehmen befürchteten zudem bereits in 2022 in die Verlustzone zu geraten, 40 Prozent der Befragten prognostizierten dies für das nächste Jahr.

Mehr lesen: Hotels und Gaststätten schlagen wegen Energiepreisen Alarm

„Diese Entwicklung ist dramatisch, trifft die Energiekrise doch auf Unternehmen, die durch die Coronakrise bereits finanziell ausgelaugt und wirtschaftlich zumindest angeschlagen sind. Wir brauchen Tempo, Tempo, Tempo. Wir brauchen Versorgungssicherheit mit bezahlbarer Energie. Wir brauchen Verlässlichkeit und Planbarkeit – für uns, unsere Betreibe und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter”, betonte Dehoga-Chef Lars Schwarz. Die Gewährleistung der Energieversorgung und die wirksame Energiepreisbremse müssten jetzt Priorität haben. Wenn jetzt nicht gehandelt werde, gehe für immer das Licht aus.

Mehr lesen: Immer mehr Sorgenfalten an der Müritz – so lief die Feriensaison

„Ich bin fest davon überzeugt, dass das avisierte Maßnahmenpaket der Bundesregierung nur dann als wirklicher Abwehrschirm funktioniert, wenn es schnell wirkt. Neben einer wirklich funktionierenden Energiepreisbremse und neben Härtefallhilfen – dort wo nötig – muss es zudem auch um die adäquate Absicherung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Form von Kurzarbeitergeld gehen”, so Schwarz weiter.

Mehr lesen: Trübe Stimmung im Tourismusland MV

Laut den Angaben der Umfrageteilnehmer aus Mecklenburg-Vorpommern wachsen die Energiekosten ab Oktober 2022 um durchschnittlich 50 Prozent, ab Januar 2023 gar um 117 Prozent. 7 Prozent vermelden bereits im September Kostenerhöhungen von bis zu 200 Prozent, nochmals 5 Prozent der Befragten skizzierten aktuelle Energiekostenerhöhungen von 200 bis 400 Prozent oder gar mehr. Erschwerend hinzu kämen die in die Höhe schnellenden Preise für Lebensmittel (plus 26 Prozent) und Getränke (plus 15 Prozent) im September gegenüber dem Vorjahresmonat. In den meisten gastgewerblichen Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern (85 Prozent) könnten die exorbitanten Kostensteigerungen nur teilweise oder gar nicht über Preissteigerungen an die Gäste weitergegeben werden, sagte der Dehoga-Chef.

Mehr lesen: Wer urlaubt eigentlich zwischen Ostsee und Seenplatte?

Schwarz nachdrücklicher Appell an die Politik: „Schluss mit dem Gerede – handelt, sonst bleibt vom Gastgewerbe im selbsternannten Tourismusland Nr. 1 nicht mehr viel übrig.”

zur Homepage