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Müssen Bürger weiter Thomallas Gehalt zahlen?

Sechs Jahre lang hat Michael Thomalla als Stasi-IM seine eigenen Parteifreunde von der LDPD in Prenzlau und Neubrandenburg ausgespitzelt. Wer gedacht hätte, das dies heute für eine fristlose Kündigung ausreicht, der irrt offensichtlich.

Michael Thomalla am 21. Oktober, dem Tag seiner fristlosen Entlassung.
Bernd Wüstneck Michael Thomalla am 21. Oktober, dem Tag seiner fristlosen Entlassung.

Wird der Ex-Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetages (StGT) von Mecklenburg-Vorpommern ein teurer Versorgungsfall? Das ist derzeit nicht auszuschließen, da es offenbar erhebliche Probleme gibt, die vor zwei Wochen ausgesprochene fristlose Kündigung durchzusetzen.

Der Grund für die Kündigung: Der Nordkurier hatte aufgedeckt, dass Thomalla 1983 bis 1989 in Prenzlau und Neubrandenburg als Funktionär der SED-Blockpartei LDPD für das MfS gespitzelt hatte. Als LDPD-Kreissekretär in Prenzlau war er vom MfS angeworben worden. Unter dem Decknamen "Mike König" hatte er im damaligen Landkreis unter anderem Parteifreunde, Handwerker und Lehrer ausgespäht.

In einer Erklärung von 1990 zu einer eventuellen Stasi-Tätigkeit hatte Thomalla dies verschwiegen. Eine unabhängige Stasi-Überprüfung hat nie stattgefunden. Auch wenn Thomallas Beschäftigung von Anfang an auf einer "Lüge", so StGT-Vorstandsvorsitzender Gerhard Dettmann, beruhte, besteht offensichtlich ein hohes Prozessrisiko, sollte der Verband auf der fristlosen Kündigung beharren, erfuhr der Nordkurier aus gut informierten Kreisen.

Zuletzt soll der Geschäftsführer in der Beamten-Besoldungsgruppe B5 eingestuft gewesen sein. Demnach hätte er pro Monat mindestens 8000 Euro brutto verdient.

Sollte er gegen die fristlose Kündigung vor dem Arbeitsgericht klagen und Recht bekommen, droht im ungünstigsten Fall die Auszahlung des kompletten, bis 2022 laufenden Arbeitsvertrages von Thomalla - das wären insgesamt immerhin rund 750 000 Euro.

Geld, für das letztlich die Städte und Gemeinden und damit die Bürger aufkommen müssten, die den StGT mit Beiträgen finanzieren. Thomalla ist seit Tagen nicht erreichbar für den Nordkurier.

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Kommentare (7)

man endlich aufhören würde aus rachsucht in der Vergangenheit herumzustochern. Ja der Mann hat 6 Jahre für den damals legitimen Geheimdienst seines Staates gearbeitet. Na und? Glaubt irgendjemand dass sich ein Politiker der heute regierenden Parteien weigern würde für den BND oder Verfassungsschutz das selbe zu machen? Nach den 6 Jahren hat er aber weitere 25 Jahre bewiesen dass er gute Arbeit für unser Land geleistet hat und allein das sollte zählen. Die ganze Stasihysterie hat doch nur ein Ziel von der jetzt üblichen Bespitzelung und Überwachung abzulenken. Es gab sicher in der DDR Fälle in denen Leute ihre Arbeit für den Geheimdienst missbraucht haben um selber weiter zu kommen und andere zu schädigen aber die gibt es heute auch und Niemanden interessiert es wieviele "Opfer" es gekostet hat damit die jetztigen Machthaber und Chefs in ihre Sessel kamen. ...und zu guter Letzt... nach dem faschistischen Verbrecherregime wurden zig tausende Leute als entnazfiziert in den öffendlichen Dienst der BRD übernommen . Waren als Richter und Beamte tätig und bekamen oder bekommen heute aus Steuergeldern hohe Pensionen. Das interessiert keinen aber sobald jemand für sein Heimatland DDR gearbeitet hat wird er bis an sein Lebensende wie ein Verbrecher behandelt, diskriminiert und verfolgt. Das sollte endlich beendet werden und dann entstehen auch keine unsinnigen Kosten mehr für den Steuerzahler.

