MASSENTIERHALTUNG IN MV

Ferkeltötungen bleiben ein Streitthema

Die Ermittlungen laufen, der Streit um illegale Ferkeltötungen in Schweinezuchtanlagen kocht weiter. Das Landwirtschaftsministerium will Verstöße mit der "vollen Härte des Gesetzes" ahnden. Die Grünen fordern endlich Taten statt Worte.
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Landwirtschaftsminister Backhaus sieht keine Anhaltspunkte für verbotswidrige Ferkeltötungen im Land. Die Grünen sehen das ganz anders.
Landwirtschaftsminister Backhaus sieht keine Anhaltspunkte für verbotswidrige Ferkeltötungen im Land. Die Grünen sehen das ganz anders. Markus Scholz
Schwerin.

Die Frage möglicher gesetzwidriger Ferkeltötungen in Schweinezuchtanlagen des Landes sorgt weiter für Diskussionsstoff. Die Antwort des Landwirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Tierschutzpolitischen Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag, Jutta Gerkan, bezeichnete diese als „unzureichend“. Die Landesregierung sei nicht gewillt, große Tierzuchtanlagen zu sanktionieren und leugne, dass in großen Anlagen das Tierschutzgesetz verletzt wird, sagte Gerkan im Gespräch mit dem Nordkurier.

Besonders kritisierte sie das Agieren des Umweltministers Till Backhaus (SPD). Dieser lasse seinen Ankündigungen, mit der „vollen Härte des Gesetzes“ Verstöße gegen das Tierschutzgesetz zu ahnden, keine Taten folgen. „Stattdessen beschönigte er die Obduktionsberichte von untersuchten Ferkeln, sieht keine verbotene Tötung von Tieren“, so Gerkan weiter.

Tatsächlich hatte Backhaus auf die Kleine Anfrage Gerkans geantwortet, dass für verbotswidriges Töten von Ferkeln in MV keine Anhaltspunkte vorlägen. Er widersprach damit einem ARD-Bericht vom Dezember 2013. Die Ermittlungen der Neubrandenburger Staatsanwaltschaft gegen einzelne Mitarbeiter der Anlage in Alt Tellin dauern derweil an.

Wie gut sind die Kontrollen in den Ställen?

Weiterhin kritisierte Gerkan, dass die Frage nach Kontrollen in Großbetrieben wie dem in Alt Tellin nur unzureichend beantwortet worden sei. So fänden zwar „durchschnittlich einmal in der Woche“ unangekündigt Kontrollen statt. Dazu, ob die Kontrolleure der zuständigen Veterinärämter auch bei der Beschau des Ferkelbestandes anwesend seien, fehle eine Antwort. „Offenbar ist die Landesregierung nicht daran interessiert, das entsprechend zu ändern“, so Gerkan.

Als „hanebüchen“ bezeichnete sie, dass Backhaus zuletzt öffentlich eine „Offensive für mehr Tierschutz“ gefordert und eine Erhöhung des Kontrolldrucks in konventionellen wie ökologischen Tierhaltungsbetrieben angekündigt hatte.

Klarheit gibt es indes in einer anderen Frage. Laut einem dem Nordkurier vorliegenden Kündigungsschreiben hat Schweinezüchter Adriaan Straathof den Pachtvertrag seiner Firma für einen Maststall in Groß Kelle (Müritz) bereits zum 31. Dezember 2012 gekündigt. Demnach können die im Dezember 2013 am Rande der Anlage in einer Jauchegrube entdeckten Schweinekadaver nicht dem niederländischen Großzüchter gehören.

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