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Ex-Rocker-Boss muss ins Gefängnis

Philip S. wurde in Fuß- und Handfesseln von einem Polizeiaufgebot in den Gerichtssaal geführt.
Philip S. wurde in Fuß- und Handfesseln von einem Polizeiaufgebot in den Gerichtssaal geführt.
Jens Büttner

Die Rocker-Gruppe „Schwarze Schar“ ist verboten. Ihr ehemaliger Anführer distanziert sich vor Gericht von seiner Vergangenheit. Dies hilft ihm aber wenig.

Der ehemalige Anführer des verbotenen Rockerclubs „Schwarze Schar MC Wismar“ ist am Mittwoch wegen Drogenhandels zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Das Landgericht Schwerin kam nach zweitägiger Verhandlung zu der Überzeugung, dass der 36-Jährige den Aufbau einer Cannabiszucht-Anlage bei Wismar finanziert hat und am Gewinn beteiligt war. Den Vorwurf des bandenmäßigen Drogenhandels, der mit höheren Strafen geahndet wird, ließ das Gericht fallen.

Der Angeklagte sitzt seit Juli in Untersuchungshaft. Er bestritt im Prozess eine aktive Beteiligung an den Drogengeschäften und hat nach eigenen Angaben mit der Rockerszene gebrochen. Der Verteidiger hatte eine Bewährungsstrafe gefordert, der Staatsanwalt auf drei Jahre und vier Monate Gefängnis plädiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Angeklagter distanziert sich von seiner Vergangenheit

Nach Überzeugung des Gerichts hat der gebürtige Lübecker einem mutmaßlichen Mittäter Anfang vorigen Jahres 30  000 Euro für den Kauf eines abgelegenen Hauses und den Aufbau einer Zuchtanlage im dortigen Obergeschoss zur Verfügung gestellt. Monate später sei es zu einem Zerwürfnis zwischen beiden Männern gekommen. Danach sei der 36-Jährige mit rund 20  000 Euro ausbezahlt worden und habe sich aus dem Geschäft zurückgezogen. Zuvor – und zwar im Oktober 2013 – hatte es laut Gericht mindestens eine Ernte von zwölf Kilogramm Marihuana gegeben, aus der für den Angeklagten 24  000 Euro Gewinn abfielen.

Das Gericht stützte sich bei der Urteilsfindung vor allem auf Zeugenaussagen und auf Gespräche zwischen Tatverdächtigen, die Ermittler abhörten und aufzeichneten. Der Vorwurf des bandenmäßigen Drogenhandels wurde nach Angaben des Vorsitzenden Richters in der Verhandlung nicht zweifelfrei nachgewiesen. Der 36-Jährige stand zur Tatzeit unter Bewährung. Jetzt muss er damit rechnen, dass zu der neuen Haftstrafe noch eine frühere Strafe des Landgerichts Berlin von einem Jahr und zwei Monaten dazu kommt. Zu Prozessende distanzierte sich der 36-Jährige, von seinem kriminellen Vorleben.

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