Schwache Wahlbeteiligung
Firmen zeigen der Demokratie die kalte Schulter

Der neue IHK-Präsident Wolfgang Blank
Der neue IHK-Präsident Wolfgang Blank
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Nur 13 Prozent der IHK-Mitglieder beteiligen sich an der Wahl ihres Parlaments. Doch das ist nur eine Baustelle für den neuen Präsidenten.

Es gibt noch schlechtere Zahlen als in Neubrandenburg, wenn es um die Demokratie in einer Industrie- und Handelskammer (IHK) geht. Bei der jüngsten Wahl zur Hamburger IHK-Vollversammlung nahmen gerade mal zehn Prozent der Mitglieder teil, in der IHK Unterer Niederrhein waren es jüngst sogar nur 5,5 Prozent. „Wir liegen hier noch über dem deutschlandweiten Durchschnitt“, sagte Wolfgang Blank, der neue Präsident der IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern. Doch auch hierzulande rafften sich gerade mal 13,6 Prozent der Unternehmer auf, die Briefwahlunterlagen ausgefüllt zurückzuschicken.

Zum Vergleich: Vor fünf Jahren lag die Wahlbeteiligung noch bei 18 Prozent. Auch Blank gestand ein, dass es sich um „keine berauschende Wahl handelte“. Sein Konzept gegen das Dilemma: „Man muss mit den Leuten reden, muss sie abholen.“ Über sein eigenes Wahlergebnis kann sich der Greifswalder freuen: 35 von 38 anwesenden Vollversammlungsmitgliedern stimmten für ihn. 1995 hat sich der gebürtige Baden-Württemberger in Greifswald angesiedelt. 13 Jahre lang führte der studierte Biologe die BioCon Valley GmbH, seit Januar 2014 agiert er als Geschäftsführer der Technologiezentrum Fördergesellschaft Vorpommern. Er tritt ein schwieriges Erbe an: Der vor einem Jahr verstorbene IHK-Präsident Manfred Ruprecht führte die IHK 14 Jahre lang. Er galt als Galionsfigur der Wirtschaft mit Kontakten in die Politik.

Keine schnelle Entscheidung bei den Beiträgen

Fachkräftesicherung, Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur, Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft, kostensparende Energieversorgung sowie die Reduzierung der Abgabenlast für Unternehmen – das sind einige der wichtigsten Vorhaben, die Blank auf seiner Präsidenten-Agenda hat. Was die Entlastung beim IHK-Beitrag betrifft, können die Mitglieder allerdings nicht auf eine schnelle Entscheidung hoffen: Die IHK verfügt über eine Liquiditätsreserve von 2,6 Millionen Euro. Ob diese dafür eingesetzt wird, die Beiträge zu senken, sei unklar, so Blank. „Das muss die neue Vollversammlung entscheiden.“