Die Baggerarbeiten für die neue Pipeline hatten erst vor wenigen Tagen begonnen. Nun wurden Fettklumpen am nahen Strand angespült.
Die Baggerarbeiten für die neue Pipeline hatten erst vor wenigen Tagen begonnen. Nun wurden Fettklumpen am nahen Strand angespült. Martina Rathke / Stefan Sauer (Bildkombo)
Ministerium warnt

Ostsee-Fettklumpen auf keinen Fall berühren!

Ausgerechnet an diesem Wochenende, das an der Ostsee wieder gutes Wetter und viele Besucher bringen wird, warnen die Behörden, die dort angespülten Fettklumpen zu berühren. Sie sind gefährlicher als gedacht.
Greifswald

Wenn es tatsächlich die Schiffe von „Nord Stream 2“, der neuen russisch-deutschen Erdgaspipeline unter der Ostsee waren, die diese Verunreingung verursacht haben, dann war das ein veritabler Fehlstart für das ohnehin umstrittene Projekt, dessen Bau vor wenigen Tagen begonnen hatte.

Das schwant wohl auch dem Bauherrn, der bereits am Donnerstag hatte einräumen müssen, dass eines der von ihm beauftragten Baggerschiffe offenbar tatsächlich ein Leck hatte, das für die Fettklumpen verantwortlich sein könnte, die derzeit am Greifswalder Bodden und dem Strelasund angespült werden. Auch wenn noch nichts bewiesen ist, hat der Pipelinebauer noch am Freitag eine Telefon-Hotline eingerichtet, unter der sich besorgte Anwohner und Fett-Finder melden können.

Bei Hautkontakt gründlich abwaschen, bei Verschlucken Arzt aufsuchen

Derweil warnen die Behörden vor dem Berühren der lilafarbenen Klumpen: „Aus Sicherheitsgründen sollten die Schmierfett-Anlandungen oder vergleichbare Verunreinigungen, die im gesamten Uferbereich des Greifswalder Boddens auftreten können, nicht berührt oder aufgenommen werden“, heißt es in einer am Freitagnachmittag verschickten Mitteilung des Schweriner Agrar- und Umweltministeriums.

Und weiter: „Nach Berührungs- bzw. Hautkontakt mit der Substanz sollte eine gründliche Reinigung mit Wasser und Seife erfolgen. Sollten Teile der Substanz in die Atemwege oder die Augen gelangt oder verschluckt worden sein, so ist in jedem Fall unverzüglich ein Arzt aufzusuchen, da eine geringfügig toxische Wirkung nicht ausgeschlossen werden kann. Eltern sind aufgefordert, dafür zu sorgen, dass ihre Kinder nicht in verschmutzten Bereichen spielen und die Verunreinigungen berühren oder aufnehmen.“

Eventuelle Funde auch dem Amt melden

Dass die Behörde dem Pipelinebauer offenbar auch nicht so recht traut, zeigt eine Petitesse am Ende der Meldung: Man solle eventuelle Funde doch bitte nicht nur an die Nordstream-Hotline, sondern auch an die Rufbereitschaft des staatlichen Amts für Landwirtschaft und Umwelt melden.

Klar ist indessen bereits, dass Nord Stream für die Reinigung der Strände aufkommen wird, auch das betonte das Ministerium am Freitagabend. Nord Stream beteuerte, der eventuell als Verursacher in Frage kommende Bagger sei stillgelegt und in den Hafen zurückgebracht wurden. Die Baumaschine habe ein Leck im Baggerarm gehabt, das nicht rechtzeitig entdeckt worden sei, sagte ein Sprecher.

Die Wasserschutzpolizei ermittelt wegen Gewässerverunreinigung gegen Unbekannt. Die grüne Bundestagsabgeordnete Claudia Müller forderte einen sofortigen Baustopp der Baggerarbeiten für die Ostseepipeline – zumindest solange, bis über die am Oberverwaltungsgericht Greifswald anhängigen Klagen entschieden sei. Nach Angaben von Nord Stream 2 wurden bislang mehr als 30 Kilometer Strand abgesucht und Funde eingesammelt. Diese Arbeiten würden in den nächsten Tagen fortgesetzt.

 

Die Nummern für den Ernstfall

Nord-Stream-Hotline: 030-288758116
amtliche Rufbereitschaft 01714903659

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