CANNABIS-KONSUM

FDP und Linke für legales Kiffen in MV

Wer Cannabis raucht, muss sich auf Ärger mit Polizei und Justiz einstellen. Für die Behörden bedeuten solche Fälle immer mehr Arbeit. FDP und Linke haben Ideen, wie das geändert werden kann.
Christine Gerhard Christine Gerhard
Gerald Bahr Gerald Bahr
Die FDP fordert, den Nordosten zu einer Modellregion für die kontrollierte Freigabe von Cannabis zu machen.
Die FDP fordert, den Nordosten zu einer Modellregion für die kontrollierte Freigabe von Cannabis zu machen. Jens Kalaene
Schwerin.

Den Joint einfach in der Apotheke kaufen, kein unauffälliges Treffen mit einem Drogenhändler – und vor allem kein Ärger mit Polizei und Justiz, wenn man erwischt wir: Dieser Traum von Cannabis-Konsumenten ist für manche Parteien in Mecklenburg-Vorpommern eine ganz hervorragende Idee. Die Partei fordert, den Nordosten zu einer Modellregion für die kontrollierte Freigabe von Cannabis zu machen. „Privatkonsum in geringen Mengen ist in der Gesellschaft längst akzeptiert“, sagt David Wulff, Generalsekretär der Landes-FDP. Dann könnte man die Droge auch legalisieren, Konsumenten damit nicht länger zu Kriminellen abstempeln und zugleich die Polizei entlasten, wenn Cannabis in geringen mengen beispielsweise in Apotheken verkauft werde.

Ähnlich sieht es die Linke in MV. „Die restriktive Verbotspolitik ist grandios gescheitert”, schließt der gesundheitspolitische Sprecher der Linksfraktion, Torsten Koplin, der sich für eine kontrollierte Freigabe von Cannabis an Erwachsene ausspricht. „Es geht mitnichten darum, Drogenkonsum zu verharmlosen”, sagt er. Drogenabhängige seien aber in erster Linie krank und nicht kriminell. Koplin fordert daher, statt in Ermittlungen und Strafverfahren mehr Geld in in Präventionsmaßnahmen und Hilfsangebote zu investieren. Bisher würden durch die Strafverfolgung „immense Ressourcen bei der Polizei gebunden, die etwa bei der Verfolgung von Einbrüchen besser eingesetzt wären”, heißt es dazu von der FDP.

Cannabis-Konsum ein Einstieg in harte Drogen?

Für die Drogenbeauftragte der Bundesregierung ist Cannabis offenbar eine zwiespaltige Angelegenheit. Einerseits sei es eine sinnvolle medizinische Alternative für Schmerzpatienten, meint die Drogenbeauftragte Marlene Mortler (CDU): „Wem Cannabis wirklich hilft, der soll Cannabis auch bekommen können, in standardisierter und qualitätsgesicherter Form und mit einer Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen.” Andererseits Sei es „eine Droge mit hohen gesundheitlichen Risiken, gerade für regelmäßig konsumierende Jugendliche. Daher führt eine Debatte um Legalisierung völlig am Ziel vorbei”, sagte sie erst kürzlich zum Weltdrogentag.

Für die Fraktion Freie Wähler/BMV wäre ein legaler Cannabis-Konsum nur ein Einstieg in harte Drogen. Zudem würden dadurch noch mehr Straftaten befördert werden. „Wenn wir eines in MV nicht gebrauchen können, dann sind es noch mehr Delikte unter Drogeneinfluss”, teile die Fraktion am Montag mit.

Die FDP hält dagegen. Wer Cannabis verbietet, der erleichtert den Gang zum Dealer – und der sei dann erst recht ein möglicher Einstieg in härtere Drogen. Legaler Besitz und Konsum ausschließlich für Volljährige würde diese Probleme in den Griff bekommen, Menschen von Drogenhändlern fernhalten und, sofern Cannabis ähnlich besteuert werde wie Zigaretten, Geld einbringen, das für Prävention, Suchtbehandlung und Beratung eingesetzt werden könnte.

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