Der Hauptangeklagte selbst sitzt bereits seit 11. August vergangenen Jahres in Untersuchungshaft.
Der Hauptangeklagte selbst sitzt bereits seit 11. August vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Stefan Sauer
Prozessbeginn

Familie wegen Menschenschmuggel und Zwangsarbeit vor Gericht

Die Familie soll in griechischen Restaurants, etwa in Neubrandenburg, Ueckermünde und auf Rügen illegal eingeschleuste Personen zur Arbeit gezwungen haben.
Stralsund

In seinen 25 Dienstjahren sei ihm ein Fall dieser Größenordnung noch nicht untergekommen, sagt Oberstaatsanwalt Martin Cloppenburg von der Stralsunder Staatsanwaltschaft. Einem Mann, seiner Mutter, seiner Schwester und seiner Lebensgefährtin wird ab Montag vor dem Landgericht Stralsund wegen des gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Personen ohne Aufenthaltsrecht und gewerbsmäßiger Zwangsarbeit der Prozess gemacht.

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Der Familie wird vorgeworfen, dass in mehreren von ihr betriebenen griechischen Restaurants, etwa in Wolgast, Neubrandenburg, Ueckermünde, Gützkow und auf Rügen, hauptsächlich illegal eingeschleuste Georgier zur Arbeit gezwungen wurden. Laut Oberstaatsanwalt Cloppenburg mussten die etwa 37 Opfer 60 Stunden pro Woche arbeiten und wurden dafür deutlich unter dem Mindestlohn bezahlt. Zum Teil wurde ihnen der Lohn auch komplett vorenthalten.

Da die Arbeiter kein Aufenthaltsrecht haben und kein Deutsch sprechen, seien sie den Beschuldigten ausgeliefert gewesen. „Die Angeklagten haben sich diese Zwangslage zu Nutze gemacht”, erläutert der Jurist. Nach mehreren fast zeitgleich durchgeführten Polizei-Einsätzen u.a. in Ueckermünde und der Neubrandenburger Oststadt am 10. August vergangenen Jahres, hatte der Hauptangeklagte offenbar versucht, sich aus dem Staub zu machen. Wegen Fluchtgefahr wurde gegen ihn damals ein Haftbefehl erlassen. Bereits einen Tag später konnte der Mann kurz vor der polnischen Grenze gefasst werden. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.

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Oberstaatsanwalt Cloppenburg vermutet, die angeklagte Familie hatte sich Beziehungen und Netzwerke in der alten Heimat für ihre Verbrechen zu Nutze gemacht. „Und damit haben sie wohl ziemlich viel Geld erwirtschaftet”, so Cloppenburg weiter. Bei einer Verurteilung drohen dem Hauptangeklagten demnach bis zu zehn Jahre Gefängnis. Es könnte dann auch familiäres Vermögen in Höhe von etwa einer halben Million Euro eingezogen werden.

 

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