In Mecklenburg-Vorpommern sind fünf neue Wolfsrudel bestätigt worden, darunter auch eines in der Feldberger Seenland
In Mecklenburg-Vorpommern sind fünf neue Wolfsrudel bestätigt worden, darunter auch eines in der Feldberger Seenlandschaft. Uwe Zucchi
Diese aktuelle Übersichtskarte der Rudel, Paare und Einzelwölfe hat das Ministerium herausgegeben.
Diese aktuelle Übersichtskarte der Rudel, Paare und Einzelwölfe hat das Ministerium herausgegeben. Agrarministerium MV
MV-Agrarminister Till Backhaus freut sich, dass sich „dieses beeindruckende Tier weiter in unseren Naturlandschaften eta
MV-Agrarminister Till Backhaus freut sich, dass sich „dieses beeindruckende Tier weiter in unseren Naturlandschaften etabliert”. Jens Büttner
Agrarministerium

Fünf neue Wolfsrudel in MV nachgewiesen

Das Agrarministerium hat eine Übersicht über Rudel und Einzeltiere herausgegeben. Minister Backhaus beeilte sich zu versichern, dass er auch die Problem der Landwirte im Blick habe
Schwerin

In Mecklenburg-Vorpommern haben sich in den zurückliegenden Monaten fünf neue Wolfsrudel angesiedelt. Daten von Jägern, Landwirten und Wolfsbetreuern sowie das landesweite Wolfsmonitoring hätten dafür die Bestätigung erbracht, teilte das Schweriner Landwirtschaftsministerium am Mittwoch mit. Die Territorien der Rudel befinden sich nach Angaben des Ministeriums in den Bereichen Feldberger Hütte (Kreis Mecklenburgische Seenplatte), bei Greifswald, im Stadtwald Barth (Kreis Vorpommern-Rügen) sowie bei Vellahn und Parchim im Westen des Landes.

Sichtungen bei Feldberg laut Ministerium unbestätigt

Meldungen von Nahbegegnungen mit Wölfen im Raum Feldberger Seenlandschaft hätten trotz eines verstärkten Monitorings bisher aber nicht bestätigt werden können, hieß es weiter. Mögliche Wolfssichtungen in der Region werden weiterhin unter anderem durch Fotofallen überprüft. Auf diesem Wege habe bereits mehrmals ein Husky-Mischling anstelle eines Wolfes für vermeintliche Wolfssichtungen und Nahbegegnungen verantwortlich gemacht werden können.

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Darüber hinaus gebe es möglicherweise Vorkommen neuer Rudel in der Leppiner Heide bei Mirow, in der Schwinzer Heide (beides Seenplatte) und im Raum Franzburg (Vorpommern-Rügen), die aber noch nicht ausreichend bestätigt seien. In der Leppiner Heide sei beispielsweise vor rund einem Jahr regelmäßig ein Wolfsrüde nachgewiesen worden, der wahrscheinlich nicht aus dem benachbarten Rudel „Müritz“ stamme. Erste genetische Analysen würden diese Vermutung zulassen.

Elf Rudel aus dem Vorjahr bestätigt

Der Nachweis eines Welpen im Sommer 2021 lässt nach Angaben von Ministeriumssprecherin Eva Klaußner-Ziebarth zudem den Schluss zu, dass es sich bei den beiden Tieren um Mitglieder eines neu entstandenen Rudels handele. „Belastbare Belege hierfür und für weitere vermutete Vorkommen sollen in den nächsten Monaten durch ein intensiviertes Fotofallen- und genetisches Monitoring erbracht werden”, teilte die Sprecherin mit.

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Elf bereits aus dem vorangegangenen Monitoringjahr bekannte Rudel hätten zum Stand März 2022 in ihrem Vorkommen bestätigt werden können, hieß es. Für weitere Vorkommen in Kaliß, Kaarzer Holz, Sternberg, Kirch Rosin und Eichhorst sei das Monitoring noch nicht abgeschlossen. Auf Basis der aktuellen Datenlage sei eine gesicherte Einstufung als Rudel dort noch nicht möglich, hieß es. Das Beobachtungsjahr 2021/22 endet in wenigen Tagen, am 30. April.

Backhaus insgesamt froh über Entwicklung

Insgesamt gebe es damit nach aktuellem Stand 16 bestätigte Wolfsrudel in Mecklenburg-Vorpommern. Zudem hätten zwei Wolfspaare sowie drei sogenannte residente Einzelwölfe in Mecklenburg-Vorpommern bestätigt werden können. Zum Abschluss des vorhergehenden Monitoringjahres habe es 15 bestätigte Rudel, sechs Paare und drei residente Einzelwölfe gegeben.

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Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) wertete die Entwicklung als Beweis, dass sich der Wolf in den Naturlandschaften Mecklenburg-Vorpommerns heimisch fühle. „Zum einen freut es mich, dass sich die Wolfspopulationen im Land stabil entwickeln und sich dieses beeindruckende Tier weiter in unseren Naturlandschaften etabliert. Für den Artenschutz ist das ein großer Gewinn.

„Landwirte werden nicht allein gelassen”

Die Landwirte würden mit diesem Thema aber nicht allein gelassen, versicherte er. „Gleichwohl bereitet der Wolf Tierhalterinnen und Haltern natürlich Sorgen und dafür habe ich vollstes Verständnis. Um ein Instrument zur Regulierung und eine rechtssichere Handhabung für auffällige Wölfe zu haben, hat die Umweltministerkonferenz deshalb im vergangenen Herbst auf unsere Initiative hin einen Praxisleitfaden zur Erteilung artenschutzrechtlicher Ausnahmen beim Wolf nach Bundesnaturschutzgesetz beschlossen. Das Papier regelt transparent und bundesweit einheitlich, wie im Falle eines Nutztierrisses vorzugehen ist.“

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Wolfssichtungen, wenn möglich mit Foto- oder Videodokumentation, könnten an Norman Stier vom landesweiten Monitoring unter der E-Mailadresse [email protected] oder telefonisch unter der Nummer 0171 485 97 89 gemeldet werden.

Verweis auf Info- und Beratungstelefon

Vorfälle mit der Beteiligung von Wölfen, zum Beispiel Schadensfälle in Nutztierherden oder Nahbegegnungen, würden sieben Tage die Woche durch die zentrale Koordination Wolf M-V unter der Telefonnummer 0170-765 88 87 aufgenommen und bearbeitet. Termine zu den Themen Herdenschutz- und Präventionsberatung könnten ebenfalls unter der Nummer 0170-765 88 87 abgestimmt werden, hieß es vom Ministerium. Die aktuellen Vorkommen soll in Kürze auch auf der Monitoring-Karte auf der Webseite www.wolf-mv.de zu sehen sein, dort seien auch weitere Informationen zum Thema Wolf in Mecklenburg-Vorpommern und Deutschland zu finden.

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