Die Awo Müritz verliert für die Jahre 2011 bis 2016 die Gemeinnützigkeit.
Die Awo Müritz verliert für die Jahre 2011 bis 2016 die Gemeinnützigkeit. Bernd Wüstneck
Gemeinnützigkeit aberkannt

Finanzamt verdonnert Awo Müritz zu hoher Steuernachzahlung

Dem Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) an der Müritz ist die Gemeinnützigkeit aberkannt worden. Das Finanzamt sieht massive Pflichtverletzungen.
Schwerin

Die krisengeschüttelte Awo Müritz kommt nicht zur Ruhe. Das Finanzamt Waren hat der Awo Müritz gGmbH die Gemeinnützigkeit für mehrere Jahre aberkannt. Über Monate hatte das Finanzamt die Steuerbescheide der Wohlfahrtsbehörde durchleuchtet.

Dabei geht es nach um die Zeit von 2011 bis 2016. Als Begründung habe die Finanzbehörde Pflichtverletzungen der damaligen Geschäftsführung benannt, teilte der aktuelle Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Müritz, Stephan Arnstadt, mit. Wie hoch die Rückzahlungen sind, wollte Arnstadt nicht sagen. Nach Recherchen des Nordkurier dürfte sich die Summe im sechsstelligen Bereich bewegen.

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Bereits vor Jahren drohte die Insolvenz

Ob die Awo Müritz die drohenden Rückzahlungen leisten kann, könnte durchaus fraglich sein. Der Kreisverband war in der Vergangenheit durch Missmanagement und fragwürdige Bauprojekte in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Bereits vor Jahren drohte die Insolvenz – erst durch ein scharfes Konsolidierungsprogramm wurde ein wirtschaftliches Überleben gesichert. Um die schwierige Phase zu überstehen, hatte sich der Kreisverband von verschiedenen Einrichtungen – beispielsweise Kitas und Altenheime – getrennt.

Die Awo Müritz war im Zusammenhang mit zu hohen Gehältern der Geschäftsführung ins Visier der Finanzbeamten gerückt. Nach rund viermonatigen Verhandlungen vor dem Landgericht Schwerin waren im Juni vergangenen Jahres Peter Olijnyk (Ex-Geschäftsführer der Awo Müritz) und Götz-Peter Lohmann (Ex-Vorsitzender der Awo Müritz) wegen schwerer Untreue beziehungsweise Beihilfe zur Untreue zu Haft- und Bewährungsstrafen verurteilt worden.

Der Vorsitzende Richter Hennig Sauer hatte gegen Olijnyk eine dreijährige Haftstrafe ohne Bewährung ausgesprochen. Zusätzlich wurden dem 72-jährigen Vermögensanteile in Höhe von rund 350.000 Euro an unrechtmäßig kassierten Gehältern entzogen. Olijnyks „Duzfreund“ Lohmann wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt – allerdings auf Bewährung.

Widerspruch gegen Nachzahlungen

Awo-Müritz-Vorstandsmitglied Nadine Julitz sagte auf Nordkurier-Nachfrage, dass „am Fakt des Verlustes der Gemeinnützigkeit nicht zu rütteln ist, man aber nach Rücksprachen mit Anwälten in Widerspruch gegen die Höhe der Nachzahlungen gegangen ist”. Die SPD-Landtagsabgeordnete ist seit November 2016 Mitglied des Awo-Kreisvorstandes. Zuvor war der alte Kreisvorstand aufgrund der Awo-Affäre komplett zurückgetreten.

Der Nordkurier hatte die Vorfälle im Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt im Sommer 2016 aufgedeckt.

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