Um die Frühchen-Station am Neubrandenburger Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums ist ein politischer Streit entbrannt.
Um die Frühchen-Station am Neubrandenburger Dietrich-Bonhoeffer-Klinikums ist ein politischer Streit entbrannt. Bernd Wüstneck
Medizinische Versorgung

Neubrandenburger Frühchen-Station vor dem Aus – die Suche nach dem Schuldigen

Die drohende Teilschließung der Frühchen-Station in Neubrandenburg hat zu einer kontroversen politischen Diskussion geführt. Die Ministerin geht dabei in die Offensive.
Schwerin

Eigentlich wollte Stefanie Drese am Montag und Dienstag bei der Reise der Landesregierung nach Brüssel dabei sein – doch der akute Existenzkampf von Kliniken in Mecklenburg-Vorpommern ließ die SPD-Politikerin in den heimischen Krisenmodus schalten. Drese musste sich in einer Sondersitzung des zuständigen Sozialausschusses bewähren: Die drohenden Schließungen der Kinderstation in Parchim und der Station der „Extrem-Frühchen” am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg aus Personalmangel beziehungsweise zu geringer Fallzahlen hatten der Opposition jede Menge politische Munition geliefert.

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Bereits im April sei das Ministerium über die Lage in Neubrandenburg informiert worden. Erst im August sei die Bitte um eine weitere Ausnahmegenehmigung an die Krankenkassen weitergeleitet worden. „Der entstandene Zeitdruck ist demnach ein stückweit hausgemacht”, kritisierte die CDU-Abgeordnete Katy Hoffmeister in Richtung Drese.

Kritik an der AOK

Hoffmeister äußerte die Befürchtung, dass es in der Kinder- und Jugendmedizin des Landes zu weiteren Schließungen kommen könnte. „Ich bin nicht bereit, mich damit abzufinden. Manuela Schwesig muss das Thema dringend zur Chefsache machen”, forderte die Ex-Justizministerin. Die Ministerpräsidentin dürfe sich nicht nur die schönen Themen herauspicken, sie solle sich auch um die schwierigen Aufgaben kümmern.

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Einmal unter Druck, suchte sich Drese selbst einen Schuldigen – und fand die Krankenkassen. Die Gesundheitsministerin kritisierte die AOK Nordost, die sich Gesprächen über eine weitere Ausnahmeregelung für die Frühchen-Station in Neubrandenburg verweigere. „Wir haben extra eine Kommission eingerichtet, um über Krankenhausstrukturen zu beraten. Von vornherein Modelle abzulehnen, bringt uns nicht weiter”, sagte Drese.

Schließungen sollen vermieden werden

Der Neubrandenburger Landtagsabgeordnete Torsten Koplin (Linke) sprang dem Koalitionspartner zur Seite. Die aktuellen Probleme an den Kliniken zeigten grundsätzliche Missstände innerhalb des Gesundheitssystems. So arbeite das Perinatalzentrum Neubrandenburg seit Jahren mit einer Ausnahmegenehmigung für die ganz kleinen Frühchen. Zudem basiere die Finanzierung kinder- und jugendmedizinischer Angebote auf „unsäglichen Fallpauschalen”, betonte Koplin.

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Das wiederum relativierte Harald Terpe von den Grünen. Er bezeichnete die Kinder- und Jugendmedizin und die Geburtshilfe in Mecklenburg-Vorpommern als „Notfall-Patienten”. Dieser Befund sei der Landesregierung seit Längerem bekannt. Obwohl die Zuspitzung des Konflikts absehbar war, habe sie in den vergangenen Monaten eine Gemächlichkeit an den Tag gelegt, die der Dringlichkeit der Lage nicht angemessen gewesen sei, so Terpe.

Am Ende der Sondersitzung waren sich die Politiker – trotz aller inhaltlicher Differenzen – in einem Punkt einig: Im Gespräch mit Krankenkassen und Klinikbetreibern solle nach Wegen gesucht werden, Schließungen zu vermeiden. Immerhin ein kleiner gemeinsamer Nenner.

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