Baustelle Tribsees

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Erste Teile für Behelfsbrücke am A20-Loch angeliefert

Am Dienstag wurden die ersten Bauteile für die Behelfsbrücke an der A20 bei Tribsees geliefert.
Am Dienstag wurden die ersten Bauteile für die Behelfsbrücke an der A20 bei Tribsees geliefert.
Stefan Sauer

Die Bauarbeiten an der Behelfsbrücke bei Tribsees gehen in die entscheidende Phase. Wenn alles planmäßig läuft, können Autofahrer bald wieder ohne Umleitung über die A20 rollen.

Ruhig steht der Bürgermeister von Langsdorf, Hartmut Kolschewski, am Dienstag auf der Großbaustelle der Autobahn 20 bei Tribsees - unweit des ehemals wohl berühmtesten Autobahnlochs Deutschlands. Der 64-Jährige schaut zu, wie ein gut 30 Meter langes und 2,50 Meter breites Einzelteil der künftigen Behelfsbrücke abgeladen wird.

Dazu sind am frühen Morgen drei Lastwagen mit den bis zu 42,5 Tonnen schweren Teilen aus den Niederlanden angekommen. Die einzelnen Bauteile werden zunächst am Rande der Autobahn gelagert, bis sie nach und nach verbaut werden. Wenn alles gut weitergeht, ist der 15. Oktober der Stichtag für die Installation des ersten Brückenteils.

Täglich Tausende Autos

Es ist ein kalter, sonniger Herbstmorgen, seit rund einem Jahr spielt die Autobahn eine zentrale Rolle im Leben der insgesamt rund 400 Menschen in Langsdorf direkt an der Autobahn und im Nachbarort Böhlendorf. Denn seit im Herbst letzten Jahren die auf Moor gebaute Autobahn spektakulär eingebrochen ist, rollen täglich Tausende Autos und Lastwagen durch die kleinen Ortschaften.

Ronald Normann, der Abteilungsleiter Autobahnen im Landesamt für Straßenbau und Verkehr und damit Hauptverantwortlicher für den Rück- und den Wiederaufbau der Autobahn, geht davon aus, dass die 773 Meter lange und 7,50 Meter breite Behelfsbrücke - wenn alles gut geht - Ende November oder Anfang Dezember fertig sein könnte. Rund 50 Millionen Euro werden dann alleine dafür verbaut sein. Dann kann der Verkehr wieder jeweils einspurig in Richtung Rostock beziehungsweise Stettin an Langsdorf vorbeirollen.

Tempo 60 überhaupt zu halten?

«Diesen Tag werden wir feierlich begehen. Der Tag der Befreiung», sagt Kolschewski. «Es wird für uns sehr ungewohnt sein, wenn plötzlich Ruhe im Dorf ist», glaubt der 64-jährige Bürgermeister, der seit 24 Jahren im Amt ist. Doch ein bisschen lauter als früher könnte es schon werden, schränkt Normann ein. Denn wenn die Autos über die Behelfsbrücke fahren, werde es immer «klack, klack, klack» tönen.

Ob angesichts dieser Lärmbelastung das veranschlagte Tempo 60 zu halten sein wird, ist fraglich. Wenn nicht, müssten die Autos und Laster halt langsamer fahren. Bis dahin muss noch viel passieren, erklärt Normann. Die Grundlage für die insgesamt 81 Brückenteile muss erst fertiggestellt werden.

Erst Ende vergangener Woche war der letzte von 301 Gründungspfählen in den moorigen Untergrund gesetzt worden. Die Pfahlreihen werden derzeit mit einem komplexen Beton-Überbau versehen, auf den die Behelfsbrücke montiert werde, erklärt Normann. Das sind alles keine Selbstverständlichkeiten, bei der Reparatur des Autobahnteilstücks wurde viel Neuland betreten. Auch wenn schon die Römer mit Beton umzugehen wussten. «Immerhin ist das Kolosseum auch aus Beton», erzählt der Bauingenieur.

Er ist die Ruhe selbst, räumt aber ein, dass er hin und wieder von der Reparatur des Autobahnlochs träumt. Normann weiß, dass bei solchen Bauten immer Probleme auftauchen können. Nicht zuletzt könnte das Wetter den Bauleuten einen Streich spielen. Über das Wetter klagen können die Bauleute nach diesem Sommer allerdings nicht. Aber Fehler dürfen gerade auf diesem Teilstück gewiss nicht passieren. «Das wäre peinlich, richtig peinlich», grinst er.

Radweg als Entschädigung

Noch immer ist unklar, was eigentlich zum Zusammenbruch der Autobahn geführt hat. Die Bilder gingen im vergangenen Jahr um die Welt und ließen Zweifel an der deutschen Ingenieurskunst aufkommen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten in der Kommunikation gibt es heute einen reibungsfreien Umgang zwischen Ministerium, Behörden und der Gemeinde, sagte Kolschewski. Die Bewohner haben auch nicht ganz umsonst gelitten. Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) habe versprochen, dass der seit langem gewünschte Radweg gebaut wird.