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Ermittlungen gegen mutmaßlichen KZ-Wächter in MV

Auschwitz-Birkenau war das größte Konzentrationslager der Nationalsozialisten. Nun wird gegen einen 93-Jährigen ermittelt, der dort Aufseher gewesen sein soll.
Auschwitz-Birkenau war das größte Konzentrationslager der Nationalsozialisten. Nun wird gegen einen 93-Jährigen ermittelt, der dort Aufseher gewesen sein soll.
Jacek Bednarczy

Die Justiz ermittelt gegen einen mutmaßlichen NS-Verbrecher, der bei Neubrandenburg lebt. Der 93-Jähriger soll Aufseher im Konzentrationslager gewesen sein.

68 Jahre nach Kriegsende muss sich möglicherweise doch noch ein in Mecklenburg-Vorpommern lebender mutmaßlicher NS-Kriegsverbrecher vor Gericht verantworten. Der Generalstaatsanwalt des Landes teilte am Dienstag mit, dass er die Staatsanwaltschaft Schwerin mit weiteren Ermittlungen beauftragt habe. Das Verfahren richte sich gegen einen heute 93–jährigen Mann, der in den Jahren 1944 und 1945 als Aufseher im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau tätig gewesen sein soll. Er sei derzeit in der Region Neubrandenburg wohnhaft. Gegen ihn bestehe der Verdacht der Beihilfe zum Mord.

Die Zentrale Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg (Baden-Württemberg) hatte Vorermittlungen geführt. Sie waren nach dem Münchner Urteil gegen den KZ-Aufseher John Demjanjuk möglich geworden. Er war 2011 wegen Beihilfe zum tausendfachen Mord verurteilt worden, weil er Mitglied der Wachmannschaft des KZ Sobibor war. Bis dahin waren viele mutmaßliche Täter straffrei geblieben, weil der Bundesgerichtshof 1969 im Fall Auschwitz festgelegt hatte, dass für eine Verurteilung der Wächter wegen Beihilfe zum Mord die individuelle Schuld nachgewiesen werden muss. Dies war vielfach nicht möglich.

Bundesweit recherchierte die Aufklärungsstelle gegen rund 50 Verdächtige wegen Beihilfe zum Mord im Konzentrationslager Auschwitz. In 30 Fällen führen die zuständigen Staatsanwaltschaften nun förmliche Ermittlungsverfahren, in einem davon in Mecklenburg-Vorpommern. Die Behörden im Nordosten hatten nach dem Demjanjuk-Urteil laut Justizministerium selbst 16 Fälle erneut überprüft, in denen in den 90er Jahren gegen angebliche NS-Verbrecher ermittelt worden war. Im Ergebnis der Untersuchungen war aber in keinem dieser Fälle das Verfahren wieder aufgenommen worden.