Jan „Monchi” Gorkow, Sänger der Punkband Feine Sahne Fischfilet, hat ein autobiografisches Buch geschrieben .
Jan „Monchi” Gorkow, Sänger der Punkband Feine Sahne Fischfilet, hat ein autobiografisches Buch geschrieben . Anfang April startet er eine Lesereise mit über geplanten 17 Stationen. Nun brach er die Lesetour vorzeitig ab. Bernd Wüstneck (Archiv)
Die letzte Buch-Lesung von Jan „Monchi” Gorkow fand am Donnerstag im Theater Greifswald statt. Vor rund 300 G&auml
Die letzte Buch-Lesung von Jan „Monchi” Gorkow fand am Donnerstag im Theater Greifswald statt. Vor rund 300 Gästen sprach er vorab über die „diffusen Anschuldigungen” gegen ihn – und warum er die Lesetour nun abbricht. Daniel Focke
Knapp drei Stunden las Gorkow – auch aus einer Badewanne – aus seinem Bestseller „Niemals satt – Über den Hunger aufs Leben und 182 Kilo auf der Waage”. Die mitgebrachten Pfannkuchen teilte sichtlich abgenommene Autor mit dem Publikum.
Knapp drei Stunden las Gorkow – auch aus einer Badewanne – aus seinem Bestseller „Niemals satt – Über den Hunger aufs Leben und 182 Kilo auf der Waage”. Die mitgebrachten Pfannkuchen teilte der sichtlich abgenommene Autor mit dem Publikum. Daniel Focke
Mit 250 Euro ersteigerte die Meistbietende im Publikum diesen persönlichen Gartenstuhl von "Monchi", auf den noch eine gewünschte Widmung folgen sollte, sowie ein Reiseratgeber für Jarmen. Das Geld ist für einen Skatepark in Gorkows Heimatstadt gedacht.
Mit 250 Euro ersteigerte die Meistbietende im Publikum diesen persönlichen Gartenstuhl von "Monchi", auf den noch eine gewünschte Widmung folgen sollte, sowie ein Reiseratgeber für Jarmen. Das Geld ist für einen Skatepark in Gorkows Heimatstadt gedacht. Daniel Focke
Buchtour abgebrochen

Feine-Sahne-Fischfilet-Sänger Monchi zieht sich zurück

Feine-Sahne-Fischfilet-Sänger „Monchi” hat die Tour für sein Buch vorzeitig beendet. Bei der letzten Lesung in Vorpommern sprach er auch über die schweren Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden.
Greifswald

Jan „Monchi” Gorkow von „Feine Sahne Fischfilet” hat sehr kurzfristig seine bundesweite Lesetour abgebrochen. Der Termin im Greifswalder Theater war vorerst die letzte Vorstellung seines autobiografischen Buches „Niemals satt” – die restlichen Lesetermine wurden verschoben. Dies hatte er bei Facebook und Instagram am Donnerstag angekündigt und in Greifswald auf der Bühne direkt vor seiner mehrstündigen Buchlesung wiederholt. Als Grund nannte der 34-Jährige die „diffusen Anschuldigungen” gegen ihn und die Belastung für sein persönliches Umfeld mit dieser Situation.

Die letzte Buch-Lesung von Jan „Monchi” Gorkow fand am Donnerstag im Theater Greifswald statt. Vor rund 300 G&auml

Schwere Anschuldigungen von Unbekannten

Im Internet waren in den letzten Tagen von Unbekannten schwere Vorwürfe gegen den Frontmann der Rostocker Punkband veröffentlicht worden. Die anonymen Verfasser werfen ihm mit unbelegten Anschuldigungen sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch vor. Auf Nordkurier-Anfrage über die dort angegeben E-Mail-Adresse wurde bislang nicht reagiert. Auch dem Label „Audiolith” – der Musikverleger von „Feine Sahne Fischfilet” – und dem Management der Band, JKP, wurde in den anonymen Vorwürfen ein Wegschauen unterstellt. Diese widersprachen den unbegründeten Vorwürfen.

„Feine Sahne Fischfilet” hatte sich bereits vor einer Woche auf Facebook und Instagram zu den anonymen Vorwürfen geäußert und betont, dass die Band nicht wüsste, worum es dabei gehe. Die Band arbeite seit vergangenem Jahr – als es bereits ähnliche anonyme Vorwürfe gab – mit einer externen Agentur zusammen, um mögliche Vorwürfe zu klären oder aufzuarbeiten. Betroffene könnten sich seitdem bei Vorwürfen bei einer Kontakt-Mail melden, die von einer externen Person betreut sei. Laut dem Musikverlag der Band habe es dort keine Vorwürfe gegenüber Jan Gorkow gegeben.

In seiner kurzen Stellungnahme am Donnerstag schrieb „Monchi” über die Accounts von „Feine Sahne Fischfilet”: „Bis jetzt sind nach wie vor keine konkreten Vorwürfe an mich herangetragen worden, zu denen ich mich entsprechen verhalten könnte.” Er sei weiterhin bereit, sich Vorwürfen zu stellen und verspreche, damit „verantwortungsbewusst umzugehen”.

