Arzt vor Gericht
Fehldiagnose? Neurochirurg gerät weiter unter Druck

Der angeklagte Neurochirurg mit seinen Anwälten Wolf Klink (links) und Temba Hoch: Ein neues Gutachten belastet den Angeklagten weiter.
Der angeklagte Neurochirurg mit seinen Anwälten Wolf Klink (links) und Temba Hoch: Ein neues Gutachten belastet den Angeklagten weiter.
Bernd Wüstneck

Ein Arzt operierte grundlos eine Frau, die seitdem schwerst behindert ist. Für seine Diagnose gibt es keine Anhaltspunkte, hat jetzt ein zweiter Gutachter vor Gericht dargelegt.

In Saal E37 des Landgerichts Rostock ist der Ton scharf an diesem Verhandlungstag. Der Prozess wegen schwerer und gefährlicher Körperverletzung gegen einen früheren Rostocker Neurochirurgen schleppt sich mittlerweile in den elften Monat. Wieder und wieder hatte die Verteidigung den vom Gericht bestellten Sachverständigen, einen emeritierten Professor der Berliner Charité, attackiert und seine Ablösung verlangt.

Die Strafkammer lehnte ab und ist nunmehr selbst schweren Anwürfen ausgesetzt. In einer mehrseitigen Erklärung beschuldigen die Anwälte das Gericht, „sich neurochirurgische und neuroradiologische Kompetenzen anzumaßen“ und „dem Sachverständigen mit uneingeschränkter Nibelungentreue zu folgen“. Im Namen ihres Mandanten beantragen sie, „die Kammer insgesamt“ mit ihren drei Berufsrichtern und zwei Schöffen und „den Vorsitzenden gesondert“ wegen Besorgnis der Befangenheit abzulehnen.

Der angeklagte Neurochirurg soll eine Frau aus der Nähe von Altentreptow im Sommer 2010 mit einer falschen Diagnose getäuscht und zu einer Operation der Halswirbelsäule veranlasst haben. Die Frau ist seither zu 100 Prozent behindert, dauerhaft in Schmerztherapie und getrieben von der Angst vor einer weiteren Verschlimmerung ihrer Lage. Sie sitzt als Nebenklägerin im Gerichtssaal. Das Motiv der laut Staatsanwaltschaft „das Leben gefährdenden, vielfach fehlerhaften Behandlung“ soll Geldgier gewesen sein.

Arzt pocht auf Richtigkeit seiner Befunde

Der Arzt hatte seinerzeit wegen fehlerhafter Abrechnungen die Zulassung der gesetzlichen Krankenkassen eingebüßt und nur noch Privatpatienten wie die betroffene Frau behandelt. Später war er als Betrüger überführt und schließlich 2014 wegen millionenschweren Betrugs und Urkundenfälschung zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Nach seiner Haft steht er nun seit Mitte April erneut vorm Landgericht.

Im Dezember hatte sich der Angeklagte erstmals zu den Vorwürfen geäußert. Er bestreitet sie und pocht auf die Richtigkeit seiner damaligen Befunde. Die Patientin litt seit einem unverschuldeten Verkehrsunfall 2003 unter den Folgen eines schweren Schleudertraumas und hatte sich auf Empfehlung ihres behandelnden Arztes an den Spezialisten in Rostock gewandt.

Verteidiger halten die Richter für befangen

Durch verschiedene bildgebende Verfahren will der Neurochirurg, der sich auch als Neuroradiologe betätigte, erkannt haben, dass der Wirbelkanal der Patientin verengt war und die obereren Halswirbel zu viel Spielraum hatten. Darum habe er zur Versteifung geraten, wie er erklärte. Der Sachverständige konnte anhand der damals angefertigten Computerbilder nichts dergleichen feststellen. Vielmehr attestierte er „eine fehlerhafte Operation, die doch von Anfang an gar nicht hätte gemacht werden dürfen“.

Die Verteidigung reagierte über Monate mit einem Feuerwerk von Vorwürfen: Der Sachverständige sei mit über 80 Jahren zu alt. Er habe zu wenig Zeit zur Beurteilung der Bilder aufgewendet. Er könne die Technik nicht richtig bedienen. Und: Er versuche „Defizite zu kaschieren“, um sein Gesicht zu wahren. Die Richter reagierten zuletzt deutlich, indem sie alle Anträge zur Ablösung des Professors zurückwiesen. In der Begründung an die Anklagebank ist von „bloßem Verwirrspiel“ und „entgleitender Informationsverarbeitung“ die Rede und davon, dass sich die Anträge teilweise „von jeglicher vernunftbasierter Anknüpfungsbasis“ entfernten.

Darüber hinaus zog die Strafkammer einen zweiten Sachverständigen zurate, um die gegensätzlichen Darstellungen beurteilen zu lassen. Der Leiter der Diagnostischen Neuroradiologie der Universitätsmedizin Rostock legte ein Gutachten vor. Ob er die Diagnose des Angeklagten nachvollziehen könne? „Das kann ich anhand der vorliegenden Bilder nicht “, sagt er. Weder sei eine Einengung des Wirbelkanals erkennbar noch die Schädigung der Gelenke.

Ein Ende des Prozesses ist noch nicht in Sicht. Am Rande wird bereits gelästert, ob die Verteidigung die Verhandlung womöglich bis zur Verjährungsfrist hinauszögern will, die für eine gefährliche Körperverletzung von 2010 im Jahre 2020 läge. Zunächst wollen die beiden Anwälte ihre Befangenheitsanträge gegen das Gericht schriftlich begründen und Fragen an den zweiten Gutachter formulieren. Die Kammer hat Fortsetzungstermine bis Ende April angesetzt.

Kommentare (1)

Psychopathen im weißen Kittel. Solche kranken Menschen gibt es auch zu hauf in der Politik. Siehe Frau Merkel. Obwohl sie eindeutig als Mörder und Verbrecher erkannt wurden sind, streiten sie es ab, rechtfertigen es sogar noch.