SEK-SKANDAL

Ermittlungen führen in die Bundeswehr

Mehrere der beschuldigten Polizisten im SEK-Skandal waren Elitesoldaten der Bundeswehr. Mindestens einer der Beteiligten am Munitionsdiebstahl ist Mitglied der AfD.
Uwe Reißenweber Uwe Reißenweber
SEK-Mitglieder im Einsatz: Im Skandal um gestohlene Munition werden Schritt für Schritt weitere Details zu den beschuldigten Elitepolizisten bekannt.
SEK-Mitglieder im Einsatz: Im Skandal um gestohlene Munition werden Schritt für Schritt weitere Details zu den beschuldigten Elitepolizisten bekannt. Boris Roessler
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Schwerin.

Die Spur führt zur Truppe: Die verdächtigen Polizisten im Skandal um das Spezialeinsatzkommando (SEK) waren zuvor teils Angehörige von Eliteeinheiten der Bundeswehr. Nach Informationen des Nordkurier sind darunter zwei ehemalige Fallschirmjäger und ein Ex-Soldat der besonders exklusiven Fernspähkompanie.

Bei dem Fernspäher handelt es sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen um Marko G., an den drei andere SEK-Polizisten seit dem Jahr 2012 aus Landesbeständen gestohlene Munition weitergegeben haben sollen. Der Mann wird verdächtigt, Verbindungen zur mutmaßlich rechtsextremen Prepper-Gruppierung „Nordkreuz“ zu haben.

Mutmaßlich rechte Netzwerke in der Bundeswehr

Die Fernspähkompanie war eine inzwischen aufgelöste Einheit, die der Division „Schnelle Kräfte“ unterstellt war. Ihre Aufgabe: das Gewinnen von Informationen in der Tiefe des feindlichen Raums, unter anderem durch optische Spezialaufklärung. Zwei andere Beamte dienten zuvor als Kraftfahrer und bei der DDR-Volksmarine. Immer wieder gibt es Berichte über mutmaßlich rechtsextreme Netzwerke in der Bundeswehr.

In der vergangenen Woche waren vier Mitglieder des Spezialeinsatzkommandos (SEK) festgenommen worden. Zwei der Männer sitzen in Untersuchungshaft, zwei sind gegen Auflagen auf freiem Fuß. Vier weitere SEK-Beamte wurden vorsorglich versetzt. Gegen einen von ihnen wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet und ihm „das Führen der Dienstgeschäfte“ verboten. Die Rede ist auch immer wieder von einer Prepper-Liste mit Feinden, die bei einem Umsturz umgebracht werden sollten.

Die Staatsanwaltschaft Schwerin ermittelt – unter anderem wegen des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und gemeinschaftlichen Betrugs. Bei einem der Verdächtigen wurde eine Maschinenpistole vom Typ „Uzi“ gefunden. Laut einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft ist noch immer nicht geklärt, woher ein großer Teil der mindestens 10 000 Patronen stammt.

Wurde rechtsextremer Umsturz vorbereitet?

Die Munition ist möglicherweise zum Teil bei Schießübungen von SEK-Einheiten aus ganz Deutschland in Güstrow gestohlen worden. Andere Patronen könnten somit aus Beständen der Bundeswehr oder anderer Landespolizeien stammen, ein kleinerer Teil aus denen des Landeskriminalamtes MV. Sollte sich das erhärten, steht der Verdacht eines bundesweit agierenden Netzwerkes rechtsextremer Sicherheitskräfte im Raum, die einen Umsturz vorbereiten.

Begonnen hatte alles im Sommer 2017 mit Durchsuchungen des Generalbundesanwaltes im sogenannten Prepper-Ermittlungsverfahren. Es geht dabei um den Vorwurf des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Beschuldigte aus MV sind der Rostocker Anwalt Jan-Hendrik H. und der Polizeibeamte Haik J..

Marko G. ist im Verfahren des Generalbundesanwalt Zeuge, im Verfahren der Schweriner Staatsanwaltschaft Beschuldigter. Er ist offenbar die Schnittstelle zu Jan-Hendrik H. und Haik J.. Letzterer ist Mitglied im AfD-Landesfachausschuss Innere Sicherheit und damit auch Mitglied der Partei. Das bestätigten gestern Parteikreise dem Nordkurier. Auch Polizist Marko G. soll Mitglied der AfD sein. Landesvorsitzender Leif-Erik Holm wollte das in einer ersten Reaktion „aus Datenschutzgründen“ weder bestätigen noch dementieren.

 

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