Bei seinem Auftritt im Januar 2020 vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss im MV-Landtag zur Aufklärung der Awo-
Bei seinem Auftritt im Januar 2020 vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss im MV-Landtag zur Aufklärung der Awo-Affäre zeigte sich Peter Olijnyk noch optimistisch. Andreas Becker
Awo-Affäre

Ex-Awo-Chef muss Haftstrafe schnell antreten

Obwohl sich Peter Olijnyk und sein Anwalt juristisch noch nicht geschlagen geben wollen und vor das Bundesverfassungsgericht ziehen, steht eines mittlerweile fest.
Schwerin

Dieter Johannes Schadewald spricht von einem „skandalösen Urteil”. Dass der Bundesgerichtshof (BGH) die von Schadewald und seinem Mandanten, Ex-Awo-Müritz-Chef Peter Olijnyk, eingereichte Revision „ohne Begründung und mündliche Anhörung” verworfen habe, lässt den Anwalt nicht ruhen.

Letzter Schritt Verfassungsbeschwerde

Ja, so bestätigt Schadewald gegenüber dem Nordkurier, man habe beim BGH eine Anhörungsbeschwerde eingereicht. Sollte diese abgelehnt werden, bereite man eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe vor. So solle festgestellt werden, dass das Gehalt des Ex-Awo-Managers für ein Unternehmen mit 650 Beschäftigten „durchaus angemessen war”.

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Olijnyk war im Juni 2021 vom Landgericht Schwerin wegen schwerer Untreue zu drei Jahren Haft und der Rückzahlung von 350.000 Euro verurteilt worden. Die Richter hatten festgestellt, dass sich der 72-Jährige mithilfe des damaligen Awo-Kreisvorsitzenden Götz-Peter Lohmann und am Vorstand vorbei 2005 und 2012 unangemessen hohe Gehälter genehmigt habe. Der Schaden für den Kreisverband wurde mit rund eine Million Euro angegeben. Dagegen hatte die Verteidigung Revision eingelegt. Lohmann war zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden – und hatte den Richterspruch unmittelbar nach Verkündung akzeptiert.

Olijnyk habe völlig normales Gehalt bezogen

„Dass beim BGH Richter bei einer Tasse Kaffee den Daumen über Herrn Olijnyk gesenkt haben, lässt einen am Rechtssystem in Deutschland zweifeln”, sagte Schadewald. Mein Mandant habe die Awo Müritz über Jahre zu einem erfolgreichen Unternehmen aufgebaut. Olijnyks Jahresgehalt, das sich auf zum Ende seiner Tätigkeit rund 150.000 Euro plus Tantiemen belaufen hatte, sei im Vergleich zu anderen Geschäftsführern in ähnlicher Position völlig normal gewesen, so der Anwalt.

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Eines aber stellte die Staatsanwaltschaft Schwerin am Montag auf Nordkurier-Anfrage mit: Die eingereichte Beschwerde und auch ein möglicher Gang der Olijnyk-Seite zum Bundesverfassungsgericht hätten hinsichtlich der Haftstrafe keine aufschiebende Wirkung. „Die Vollstreckung der Haftstrafe wird jetzt recht schnell kommen. Der Haftantritt wird jetzt zügig vorbereitet”, hieß es von der Staatsanwaltschaft.

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