Russland, Merz, Corona

Er ist wieder da – Philipp Amthor setzt auf Attacke

Gut drei Monate nach den Schlagzeilen um lukrative Nebentätigkeiten sucht Philipp Amthor (CDU) wieder die Öffentlichkeit. Gut, denn einige Fragen stehen da noch im Raum. Der Nordkurier stellte sie in einem großen Interview.
Philipp Amthor war mehrere Monate abgetaucht, jetzt ist er wieder da.
Philipp Amthor war mehrere Monate abgetaucht, jetzt ist er wieder da. Jens Büttner
Neubrandenburg

In einem Jahr will Philipp Amthor seinen Bundestagswahlkreis in MV verteidigen – und folgte man seiner eigenen Einschätzung, müsste man zum Schluss kommen: Das wird ein Spaziergang. Trotz starker AfD in der Region, trotz Pipeline-Streit, trotz der lukrativen Nebentätigkeit, die den jungen Ueckermünder zeitweise in Bedrängnis brachte.

+++ Lesen Sie hier das komplette Interview mit Philipp Amthor. +++

Die Selbstkritik, die Amthor vor einigen Wochen in der Affäre um das amerikanische Startup „Augustus Intelligence” äußerte, sie lässt nach. „Ich mache um das Thema auch bewusst keinen Bogen und spreche es vor allem von mir aus an”, sagte Amthor im Interview mit dem Nordkurier. Von den Bürgern in seinem Wahlkreis sei ihm aber vor allem der Rücken gestärkt worden. „Nach meinem Eindruck waren nicht alle Beiträge, die in den vergangenen Monaten über mich veröffentlicht wurden, nur von einer fairen Suche nach einem sachlichen Kern geprägt.”

Die Frust-Themen der Region

Nachdem er Ämter aufgegeben und Aktienoptionen zurückgegeben hatte, macht Amthor allerdings auch deutlich, dass Nebentätigkeiten für ihn auch künftig kein rotes Tuch sein werden. Er habe, so Amthor, immer schon gesagt, „dass Politik kein Beruf ist”. Nebentätigkeiten von Abgeordneten seien in Deutschland ausdrücklich erlaubt. „Aber man muss für sich selbst natürlich eine klare Trennung zwischen Beruf und Politik aufrechterhalten.”

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Mit Blick auf die Bundestagswahl äußerte sich Amthor selbstbewusst. Er spüre „allerorten”, dass er einen Vorsprung auf die politische Konkurrenz habe. Er wolle für die Region „nicht beschönigen, dass einige der großen Frustrationsthemen nicht zufriedenstellend gelöst sind”, so Amthor. Er könne aber nicht erkennen, dass die Wähler ihm das übel nehmen.

Der AfD als wohl schärfstem politische Konkurrenz in der Region warf er vor, nichts erreicht zu haben – und keinerlei Präsenz zu zeigen. Zumindest der zweite Teil der Aussage ignoriert die schiere Zahl öffentlicher Stammtische, Veranstaltungen und Wahlkampf-Stände, die die AfD in den vergangenen Monaten beworben hat.

Mehr Debatte um Corona

In Sachen Corona betonte Amthor, er wünsche sich eine emotionale und kontroverse Debatte. Und er forderte mehr Selbstkritik in der Politik. „Ebenso wie (bei der Flüchtlingskrise, Anm. d. Red.) 2015 dem richtigen Gedanken der Humanität später das notwendige Korrektiv der Ordnung entgegengestellt werden musste, muss im Jahr 2020 dem richtigen und unabdingbaren Gedanken des Gesundheitsschutzes auch gelegentlich das Korrektiv der eigenverantwortlichen Freiheit entgegengehalten werden.”

