INSEKTENSCHUTZ

Erboster Landwirt rechnet mit Minister Backhaus ab

Bauer Wolfgang Constien ist sauer über Äußerungen von Till Backhaus. Nach seiner Ansicht hat der Minister die gesamte Branche verunglimpft.
Landwirt Wolfgang Constien
Wolfgang Constien Susanne Böhm
Wolfgang Constien
Wolfgang Constien Susanne Böhm
Teterow ·

Bauer Wolfgang Constien ist die Hutschnur hochgegangen, als er vom Streit zwischen Agrarminister Till Backhaus (SPD) und Landesbauernpräsident Detlef Kurreck gelesen hatte. Die beiden waren aneinandergeraten, als es um die Interpretation eines Gesetzentwurfs der Bundesregierung zum verschärften Insektenschutz ging. „Ich kann gar nicht glauben, was Backhaus gesagt haben soll“, sagt der Landwirt, der in Jördenstorf bei Teterow einen eigenen Landwirtschaftsbetrieb hat.

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Worte des Ministers haben Landwirt getroffen

Auch gut eine Woche nach dem Wortscharmützel kann jeder auf der Homepage des Ministeriums nachlesen, wie Backhaus auf den Unmut und die Enttäuschung des Bauernverbandes über die Berliner Beschlüsse reagiert hatte. Zuvor hatte der Verband geltend gemacht, das „fast jeder zweite Hektar im Land bereits heute nach den Vorgaben des Greenings (Öko-Auflagen der EU – die Red.) oder eines Agrarumweltprogramms“ bewirtschaftet werde.

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Dazu Backhaus: „Was zunächst gut klingt, bedeutet aber auch, dass auf der anderen Hälfte der Flächen keine Maßnahmen ergriffen werden, die dem Klima oder dem Umweltschutz dienen. Wir reden hier über weit mehr als 600 .000 Hektar.“ Mit dem Vorwurf eines „dauernden Lamentos“ an die Adresse des Bauernverbandes setzte er noch eins drauf.

„Das nehme ich ihm übel, wenn er solche Sätze öffentlich hinschmeißt. Das kann ich so nicht stehen lassen“, sagt der 69-Jährige, der vor31 Jahren als Wiedereinrichter gestartet war und heute in Spitzenzeiten in seinem Betrieb bis zu zehn Menschen beschäftigt. Offenbar fehle dem Minister jegliches Wissen über die Photosynthese, keilt Constien zurück, der nach eigenen Angaben nicht Mitglied des Bauernverbandes ist.

Constien spricht von „offener Hetze“

Die Pflanzen auf jedem Acker bänden Kohlendioxid in Größenordnungen und setzten Sauerstoff frei: So weise zum Beispiel ein Feld mit Zuckerrüben für die Photosynthese die fünffache Blattfläche im Vergleich zu einem Laubwald auf.

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Wenn Backhaus seine Vorwürfe wider besseren Wissens stehen lasse, betreibe er pure Demagogie, so Constien. Er spricht von „offener Hetze“ gegen die als Umweltsünder gebrandmarkten Landwirte. Offenbar sitze der Minister mit seinen Zuständigkeiten für Landwirtschaft und Umwelt zwischen den Stühlen. Die Äußerungen von Backhaus seien Wasser auf die Mühlen all derer, die mit prall gefüllten Kühlschränken die Existenz der heutigen Landwirtschaft untergraben. „Leider rennt er damit bei vielen offene Türen ein“, befürchtet Constien.

Der Landwirt selbst ist von den geplanten Einschränkungen für den Ackerbau in sogenannten FFH-Schutzgebieten betroffen. Er bewirtschaftet seit Jahren rund 95 Hektar im Schutzgebiet der Kleingewässerlandschaft nördlich seines Heimatortes und hat eine Infotafel aufgestellt. „Ich kenne keine Hinweise, dass die Biotope dort leiden“, sagt er. Laut dem neuen Insektenschutz ist vorgesehen, bis 2024 den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln in Schutzgebieten einzuschränken. Erfolgt das durch die Landwirte nicht freiwillig, sollen danach ordnungsrechtliche Auflagen greifen, so die Vorstellungen aus Berlin.

Mitteleinsatz nur dort, wo es notwendig sei

„Das schwebt wie ein Damoklesschwert über meinem Betrieb. Dann kann ich dort die konventionelle Landwirtschaft vergessen“, kündigt er an. Könne zum Beispiel eine Blattlausplage nicht angemessen bekämpft werden, drohten Einbußen. „Das war es dann mit der Photosynthese“, sagt er.

„Nicht mehr als nötig, so wenig wie möglich“, beschreibt Constien seine Prinzipien beim Einsatz chemischer Mittel. Er nennt die Pläne zum Insektenschutz eine „Teilenteignung“, er habe die Flächen unter anderen Vorzeichen und ohne Einschränkungen gekauft. Allerdings sei ihm klar, dass es in der Branche schwarze Schafe gebe, deren Fehlverhalten staatlich sogar sanktioniert werde.

Constien lässt keine Zweifel daran, dass er mit Leib und Seele Bauer ist. „Ans Aufhören denke ich überhaupt noch nicht“, stellt er klar. „Ich bin davon beseelt, für die Ernährung der Menschen geradezustehen.“ Das würde er gern auch Minister Backhaus im direkten Gespräch erklären. Er wolle nicht zulassen, dass die Branche von vorn bis hinten besudelt werde.

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Kommentare (5)

Zuckerrübenfeld gegen Laubwald ... Da sprach wirklich ein Bauer mit Leib und Seele...

kann man auch mit Steinmehl bestäuben und so gut bekämpfen. Das schreibt ein Gärtner!

sind wie Atombomben gegen Insekten. Sie haben nicht den Hauch einer Chance mehr.

bist ein Teil des Systems, das aus lebendigen Fluren mit Feldhasen, Rebhühnern und Millionen von Wildkräutern in den Kornfeldern eine Agrarwüste gemacht hat. Blind muss sein, wer das nicht sehen kann. Von den zehn Millionen Rebhühnern Deutschlands gibt es nur noch ein paar tausend. Und jedes Jahr werden es weniger. Sie und noch viele andere werden ganz aussterben, wenn nicht JETZT gehandelt wird.

heißt BACKHAUS !