EINREISESPERREN

Fällt der Sommer an der Ostsee ins Wasser?

Nach Usedom und ans Stettiner Haff darf man derzeit nicht reisen. Nicht die erste Einreisesperre in MV. War es das jetzt mit dem Urlaub? Nun, die Verzweiflung ist groß.
Werden die Strände, hier Ahlbeck auf Usedom, voll oder bleiben sie leer?
Werden die Strände, hier Ahlbeck auf Usedom, voll oder bleiben sie leer? Andre Rau
Dehoga-Chef Lars Schwarz
Dehoga-Chef Lars Schwarz Eberhard Rogmann
Fanny Holzhüter, Geschäftsführerin Tourismusverband Vorpommern.
Fanny Holzhüter, Geschäftsführerin Tourismusverband Vorpommern. Karsten Riemer
Schwerin ·

Wegen gestiegener Corona-Infektionszahlen gilt wieder ein Einreiseverbot für den Landkreis Vorpommern-Greifswald. Damit sind auch Ausflüge der Einwohner aus anderen Landkreisen in MV und Besuche ohne „triftigen Grund” von Zweitwohnungsbesitzern untersagt, wie ein Kreissprecher am Mittwoch erklärte.

Betroffen sind entsprechend auch Deutschlands zweitgrößte Insel Usedom sowie das Stettiner Haff, wo traditionell viele Berliner, Brandenburger und Sachsen Feriensitze haben. Ein solches Einreiseverbot gab es schon Mitte Januar. Damals wies die Polizei Hunderte Autofahrer ab. Selbst wenn die Zahlen also wieder besser werden sollten: Droht der Urlaubssommer nun ins Wasser zu fallen?

Tourismus und Gastgewerbe brauchen Gewissheit, ob im Sommer Touristen von außerhalb nach MV kommen dürften. Für die Touristiker zählt jeder Tag. „Es ist nicht mehr die Frage, ob wir Ostern hätten öffnen müssen oder an Pfingsten öffnen können“, sagt Nadine Riethdorf, Vorsitzende des Tourismusverbands Insel Usedom. Die Hotels befinden sich im siebten Monat ohne Gäste. Die Mitarbeiter sind größtenteils in Kurzarbeit. Mitarbeiter, die auf Usedom oft selbst als zweites Standbein Ferienwohnungen anbieten. Mitarbeiter, denen auch dort die Einnahmen fehlen.

Weiterlesen: 1243 Touristen über Ostern von Polizei wieder nach Hause geschickt

Riethdorf sagt, rund 80 Prozent der etwas mehr als 76.000 Einwohner lebten direkt oder indirekt vom Tourismus. „Da ist klar: Irgendwann sind auch andere Branchen in Gefahr“, sagt sie.

Volle Strände und Hotels im Sommer wären da natürlich ein Segen. Offenbar aber auch ein Fluch, wenn man sich die Entwicklung der Infektionszahlen anschaut. Nadine Riethdorf ist da selbstbewusst: Hygienekonzepte lägen vor. Sicheres Reisen wäre jederzeit möglich. Ist sie sauer auf jene, die die Schließung der Hotels und Gaststätten beschlossen haben? „Ich möchte nicht Entscheider in der Politik sein“, sagt sie. Und doch hätte man anders handeln müssen. „Ein straffer Lockdown im November wäre das Beste gewesen“, sagt Nadine Riethdorf. Da seien sich die Touristiker im Nachhinein einig.

