BETRÜGER SEIT ZWEI WOCHEN AUF DER FLUCHT

Entflohener Häftling wie vom Erdboden verschluckt

Einem Gefangenen gelingt aus der Rostocker Uni-Klinik die Flucht. Er geht ungefesselt zur Toilette und sucht dann das Weite. Für seinen Bewacher könnte das Konsequenzen haben.
Vor seiner Flucht hatte der 48-Jährige seine Strafe in der JVA Bützow verbüßt.
Vor seiner Flucht hatte der 48-Jährige seine Strafe in der JVA Bützow verbüßt. Dpa
Neubrandenburg.

Er entwischte seinem Aufpasser und ist seit mittlerweile zwei Wochen auf der Flucht: Von dem 48-jährigen Häftling, der Anfang März aus der Rostocker Uni-Klinik geflohen ist, fehlt bislang jede Spur. „Der Mann ist bundesweit zur Fahndung ausgeschrieben“, teilte die Polizeiinspektion Rostock dazu knapp mit.

 Im Justizministerium wird dagegen derzeit geprüft, warum der Häftling überhaupt fliehen konnte und ob er dabei eine Unachtsamkeit seines Bewachers ausgenutzt hatte. „Es ist ein disziplinarrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet worden“ sagte dazu Justizsprecher Tilo Stolpe. Der Fall in der Rostocker Uniklinik werde detailliert aufgearbeitet. Näher wollte Stolpe darauf aber nicht eingehen.

Im Zentrum der Untersuchungen dürfte die Frage stehen, warum der Gefangene ohne ausreichende Sicherungsmaßnahmen sein Zimmer verlassen durfte. Der wegen Betruges zu 21 Monaten Haft verurteilte Mann lag seit Januar in der Klinik. Ein Justizvollzugsbeamter war permanent zu seiner Überwachung eingesetzt. Und dennoch gelang dem Betrüger die Flucht. Nach bisherigen Erkenntnissen war der Gefangene ungefesselt zur Toilette auf den Flur gegangen. Der Beamte kehrte kurz zum Krankenzimmer zurück. Das nutzte der Häftling aus: Er entkam über den Flur. Der Ausgang des Verfahrens gegen den Beamten sei völlig offen, betonte Stolpe.

Gewalttäter läuft in Handfesseln davon

Dass Häftlingen in Mecklenburg-Vorpommern die Flucht gelingt, kommt immer wieder vor – wenn auch selten. Laut Justizministerium hat es im vergangenen Jahr zwei sogenannte Entweichungen gegeben. So entwischte ein gefährlichen Straftäter in Rostock bei einer Zahnarztbehandlung. Der wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung in einer forensischen Klinik untergebrachte Mann war seinen Bewachern mit angelegten Handfesseln davongelaufen. Die Polizei fahndete mit rund 130 Beamten, acht Hundeführern und einem Hubschrauber nach dem 37-Jährigen. Nach acht Stunden entdeckten sie den Geflüchteten in einem mit Bäumen und Hecken bewachsenen Gebiet beim Hauptbahnhof.

Der zweite Fall habe sich mit einem Untersuchungshäftling in Wismar ereignet, teilte das Justizministerium mit. „Jeder Fall ist natürlich einer zuviel und nicht vertretbar“, betonte Justizsprecher Tilo Stolpe verwies aber auf die Relationen bei jährlich rund 8000 Häftlingen.

Häufiger kommt es dagegen vor, dass Freigänger ihren Ausgang oder Hafturlaub eigenmächtig verlängern oder gar nicht erst zurückkehren. So wie der 24-Jährige aus dem Jugendgefängnis Neustrelitz: Der wegen Raubes verurteilte Mann war im Juni von einem Ausgang nicht zurückgekehrt und abgetaucht. Fünf Monate später fand ihn die Polizei in einer Greifswalder Wohnung.

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