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Flüchtlinge im Nordosten fordern harte Strafen für Übergriffe

Mehdi Amiri, Mohamad Jamal Ahmad, Salim Koro und Jamshid Yaqubi (v.l.) empfinden die Vorfälle als beschämend.
Mehdi Amiri, Mohamad Jamal Ahmad, Salim Koro und Jamshid Yaqubi (v.l.) empfinden die Vorfälle als beschämend.
Melanie Zimmermann

Konsequente Bestrafung für die sexuellen Übergriffe Hunderter Männer auf Frauen in Köln und Hamburg fordert nicht nur die Politik, das fordern auch diese Flüchtlinge in Neubrandenburg.

„Es tat mir in meinem Herzen weh, diese Bilder zu sehen.“ Mehdi Amiri ist der erste der vier Flüchtlinge, der seine Gedanken in Worte fasst.  Aufgebracht erzählt er, wie er sich gefühlt hat, als er von den Übergriffen aus den Nachrichten erfuhr. Gemeinsam mit dem Afghanen Jamshid Jaqubi und den beiden Syrern Salim Koro und Mohamad Jamal Ahmad lebt er in einer Flüchtlingsunterkunft im Stadtgebiet. Vor 15 Jahren floh er aus Irans Hauptstadt Teheran nach Deutschland.

Seine Tochter wurde hier geboren und lebt mit ihrer Mutter in Hamburg. Sofort nach Bekanntwerden der Vorfälle habe er sie angerufen, gefragt, ob alles in Ordnung sei. „Menschen, die so etwas tun, haben keine Kultur“, schimpft er. Diese Männer gehörten abgeschoben, sofort. Auch im Iran gäbe es für die Belästigung von Frauen harte Strafen. Ob es jedoch überhaupt zu einer Verurteilung käme, sei fraglich. „Männer, die so etwas machen, wären tot noch bevor die Polizei eintrifft“, so Amiri.

„Das sind keine Flüchtlinge, das sind Kriminelle!“

Der Unterschied zu Deutschland sei, das Frauen dort spätabends oder nachts nicht vor die Tür gehen. „Das ist viel zu gefährlich.“ Er schäme sich für das, was passiert ist. Es sei ihm unangenehm, wenn er Deutsche auf der Straße treffe und sie in seinem Gesicht sehen könnten, dass er Ausländer sei. Für einen Zufall hält er die Geschehnisse während der Silvesternacht nicht.

Jetzt traut sich auch Jamshid Yaqubi. „Das sind keine Flüchtlinge, das sind Kriminelle!“, ruft er. Menschen, die wegen des Krieges ihre Heimat verlassen müssen, würden so etwas Schreckliches nicht tun. Der Afghane ist sich sicher, dass diese Männer bereits in ihren Herkunftsländern mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind und hier nun damit weiter machen. „Es gibt Gesetze, die müssen respektiert werden, egal in welchem Land man lebt.“ Nur weil Deutschland ein freies Land sei, könne man sich nicht benehmen wie man wolle. Dieses Auftreten habe das Image von Ausländern schwer beschädigt. „Die Deutschen werden ihre Meinung über Asylbewerber ändern, vermutlich wird sie negativ ausfallen“, sagt Yaqubi betrübt. Seit den Ereignissen seien auch er und seine Frau vorsichtiger geworden, wenn sie abends im Dunkeln auf die Straße gehen.

Auch die beiden Syrer Salim Koro und Mohamad Jamal Ahmad versuchen, ihre Gedanken in Worte zu fassen. Beide kamen erst vor fünf Monaten her. „Ich möchte mich für dieses Verhalten im Namen der Syrer bei den Deutschen entschuldigen“, sagt Salim einer Dolmetscherin. Noch spricht er kein Deutsch. Mohamad ergänzt erneut, dass so ein Verhalten hart bestraft werden müsse. Alle nicken heftig.

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