Im Führungsstreit der CDU und der Frage nach der Kanzlerkandidatur der Union vermied Amthor, der sich vor zwei Jahren noch gegen Friedrich Merz positioniert hatte, eine eindeutige Aussage. Er erklärte aber: „Wenn ich mir die Erwartungen meiner Parteibasis anschaue, kann ich jedenfalls sagen, dass sehr viele Mitglieder sicherlich besonders gern für Friedrich Merz in den Wahlkampf ziehen würden.” Dessen jüngste Aussagen zum Thema Homosexualität verteidigte Amthor dann wiederum.

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„Ich will keine Investitionsruine in meinem Wahlkreis”

Der CDU-Mann stellte sich auch gegen neue Russland-Sanktionen oder gar ein Aus für das Pipeline-Projekt Nord Stream 2. Er wolle keine Investitionsruine in seinem Wahlkreis – zumal die auch noch mit Haftungsklagen gegen den Staat verbunden sein könnte.

Die Diskussion um einen Baustopp war nach dem Gift-Anschlag auf den russischen Oppositionellen Alexander Nawalny erneut aufgebrandet. „Diesbezüglich stehen noch einige Antworten der russischen Staatsregierung auf völkerrechtliche Fragen aus”, so Amthor. Sanktionen seien dabei „allenfalls das zweitbeste Mittel”. Er wünsche sich eine „diplomatische Lösung in einem gegenseitigen Dialog”.

+++ Hier finden Sie das komplette Nordkurier-Interview mit den ausführlichen Antworten von Philipp Amthor. +++

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Kommentare (7)

Ach wirklich? Wo waren dann die investigativen quälenden Fragen? Ich lese nur Aussagen des Herrn Amthor. "Nebentätigkeiten für ihn auch künftig kein rotes Tuch"; Dann mal los; kann wie gewohnt, weiter gehen. Das soll ein großes Interview sein? Ich bitte Sie! [Anmerkung der Redaktion: Das hier ist nur eine Zusammenfassung einiger Themen aus dem Interview. Das ganze Interview gibt es hier: https://www.nordkurier.de/mecklenburg-vorpommern/philipp-amthor-politik-ist-kein-beruf-0140900110.html]

Er wünscht sich eine emotionale Debatte zu Corona? Na emotionaler und propagandistischer als derzeit, geht es ja wohl kaum. Wir sollten uns da doch wohl eher eine sachliche und nüchterne Diskussion wünschen.
Immerhin spricht aus dem zweiten Teil des Zitats die Erkenntnis, dass man von der bislang propagierten Absolutheit des Gesundheitsschutzes wohl doch abrücken sollte.

... einem Interview stelle ich mir was anderes vor. Aber vielleicht bin ich schon zu alt um diese Form des geführten Interviews zu verstehen. [Anmerkung der Redaktion: Das hier ist nur eine Zusammenfassung einiger Themen aus dem Interview. Das ganze Interview gibt es hier: https://www.nordkurier.de/mecklenburg-vorpommern/philipp-amthor-politik-ist-kein-beruf-0140900110.html]

Substanziell existieren beide nicht.
Von der Substanz anderer leben - eben einfach gemacht.
Den gespürten politischen Vorsprung - klingt nach Kopfschmerzen und wetterfühlig.
Wenn er sich da mal nicht irrt und der Wähler doch nachtragend ist, was Frust und Probleme angeht?

ist als Politiker für jeden anständigen Menschen verbrannt. Soll sich lieber als Jurist bei einem seiner Geldgeber prostituieren! Würde den Staat entlasten.

Nimmt der Gerhard ja noch einen Lehrling

Die Aussagen werden beliebiger, alte Fehler sind keine mehr, Antworten werden wischie-waschiger und er weiß doch eigentlich immer alles besser.
Er ist auf dem Weg, einer von den vielen 08/15-Politikern zu werden.
Wie gesagt, ein Politiker sollte vor seiner Politkariere erst einmal zehn Jahre in die „freie“ Wirtschaft um des Leben kennenzulernen.
Und dann bitte nicht die vielen Juristen und Lehrer im Bundestag!