NACH STUDIE

Explosiver Streit um Sicherheit von Biogasanlagen

Umweltfreundlicher Energieerzeuger oder sicherheitstechnische Zeitbombe? Biogasanlagen stellen laut einer Studie eine Gefahr für Mensch, Klima und Natur dar.
Biogasanlagen – umweltfreundlicher Energieerzeuger oder sicherheitstechnische Zeitbombe?
Biogasanlagen – umweltfreundlicher Energieerzeuger oder sicherheitstechnische Zeitbombe? Bernd Wüstneck
Neubrandenburg.

Die Zahlen klingen alarmierend: In den inzwischen mehr als 9000 Biogasanlagen in Deutschland haben sich in den vergangenen knapp 15 Jahren mehr als 400 Unfälle ereignet, bei denen 17 Beschäftigte getötet und 74 verletzt wurden. Laut Studie des Umweltbundesamtes kam es dabei zu Explosionen und Bränden sowie der Freisetzung von Gülle, Gas oder Gärresten. Auch im Nordosten war es in der Vergangenheit zu Feuern in Anlagen oder Überflutungen mit Gülle gekommen, so in Oebelitz bei Stralsund, Göhren bei Crivitz oder in Wuthenow bei Neuruppin im Norden Brandenburgs. Dabei entstanden Schäden in Millionenhöhe.

„Biogasanlagen sind komplexe Anlagen mit erheblichen Gefährdungspotenzial“, heißt es in der Untersuchung. Unfälle seien eine Folge von sicherheitstechnischen Mängeln, wertet das Umweltbundesamt die jährlichen Prüfberichte von Sachverständigen aus, die an die Kommission für Anlagensicherheit gehen. Demnach schwanke die Zahl der Anlagen mit festgestellten erheblichen Mängeln zwischen 70 und 83 Prozent. Als Beispiele nennt die Behörde die Verwendung von Bauteilen, die aus Baumärkten stammen – wie etwa zusammengeklebte Kunststoff-Kanalrohre als Gasleitungen oder Teichfolien zur Abdichtung von Gasbehältern.

Statistisch gesehen komme es pro Jahr in fünf von 1000 Anlagen zu Unfällen. Tendenz steigend. Trotz des hohen Risikos würden die Anlagen nur unzureichend überwacht. „Aus Sicht des Umweltbundesamtes ist es nicht vertretbar, die große Zahl an Biogasanlagen ohne eine angemessene Regelung weiterlaufen zu lassen“, heißt es. Notwendig seien verbindliche Anforderungen zur Vorsorge und zum Schutz von Mensch und Umwelt.

368 Regeln zum Thema Biogas

Diesen Vorstoß weist der Fachverband Biogas als Vertretung der Anlagenbetreiber zurück. „Es herrscht kein Mangel an rechtlichen Vorgaben, sondern in Einzelfällen an deren Umsetzung“ sagte Hauptgeschäftsführer Claudius de Costa Gomez. Derzeit seien 368 Regeln zum Thema Biogas rechtsgültig. Der Fachverband Biogas habe einen Schulungsverbund aufgebaut, in dem in den vergangenen fünf Jahren 6700 Personen geschult und geprüft worden seien. Das diene dazu, die Zahl der „negativen Vorkommnisse“ in Biogasanlagen zu minimieren.

Aus Sicht des Landesbauernverbandes in Mecklenburg-Vorpommern kommt es in Biogasanlagen nicht häufiger zu Unfällen als in anderen vergleichbaren Anlagen. Viele Zwischenfälle, über die berichtet wird, würden nur zum Teil direkt mit der Biogasanlage zu tun haben, so eine Sprecherin. Bei den Zahlen des Umweltbundesamtes handele es sich nur um eine Auswertung von Medienberichten. Versucht werde, Landwirtschaft zu diskreditieren.

Das Umweltbundesamt stützt sich nach eigener Aussage auf eine eigene Datenbank, in die neben den Meldungen von Polizei oder Feuerwehr auch Berichte von Bürgerinitiativen über Unfälle eingehen. Weil viele Vorfälle nicht meldepflichtig sein, werde von einer noch höheren Dunkelziffer bei Vorfällen ausgegangen, sagte ein Behördensprecher.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

Kommende Events in Neubrandenburg

zur Homepage

Kommentare (4)

Das kommt jetzt aber überraschend! Soll ich noch ein paar Neuigkeiten erzählen? Außerdem werden dort Lebensmittel zu Energie verarbeitet...Was für eine Perversion!
Solarzellen verbrauchen weit mehr Energie, als sie je wieder reinholen und bei der Produktion der benötigten Rohstoffe werden ganze Landstriche verwüstet und vergiftet. Vom Elektroauto wollen wir lieber nicht reden.
Den Grünen ist die Umwelt doch scheiß egal, den geht es genauso darum Ihre Investoren glücklich zu machen. Nur das diese nicht in großen Automobilfirmen sitzen, sondern in Solarfirmen, Windkraftparks Elektroautobauern und Ähnlichen.

Also nehmen wir doch wieder den Eselkarren.

Dann wünsche ich Ihnen mal "Guten Appetit". Möchte jedoch nicht näher wissen, was bei Ihnen sonst noch so alles auf den Tisch kommt.

Da hat man sich durch so schöne saubere Energie blenden lassen und als Gesetzgeber tatsächlich vergessen Vorgaben zur sicheren Installation solcher Anlagen zu machen. Gasleitungen aus Plastikrohren und Teichfolie zum Abdichten, na toll. Habe gedacht so etwas gibt es nur in Dritte Welt Staaten.