RÜCKTRITT

Finanzminister Brodkorb rechnet mit Schwesig ab

Die Personalpolitik von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig und ihr Reinregieren ins Finanzministerium haben das Fass offenbar zum Überlaufen gebracht. Mathias Brodkorb verlässt das Kabinett.
„Ich bin nicht der richtige Finanzminister für Frau Schwesig.“ Mit diesem Fazit hat sich Mathias Brodkorb (SPD) am Montagvormittag aus seinem Amt verabschiedet.
„Ich bin nicht der richtige Finanzminister für Frau Schwesig.“ Mit diesem Fazit hat sich Mathias Brodkorb (SPD) am Montagvormittag aus seinem Amt verabschiedet. Jens Büttner
Schwerin ·

„Ich bin nicht der richtige Finanzminister für Frau Schwesig.“ Mit diesem Fazit hat sich Mathias Brodkorb (SPD) am Montagvormittag aus seinem Amt verabschiedet. Drei Gründe nannte er für seinen Entschluss, der Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) dem Vernehmen nach eiskalt überrascht hat, für politische Beobachter jedoch alles andere als unvorhergesehen kam.

„Zum ersten ist in den vergangenen zwei Jahren keine vertrauensvolle Zusammenarbeit entstanden“, sagte Mathias Brodkorb, dem es wichtig war, dabei die Beidseitigkeit zu betonen. Zum anderen gebe es fachliche Differenzen, was jedoch „bei einem solchen Amt berufsbedingt“ immer wieder verkomme und auch vorkommen sollte. Allerdings halte er eine grundlegend gute Zusammenarbeit zwischen der Staatskanzlei der Regierungschefin und dem Finanzministerium als „strategischem Schlüsselressort“ für existentiell.

Mathias Brodkorb war nach der Landtagswahl im Herbst 2016 von Schwesigs Amtsvorgänger Erwin Sellering zum Finanzminister auserkoren worden. Ein Jahr später übernahm Manuela Schwesig das Amt, da Erwin Sellering sich krankheitsbedingt zurückziehen musste.

Finanzstaatssekretär Bäumer in Ruhestand versetzt

Zu guter Letzt führte Mathias Brodkorb die Meinungsverschiedenheit über die Besetzung von Spitzenpositionen in seinem Hause an – „was die Befähigungen und die eigene Leistung angeht“. Erst vor wenigen Wochen hatte Manuela Schwesig den altgedienten Finanzstaatssekretär Peter Bäumer nach langer Krankheit in den Ruhestand versetzt und einen Mitarbeiter aus ihrer Zeit als Bundesfamilienministerin in Berlin auf den Posten gehievt. Schon Monate zuvor war eine Hauptabteilungsleiterin aus dem Finanzressort in die Staatskanzlei gewechselt.

Schwesigs Personalpolitik und Postenvergabe sorgt seit Monaten für Erstaunen. Das Wort von der „Speichelleckerei vor der schwierigen Chefin“ macht regelmäßig die Runde, wenn wieder einer von Schwesigs Getreuen ins Rampenlicht tritt – natürlich nur hinter vorgehaltener Hand.

Brodkorb will Landtagsabgeordneter bleiben

Alles in allem resümierte Mathias Brodkorb, gebe es einen Punkt, an dem ein politischer Verantwortungsträger entscheiden muss, inwieweit sich Entscheidungen „noch mit den eigenen Überzeugungen in Übereinstimmung bringen lassen”. Sein Mandat als Landtagsabgeordneter will er behalten. Er kündigte jedoch gleich an, nach seinem Abtrittsstatement weder für Fragen noch für Hintergrundgespräche zur Verfügung zu stehen.

Brodkorbs Offenbarung am Montag hatte das politische Schwerin regelrecht aufgeschreckt. Vor allem in der Chefetage des Landtages herrschte Verärgerung: Dort sollte an diesem Tag die Trauer um Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider im Vordergrund stehen. Am Sonntag war sie ihrer jahrelangen schweren Krebserkrankung erlegen. Dieser Verlust rückte durch die Personalie Brodkorb in den Hintergrund.

"House of Manu": So berichtete der Nordkurier vor anderthalb Jahren über den damals neuen Führungsstil der Regierungschefin in Schwerin.

 

 

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Kommentare (2)

endlich!!! Leider noch kein vollständiger Rückzug. Das Mandat im Landtag behält er ja.

Endlich mal jemand der dem Schleimbeutel paroli bietet. Wasser predigen und Wein saufen das ist ihre Devise und schadet der Politik immer mehr.Schade um jemand der die Zügel straff hielt und nichts von Vetrnwirtschaft hält.