Ausverkaufte Lesung im Theatersaal

Am Donnerstagabend gab der bärtige Punkband-Sänger dann erst mal seine letzte Lesung aus seinem Buch. Im ausverkauften Greifswalder Theater saßen rund 300 Gäste. Gorkow war bis dahin auf einer bundesweiten Lesereise für sein autobiografisches Werk unterwegs. Die anstehenden Termine in Hamburg, Leipzig, Münster und Köln wurden aber nun auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Anschuldigungen sprach Jan Gorkow gleich an, als er in seinen typischen Flipflops und kurzer Hose unter Applaus auf die Bühne kam. Er wolle es ansprechen, weil es im Raum stehe. Er könne sich aber schlecht zu unkonkreten Vorwürfen äußern. „Wenn Leute etwas haben, dann sind wir ansprechbar – dann bin ich ansprechbar und mache mich gerade.” Dies sei ihm wichtig zu sagen, da es ihm seiner Ansicht nach, vor drei, vier Jahren „völlig scheiß egal” gewesen wäre. Er verwies auf die Aussagen, die die Band bereits im Internet veröffentlicht hatte.

Nach der kurzen Ansprache vorab waren die Vorwürfe bei der anschließenden Greifswalder Lesung dann aber kein Thema mehr, weder auf noch vor der Bühne. Die kurzweilige Vorstellung – unter anderem gemeinsam mit seiner Mutter – wurde mit viel Applaus und Humor quittiert. Er sprach und las knapp drei Stunden hauptsächlich über das Abnehmen, sein ehemaliges Körpergewicht von 182 Kilogramm und bis zu 7500 Kilokalorien am Tag, die er zu sich genommen habe. Und wie es dazu gekommen war.

Er sprach auch viel über „Feine Sahne Fischfilet”-Konzerte, Mecklenburg-Vorpommern sowie seine Familie und Freunde. Auch die Drohungen durch Rechtsextremisten und die Beobachtung durch den Landesverfassungsschutz MV sprach er mehrmals an.

Fressen, Saufen, K*cken

Ohne Hemmungen schilderte Gorkow seine unkontrollierten Fressattacken, Drogenkonsum und Saufexzesse sowie auch Gewalterfahrungen – mit Rechtsextremisten und Fußball-Ultras. Auch intime, eklige und fäkale Themen sparte er nicht aus. Er versuche, sich klar zu werden, was er die letzten Jahre mit sich und seinem Körper gemacht habe.

Knapp drei Stunden las Gorkow – auch aus einer Badewanne – aus seinem Bestseller „Niemals satt – &Uuml

Im Verlaufe der Lesung gab es Pfannkuchen sowie versteckte Süßigkeiten unter einigen Sitzen für das Publikum. Auf der Theaterbühne waren verschiedene Sitzmöglichkeiten, dazu eine Waage und weitere private Gegenstände, die im Laufe des Abends durch Gorkow mit Bezug auf sein Leben anekdotisch eingeordnet wurden. Darunter auch eine freistehende Badewanne als Symbol für einen seiner privaten Lieblingsplätze – wo er auch einen Teil seines Buches geschrieben habe.

Am Ende versteigerte er unter anderem aus dieser „Sammlung” einen weißen Plastik-Gartenstuhl für 250 Euro an eine Höchstbietende aus dem Publikum. Mit persönlicher Widmung inklusive. Dieses Geld sowie eine Spendensammlung im Publikum nach der Lesung sei für einen geplanten Skatepark in seiner Heimatstadt Jarmen gedacht, so Gorkow. Auch versuchte er damit einige Reiseratgeber für Jarmen an die Leute zu bringen.

Viele Fans warten auf „Monchi”

Während der Pause und nach Ende der Vorstellung war „Monchi” stets gut gefragt: Seine Unterschrift und Widmung für ihre gekauften Exemplare des Buches, gemeinsame Fotos und viele Umarmungen wollten nicht wenige der älteren und jüngeren Fans, die in Schlangen auf den 34-Jährigen warteten. Vielen der Gesichter war ihre Freude über den Kontakt zum Sänger sowie den stimmungsvollen Abend anzusehen.

In Vorpommern enden nun seine Lesungen, so Gorkow. Das fühle sich richtig an – „abschließend da zu lesen, wo ich herkomme.” Es täte ihm leid für all die Menschen, die sich auf die nun verschobenen Lesungen gefreut hätten, schrieb er noch am Donnerstag im Internet. Aber er wolle für alle Beteiligten „ein bisschen Druck aus der Situation nehmen”.

Gorkow selbst wollte sich auf mehrfache Nordkurier-Anfrage zu den schweren Vorwürfen gegen ihn nicht direkt äußern – auch nicht am Donnerstag in Greifswald.

Mehr lesen: Warum sich Sänger Monchi in Jarmen fast nackig machte

 

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