Der marokkanische Vater des Deutsch-Marokkaner aus Wismar soll laut Hamburger Landeskriminalamt ein Mitverantwortlicher der Al
Der marokkanische Vater des Deutsch-Marokkaner aus Wismar soll laut Hamburger Landeskriminalamt ein Mitverantwortlicher der Al-Quds-Moschee gewesen sein, in der sich vor den Anschlägen vom 11. September 2001 die Angehörigen der Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta getroffen hätten. SETH MCALLISTER
11. September

Festnahme eines mutmaßlichen Terroristen aus MV bleibt rätselhaft

Langsam kommt Licht in die Festnahme eines mutmaßlichen Islamisten aus Wismar, der einen Terroranschlag geplant haben soll. Sollte der Fall vertuscht werden?
Schwerin

Die Meldung am 10. Dezember vergangenen Jahres ließ in Mecklenburg-Vorpommern aufhorchen. Hamburgs Innensenator Andy Grote gab an jenem nasskalten Tag bekannt, dass die Sicherheitsbehörden einen islamistischen Terroranschlag in der Hansestadt verhindert hätten. Dabei wurde nach Behördenangaben ein 20 Jahre alter Deutsch-Marokkaner mit Verbindung nach Wismar verhaftet – dies allerdings bereits am 26. August. „Wir haben es hier mit einem sehr, sehr ernsthaften Vorgang zu tun”, betonte Grote seinerzeit.

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Chemikalien für einen Sprengsatz geeignet

Der Mann hatte den Angaben zufolge an einem Studienkolleg in Wismar teilgenommen und dort auch eine Wohnung. Bei der Durchsuchung einer von ihm genutzten Wohnung seien Chemikalien für den Bau eines Sprengsatzes gefunden worden, so der Innenminister weiter – darunter ein Kilogramm Kaliumnitrat, ein Kilogramm Schwefel und ein halbes Kilo Holzkohlestaub sowie mehrere Hundert Schrauben und Muttern. Eine solche Bombe hätte „erhebliche oder sogar tödliche Verletzungen” verursachen können.

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Regierung schwieg lange

Ein gravierender Fall – umso mehr überraschte es, dass der Fall erst fast vier Monate nach der Festnahme des Mannes an die Öffentlichkeit drang. Die AfD-Fraktionen im Deutschen Bundestag und im Landtag Mecklenburg-Vorpommern fragten nach – und erhielten von Bundes- und Landesregierung erstaunliche Antworten. Demnach, so der AfD-Fraktionschef im MV-Landtag, Nikolaus Kramer, „waren die Sicherheitsbehörden in MV und damit auch die Landesregierung frühzeitig über die Festnahme informiert”.

Im Wahlkampf vertuscht?

Kramer hegt deshalb einen Verdacht: „Mir ist völlig unklar, warum die Bürger erst Monate danach über diesen Beinahe-Terroranschlag informiert wurden. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Landesregierung und der Hamburger Senat die Bekanntmachung der Festnahme verzögert haben, damit sie vor den Bundes- und Landtagswahlen keine kritischen Fragen zur Sicherheitslage und zum Islamismus beantworten müssten. Das grenzt an Wählertäuschung.”

Enrico Komning, Mitglied des Deutschen Bundestages aus Neubrandenburg, wundert sich, „dass der Beschuldigte erst nach seiner Festnahme als Gefährder registriert wurde. Das ist äußerst merkwürdig. Man sollte doch meinen, die Sicherheitsbehörden würden jemanden, der bereits seit längerem im Visier der Behörden steht und aktiv einen Sprengstoffanschlag vorbereitet, früher als Gefährder einstufen.” Laut Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage von AfD-Mann Komning sei der Deutsch-Marokkaner erst „seit dem 18. November 2021 als Gefährder der Politisch motivierten Kriminalität (PMK) – religiöse Ideologie – eingestuft” worden.

Vage Verbindungen zum Anschlag in New York

Warum der mutmaßliche Terrorist weit nach seiner Festnahme in die Gruppe der Gefährder kategorisiert worden ist, wollte die Bundesregierung – so heißt es in der Antwort an Komning – „nach sorgfältiger Abwägung aus Gründen des Staatswohls nicht offen” kommunizieren.

Nach Angaben des Hamburger Landeskriminalamtes ist der Festgenomme der Sohn eines den Hamburger Behörden seit langem bekannten Islamisten. Der marokkanische Vater sei ein Mitverantwortlicher der Al-Quds-Moschee gewesen, in der sich vor den Anschlägen vom 11. September 2001 die Angehörigen der Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta getroffen hätten.

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