@ Gernotbudach Wenn Sie die einzelnen Berichte von "Mike König" alias Michael Thomalla aus sechs Jahren IM-Zeit lesen würden, würden Sie möglicherweise anders urteilen. Ich schätze mal, dass er insgesamt in Prenzlau, dem Bezirk Neubrandenburg und bei den Grenztruppen, über knapp 100 Menschen berichtet hat, teils sogar über sehr intime Details. Zudem hat er seine Vertrauensstellung als LDPD-Funktionär gegenüber seinen Parteikollegen missbraucht, indem er interne Parteidokumente direkt an die Stasi weitergereicht hat. Was heißt "legitimer Geheimdienst". Es ist nachgewiesen, dass die Stasi immer wieder selbst gegen die DDR-Verfassung verstoßen hat, indem Post illegal durchsucht wurde, Telefone illegal abgehört wurden und es illegale Wohnungsdurchsuchungen gegeben hat. Abgesehen vom Abhören via Wanze. Leicht ließen sich natürlich auch die Verbrechen der Gestapo damit rechtfertigen, dass es sich im 3. Reich um einen legitimen Geheimdienst gehandelt habe. Was die heutige Kritik an aktuellen Geheimdienstaktivitäten betrifft verweise ich auf die zahlreichen kritischen NSA- und Snowden-Geschichten, die auch im Nordkurier nachzulesen waren.

@ F.Wilhelm ... dass es der Geheimdienst des Staates war in dem er gelebt hat...also nicht eine fremde macht für die er gearbeitet hat. Und ja das MfS hat auch gegen geltendes Recht verstoßen ( machen das nicht alle Geheimdienste???) der Unterschied ist nur dass man bei aktuellen Diensten und "systemeigenen" Diensten schnell bereit ist darüber hinweg zu sehen und die Verantwortlichen dann eben wo anders untergebracht werden. Bei einem sozialistischen Geheimdienst aber wird daraus auch 25 Jahre danach ein riesiges Ding gemacht wenn einer seinen Verpflichtungen nachgekommen ist. Hat Herr Thomalla nach damals geltendem Recht etwas verbotenes getan??? Und wenn sie denn die Gestapo als Vergleich bringen..wieso durften dann ehemalige Gestapoleute oder Geheimdienstler des 3.Reiches in der BRD Karriere machen (obwohl man wußte dass sie beteiligt waren) und ein Mitarbeiter des sozialistischen Dienstes und ich meine damit nicht nur Herrn Thomalla, ist per Gesetz von allen Ämtern und Beamtenkarrieren ausgeschlossen oder wird beendet wenn nach Jahren herauskommt , dass man beteiligt war???

Der Unterschied ist, dass die Stasi nicht nur Geheimdienst war, sondern zugleich auch Geheimpolizei. Die grundsätzliche fehlende Gewaltenteilung ist es, die es verbietet, die Aktivitäten des MfS nachträglich zu relativieren.

insofern, dass es in der DDR keine einzelnen Dienste für verschiedene Bereiche gab. Das MfS war sowohl für äußere als auch innere Sicherheit zuständig. heute haben wir den Verfassungsschutz (quasi die "Geheimpolizei"9) den BND (also den Auslandsspionagedienst) und den MAD ( den militärischen Geheimdienst).. aber unterm Strich ist es nichts anderes als im MfS. (mal ganz abgesehen davon dass es dann auch noch private Dienste der Konzerne geben soll die überhaupt keiner parlamentarischen Kontrolle unterworfen sind)

Herr Thomalla,hat vor seiner Einstellung bereits nicht die Wahrheit gesagt. Denn bei der Selbstauskunft hat er bereits eine Stasi Mitarbeit verneint. Warum er jetzt klagen will,ist mir allerdings schleierhaft. Es war auch deshalb geboten,ihn zu entlassen ,denn er hat sich diesen Posten durch eine Unwahrheit erschlichen. Eine Weiterzahlung,seiner vollen Bezüge,ist daher nicht geboten. Ich finde es auch richtig,dass dieses Geschehen an die Öffentlichkeit gebracht worden ist und nicht unter den Teppich gekehrt wurde.

Via E-Mail erreichte mich noch ein Statement zu der Debatte: "Hallo und nur eins dazu, der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen!" MfG Frank Kühn ein Leser