LANDFRIEDENSBRUCH

"Feine Sahne Fischfilet"-Sänger freigesprochen

Im Prozess nach einer Auseinandersetzung zwischen Neonazis und Linken in Güstrow wurde der Sänger von „Feine Sahne Fischfilet” freigesprochen.
dpa
Jan Gorkow, Sänger der linken Punkband "Feine Sahne Fischfilet" ist einer von drei Angeklagten, die sich in Güstrow wegen Landfriedensbruch verantworten müssen.
Jan Gorkow, Sänger der linken Punkband „Feine Sahne Fischfilet” ist einer von drei Angeklagten, die sich in Güstrow wegen Landfriedensbruch verantworten müssen. Bernd Wüstneck
Güstrow.

Das Güstrower Amtsgericht hat den Sänger der linken Punkband „Feine Sahne Fischfilet”, Jan Gorkow, und zwei weitere Männer aus der linken Szene vom Vorwurf des Landfriedensbruchs freigesprochen. In der Verhandlung gezeigte Fotos und Videos des Vorfalls hätten nicht belegen können, dass die Männer sich an Gewalttätigkeiten beteiligt hätten, sagte der Richter in der Urteilsverkündung am Montag. Auch die Staatsanwaltschaft und die Verteidiger hatten einen Freispruch gefordert.

Ursprünglich hatte die Anklage den Männern vorgeworfen, im Mai 2015 am Rande einer Flüchtlings-Kundgebung Stühle auf eine Gruppe Rechtsextremisten geworfen beziehungsweise sich verbal an der Auseinandersetzung beteiligt zu haben. Die Freigesprochenen hatten sich nicht zu den Vorwürfen geäußert. Ein Polizeizeuge hatte ausgesagt, keine Gewalttätigkeiten der Angeklagten gesehen zu haben. Ein weiterer Polizist hatte Gorkow ursprünglich beschuldigt, einen Stuhl geworfen zu haben, konnte sich in seiner Vernehmung jedoch nicht mehr erinnern und verstrickte sich zudem in Widersprüche.

Soli-Kundgebung vor Gericht

Die Verteidiger kritisierten in ihren Plädoyers die Ermittlungsführung der Staatsanwaltschaft und die lange Verfahrensdauer. Die Anklage hätte angesichts des Beweismaterials niemals erhoben werden dürfen, war der Tenor. Auf im Prozess gezeigten Bildern waren Teilnehmer der rechten Gruppe deutlich zu erkennen, wie sie Stühle in der Hand halten und teilweise damit warfen. Einige von ihnen waren dabei erkennbar vermummt. Außerdem soll auf den Bildern der damalige NPD-Abgeordnete der Güstrower Stadtvertretung Nils Matischent zu sehen sein.

Zu dem Tumult war es damals gekommen, nachdem sich die Rechtsextremen der Veranstaltung genähert hatten. Vergangene Woche erklärte die Staatsanwaltschaft Rostock einem Bericht des NDR zufolge, die zwischenzeitlich eingestellten Ermittlungen gegen die Neonazis wegen Landfriedensbruch wieder aufzunehmen. Vor dem Gerichtsgebäude solidarisierten sich nach Polizeiangaben rund 100 Personen mit den Angeklagten. Zu der Kundgebung hatte die Landtagsabgeordnete Karin Larisch (Linke) aufgerufen. Etwa 50 Teilnehmer nahmen im Anschluss als Zuschauer an der Gerichtsverhandlung teil, meldet die Polizei. 37 Beamte waren im Einsatz, es habe keine Störungen gegeben.

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