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Ex-Rocker wegen Drogenhandels vor Gericht

Der Angeklagte Philip Carl Sch. im Landgericht Schwerin auf der Anklagebank.
Der Angeklagte Philip Carl Sch. im Landgericht Schwerin auf der Anklagebank.
Jens Büttner

Der ehemalige Präsident der Motorradtruppe „Schwarze Schar“ soll tief in kriminelle Machenschaften verwickelt sein. Interessant ist, von wem er verteidigt wird.

Die vier mutmaßlichen Komplizen sitzen seit Ende September auf der Anklagebank – seit Dienstag muss sich nun der ehemalige Anführer der verbotenen Rockergang „Schwarze Schar MC Wismar“ wegen krimineller Drogengeschäfte im großen Stil vor dem Schweriner Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern illegalen Cannabisanbau und Rauschgifthandel vor.

Der 36-jährige Ex-Boss der Rockertruppe, Philip S., soll mit einem ehemaligen Klubkumpanen ein Haus in der Nähe von Wismar gekauft haben, um dort eine professionelle Hanfplantage zu betreiben. Nach Erkenntnissen der Ermittler wurden dort zwischen Herbst 2013 und Februar 2014 rund 24 Kilogramm Marihuana erzeugt. Offenbar ein lohnendes Geschäft: Die Drogen seien für insgesamt 120  000 Euro verkauft worden, teilte die Staatsanwaltschaft dazu mit. Die Ermittler gehen auch noch von weiteren kriminellen Geschäften aus: Die Männer sollen bei Bremen Rauschgift erworben und im Raum Wismar verkauft haben.

"Schwarze Schar" seit Januar verboten

Das illegale Treiben war nach umfangreichen Überwachungsmaßnahmen Ende März diesen Jahres aufgeflogen, als zwei Männer auf der Autobahn bei Wismar mit größeren Mengen Drogen erwischt wurden. Nach weiteren Ermittlungen klickten bei Ex-Rockeranführer Philip S. im Juli die Handschellen.

Den Motorradklub „Schwarze Schar“ und dessen Unterstützergruppe „Schwarze Jäger MC Wismar“ hatte Innenminister Lorenz Caffier im Januar 2014 verboten. Nach Auffassung des Ministeriums waren beide Gruppen in diverse Fälle von Gewaltkriminalität verwickelt. Beim Landeskriminalamt (LKA) wurde die „Schwarze Schar“ als gewaltbereite Rockergruppierung („Outlaw Motorcycle Gang“) geführt.

NPD-Mitglied vertritt Rocker

Charakteristisch für den Rockerklub waren auch die Verbindungen ins rechtsextreme Milieu. Einige Schar-Mitglieder gehörten der Neonazi-Kameradschaft „Werwolf“ an. Vor diesem Hintergrund ist interessant, von wem sich der Ex-Clubchef verteidigen lässt. Nach Nordkurier-Informationen hat der als Szeneanwalt bekannte Jurist Wolfram Nahrath das Mandat übernommen. Der Rechtsanwalt ist NPD-Mitglied und war Vorsitzender der 1994 verbotenen neonazistischen Wiking-Jugend. Zu seinen Mandanten gehörte unter anderem der Holocaust-Leugner Richard Williamson. Von einem Rechtsextremismusforscher wurde Nahrath in einem Beitrag des „Spiegel“ als „Stratege und strammer Neonazi“ bezeichnet.

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