Tourismusbranche kriecht auf dem Zahnfleisch

Fanny Holzhüter, Chefin des Tourismusverbands Vorpommern, hofft indes schon auf Pfingsten. „Die Touristiker warten seit November auf eine Öffnungsperspektive“, sagt sie. Aber die Zahlen! „Vielleicht wäre ein Lockdown ja doch noch ein gutes Mittel“, sagt Holzhüter. Den Sommer abschreiben will in Vorpommern und am Stettiner Haff laut Holzhüter niemand: „Alle glauben noch an den Sommer.“

Lars Schwarz, MV-Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, hegt deutliche Zweifel, ob die sogenannte Bundes-Notbremse zur Senkung des Infektionsgeschehens führen wird. Und führt seine Branche als Beispiel an. „Hotels, Gaststätten, Cafés – die haben alle seit Monaten geschlossen. Die Coronainfektionen nehmen trotzdem zu.“ Diese Einrichtungen seien keine Pandemietreiber, sagt Schwarz. Genauso wenig wie der Einzelhandel. Der muss nun aber auch bald wieder schließen, spätestens wenn die Bundes-Notbremse gezogen wird. Inzidenz über 100 – Schluss mit welcher Form des Einkaufs auch immer.

Sehr zum Leidwesen der Touristiker. Schwarz: „Die Allermeisten kriechen auf dem Zahnfleisch. Und die Hilfen reichen absolut nicht aus.“ Vielmehr noch: Die Überbrückungshilfe 3 sei ein schlechter Witz. Viele wüssten noch gar nicht, was sie alles nicht bekommen werden, so Schwarz.

Kurzes Beispiel: Ist jemand Eigentümer – ob Ferienwohnung, Pension oder Größeres – zahlt er in aller Regel das Darlehen seiner Bank zurück. Dafür gibt es keine Überbrückungshilfe. Die wird nur für die Zinsen gezahlt, die der Unternehmer an seine Bank entrichten muss. Anders bei einem Pächter: Der zahlt dem Eigentümer die Pacht in Form der Miete. Die gehört laut Schwarz zu den Betriebskosten, wird also von der Überbrückungshilfe gedeckt. Unterm Strich ein Riesenunterschied. Das werden die meisten laut Dehoga-Chef aber erst mitbekommen, wenn die Steuererklärung fällig ist.

Sommer-Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben

Vom Wut-Beispiel zurück zur Sommer-Hoffnung. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Touristen begrüßen dürfen“, sagt Lars Schwarz. Bis dahin müssten aber alle Tourismus-Beteiligten Hygiene-Profis sein. „Letztlich müssen wir doch nur die Maßnahmen aus dem vergangenen Sommer erneut umsetzen, nur vielleicht etwas detaillierter“, sagt Schwarz.

Und wenn die Zahlen schlecht bleiben oder noch schlechter werden? „Wir sind nicht blauäugig“, sagt Schwarz. Man könne und wolle nicht um jeden Preis öffnen; der Gesundheitsschutz war und ist am wichtigsten. Sollte die Branche aber geschlossen bleiben, brauche sie eine bessere Entschädigung als die bisherige. „Wenn wir das Sonderopfer sind, damit der Rest der Wirtschaft weiterläuft, müssen wir dementsprechend entschädigt werden“, sagt Lars Schwarz.

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Kommentare (5)

Traumtänzer ;)

"Und wenn die Zahlen schlecht bleiben oder noch schlechter werden? „Wir sind nicht blauäugig“, sagt Schwarz."

Ihr seid seit 1,5 Jahren blauäugig.
Die Controllingabteilung in der Regierung funktioniert, denn die Zahlen werden immer passen und passend gemacht.
Für wen?
Bestimmt nicht für den Bürger.

Klar und brutal auf den Punkt gebracht. Danke!

wissen es alle besser. Vor allem die DEHOGA, die keine Gelegenheit auslies gegen jedwede Art von Maßnahmen zur Eindämmung zu wettern. Zuletzt vor Ostern mit massiver Medienprezenz. Und nun? Hätte hätte Fahradkette...

Wenn Prinzessin Schwesig weiter Touristen behandelt wie Schwerverbrecher, dann werden sich die meisten überlegen ob sie nicht auf Dauer woanders Urlaub machen. Da bleiben die Hotel und Restaurant Besitzer auf der Strecke. Urlaub mit Abstand geht auch in Corona Zeiten. Frau Schwesig bekommt ja ihr Geld weiter, und die anderen gehen Pleite .