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Fischer im Konflikt mit dem Naturschutz

Unter anderem bei der Heringsfischerei werden Einschränkungen befürchtet.
Unter anderem bei der Heringsfischerei werden Einschränkungen befürchtet.
Jens Büttner

Nutzer und Schützer von Natur und Umwelt geraten immer wieder aneinander. Fischer sorgen sich um weitere Schutzmaßnahmen in ihren Fanggründen in der Ostsee.

Die Fischer in Mecklenburg-Vorpommern sehen ihren Berufszweig nach Angaben ihres Verbandspräsidenten Norbert Kahlfuß im Niedergang. Neben wirtschaftlichen Problemen und fehlendem Nachwuchs machte er Natur- und Umweltschutz dafür verantwortlich. Konflikte mit dem Natur- und Umweltschutz waren auch ein Thema der Mitgliederversammlung des Landesfischereiverbandes am Samstag in Spornitz (Landkreis Ludwigslust-Parchim).

Wie Kahlfuß sagte, befürchten die Kutter- und Küstenfischer weitere Fangeinschränkungen in Meeresschutzgebieten der Ostsee. „Die Lobby gegen die Fischerei ist ziemlich stark”, sagte der Präsident. Er setze auf die Zusage von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD), dass es keine Einschränkungen gebe, solange keine wissenschaftlichen Erkenntnisse vorliegen, die das erfordern. Allerdings werde die Fischereipolitik hauptsächlich in Brüssel gemacht, gab Kahlfuß zu bedenken. Dabei wären aus Sicht der Fischer wirtschaftliche Nutzung und Natur- und Umweltschutz häufig vereinbar.

Vergleich mit Skandinavien gezogen

Zu den Schutzgebieten in der Ostsee zählen die viel befahrene Kadetrinne, die für die Fischerei laut Kahlfuß keine große Rolle spielt, sowie Oderbank und Adlergrund. Dies seien wichtige Gebiete für die Stellnetzfischerei auf Dorsche, Plattfische und auch Heringe. Auf der Oderbank sei die Schleppnetzfischerei, die den Meeresboden beeinträchtigt, schon in der DDR verboten gewesen. Nun müssten die Fischer wegen der Seevögel auch um die Stellnetzfischerei fürchten.

Kahlfuß monierte, dass in Skandinavien mit dem Recht der Jedermannsjagd 100 000 bis 150 000 Enten pro Jahr geschossen würden. Das sei kein Vergleich mit der Anzahl der Vögel, die in Fischernetze gingen. Ähnlich sei es im Adlergrund, wo Seevögel und Schweinswale jetzt ebenfalls mit der Fischerei lebten. In der Ostsee gebe es für Fischer wenig Möglichkeiten, in andere Fanggebiete auszuweichen, machte Kahlfuß deutlich.

Konfliktstoff bieten auch nach wie vor die Kormorankolonien mit Tausenden Vögeln an der Küste. Fast die Hälfte des deutschen Kormoranbestandes lebe in Mecklenburg-Vorpommern. Bei 15 000 Brutpaaren schätzte er die Population im Land mit Jungvögeln auf 70 000 Tiere, von denen jedes bis zu 500 Gramm Fisch am Tag fresse. In den Boddengewässern sei der Bestand an Zandern durch die Kormorane gefährdet, sagte Kahlfuß.

Der Landesfischereiverband vertritt rund 50 000 Angler und Berufsfischer.

Kommentare (1)

wie hier der Fischer, Kutter und Küstenfischer seine Auflagen für Natur und Umweltschutz erfüllt dann sollten ihm doch auch seine wirtschaftlichen Existenzen gelassen und nicht beschnitten werden - dafür gibt es Qualifizierungen und Zertifizierungen - warum also nicht? - warum wird bei uns alles niedergemacht um zum Schluss für teuer Geld zu importiere???