Der ehemalige SPD-Finanzminister von Mecklenburg-Vorpommern Mathias Brodkorb schreibt auch regelmäßig Artikel f&uum
Der ehemalige SPD-Finanzminister von Mecklenburg-Vorpommern Mathias Brodkorb schreibt auch regelmäßig Artikel für das Magazin Cicero. Jens Büttner
Als Lesbe ausgegeben

Ex-Finanzminister von MV bekommt Presserat-Rüge

Dass er sich für einen Artikel im Magazin Cicero als Lesbe Uschi ausgegeben hat, gefällt dem deutschen Presserat gar nicht. Doch Mathias Brodkorb verteidigt seine Vorgehensweise.
Schwerin

Eine Veröffentlichung des ehemaligen MV-Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD) ist vom Deutschen Presserat gerügt worden. Brodkorb hatte im Mai dieses Jahres auf dem Internet-Portal "Cicero" unter dem Titel "Mein erstes Mal" eine Reportage zu der Veranstaltung „Lesbenfrühling 2021” veröffentlicht und sich bei der digitalen Veranstaltung als lesbische Frau ausgegeben, um daran teilnehmen zu können. Zuvor war ihm als männlichem Teilnehmer unter echtem Namen die Akkreditierung versagt worden.

Brodkorbs Vorgehen verstieß laut dem Deutschen Presserat gegen die vierte Ziffer des Pressekodex für Journalisten. Der Pressekodex ist eine freiwillige Selbstverpflichtung, Verstöße dagegen haben keine unmittelbaren juristischen Konsequenzen. Der Presserat rügte den Artikel daher bereits im Herbst, der Vorgang wurde durch diverse Social-Media-Posts aber erst in den vergangenen Tagen einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Brodkorbs Artikel stößt an die Grenzen der Recherche

Die vierte Ziffer des Pressekodex besagt: „Bei der Beschaffung von personenbezogenen Daten, Nachrichten, Informationsmaterial und Bildern dürfen keine unlauteren Methoden angewandt werden.” Verdeckte Recherchen wie die von Mathias Brodkorb sind nur in Ausnahmefällen zulässig, so gibt es der Ethik-Standard für Journalisten vor. Und zwar nur dann, „wenn damit Informationen von besonderem öffentlichen Interesse beschafft werden, die auf andere Weise nicht zugänglich sind.”

Mehr lesen: Millionenabfindung für Klinikchef in Rostock

Das sah der Deutsche Presserat bei Mathias Brodkorbs Recherche jedoch nicht gegeben und begründete seine Rüge so: „Die Akkreditierung zu der Veranstaltung war zuvor verweigert worden. Nach Auffassung des Ausschusses enthält die veröffentlichte Berichterstattung keine Informationen von öffentlichem Interesse, die die verdeckteRecherche rechtfertigten.”

Brodkorb verteidigt sein Vorgehen allerdings vehement. Unter seinem online erschienen Artikel stehen mittlerweile eine Anmerkung der Redaktion und ein Statement des Autors. Darin rechtfertigt er die verdeckte Recherche, da es einerseits sehr wohl von öffentlichem Interesse sei, wie die lesbische Gemeinschaft auf transfeindliche Anschuldigung reagiere, um die es im Artikel geht. Andererseits war es Brodkorbs Meinung nach nicht anders möglich, sich Antworten auf seine Fragen abzuholen, als selbst beim Lesbenfrühling 2021 als Teilnehmer dabei zu sein.

Brodkorb rechtfertigt sein Vorgehen

Abschließend schreibt der ehemalige MV-Finanzminister unter seinen Artikel: „Natürlich war mir während meiner Recherche bewusst, dass mein verdecktes Vorgehen auch kritisch gesehen werden kann. In der Abwägung zwischen dem Selbstbestimmungsrecht der Lesben auf der einen Seite und den in Deutschland bisher weithin ignorierten ,Kollateralschäden' des Transgender-Diskurses auf der anderen schien mir mein Vorgehen allerdings vertretbar.”

Mathias Brodkorb war von 2016 bis 2019 Finanzminister in Mecklenburg-Vorpommern. 2019 legte Brodkorb sein SPD-Landtagsmandat nieder, um den Posten des Aufsichtsratschefs der Universitätsmedizin Rostock und Greifswald zu übernehmen. Außerdem schreibt er bereits seit Längerem regelmäßig für das Polit-Magazin Cicero, wie sein dortiges Autorenprofil zeigt.

 

 

zur Homepage