Tote Robben

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Fischer sehen sich zu Unrecht in der Schusslinie

23 Robben sind Ende des vergangenen Jahres im Greifswalder Bodden gestorben. Sie wurden wahrscheinlich ertränkt.
23 Robben sind Ende des vergangenen Jahres im Greifswalder Bodden gestorben. Sie wurden wahrscheinlich ertränkt.
Stefan Sauer

An der Ostseeküste gibt es immer mehr Robben. Das sorgt für Zündstoff bei den Fischern. Den Verdacht, 23 Kegelrobben im Greifswalder Bodden getötet zu haben, weisen sie jedoch zurück.

Noch ist der Fall um die 23 toten Kegelrobben im Greifswalder Bodden nicht geklärt. Aber die Fischer weisen den Verdacht zurück, dass sie die Tiere getötet haben. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Fischer mutwillig Robben in Reusen locken, um sie zu töten”, sagte Michael Schütt, Vize-Chef des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer, am Mittwoch. Robben könnten auch versehentlich in einer Reuse landen. Damit sei allerdings nicht die hohe Zahl der gefundenen Kadaver zu erklären.

Schütt sprach sich für einen Managementplan aus, der den Umgang mit den Robben im Greifswalder Bodden regelt. Schließlich leben dort immer mehr dieser Tiere. Man müsse auch über eine Obergrenze reden, sagte Schütt. Die Robben hätten hier keine natürlichen Feinde. Schon seit mehreren Jahren klagen die Fischer über sinkende Fänge, zerrissene Netze und angefressene Fische. Wünschenswert wäre es für Schütt zu untersuchen, wie sich die steigende Anzahl an Robben auf andere Tierarten auswirkt.

Der Umweltverband WWF hat bereits ein Eckpunkte-Papier für einen solchen Managementplan erarbeitet, wie der Leiter des WWF-Ostseebüros, Jochen Lamp, sagte. Zunächst sei eine verlässliche Datengrundlage zur Bestandssituation, den Auswirkungen auf den Lebensraum und den mutmaßlichen Schäden erforderlich. Eine Obergrenze sei für ihn nicht vorstellbar, sagte Lamp. Ziel sei zunächst eine gesunde und stabile Robbenpopulation.

23 tote Kegelrobben entdeckt

Zwischen September und Dezember 2017 waren 23 tote Kegelrobben an der Nordküste des Greifswalder Boddens entdeckt worden. Experten des Deutschen Meeresmuseums hatten die äußerlich unversehrten Tiere untersucht und konnten ausschließen, dass die Tiere an Viren, Bakterien oder Giften starben. Sie gehen von akutem Herz- und Kreislaufstillstand durch Ertrinken aus. Ein solcher Tod sei in nach oben geschlossenen Reusen möglich. Das Meeresmuseum erstattete Anzeige wegen der Tötung einer besonders geschützten Art.

Die Staatsanwaltschaft Stralsund ermittelt wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz und Bundesnaturschutzgesetz, wie Behördensprecher Martin Cloppenburg sagte. Man gehe Hinweisen nach, dass die Tiere eines nichtnatürlichen Todes starben. Nach Angaben von Cloppenburg gibt es „Tatverdächtige im Sinne eines Anfangsverdachtes”.

Dieser Artikel wurde am Mittwoch, 17. Januar, aktualisiert.