Schokolade und Blumen dürften zu den Klassikern unter den Geschenken am Muttertag gehören.
Schokolade und Blumen dürften zu den Klassikern unter den Geschenken am Muttertag gehören. Sebastian Gollnow
Zum Muttertag

Fußmatte zum Selbstgestalten statt des Mutterkreuzes

Nordkurier-Kolumnist Thomas Beigang mag den Muttertag nicht. Eine Empfehlung für ein Geschenk hat er dennoch. Wenn auch eine etwas makabere.
Neubrandenburg

Meine Mutter liest schon seit einigen Monaten keine Zeitung mehr, deshalb kann ich das hier schreiben: Ich mag den Muttertag nicht, gar nicht. Aber ich bin auch ein Opportunist, ich gehe jedes Jahr an diesem Tag mit einem kleinen Sträußchen Blumen bei ihr vorbei und gratuliere. Halbherzig, aber das merkt sie nicht.

Ideologische Vorbehalte gegen Muttertag

Hauptsache doch, sie freut sich, meine ideologischen Vorbehalte gegen den Muttertag behalte ich dann regelmäßig eine halbe Stunde lang für mich. Höre mir stattdessen Geschichten von früher an und wer von meinen samt und sonders auswärts lebenden Geschwistern schon angerufen und gratuliert hat und wer eben noch nicht. Das kann schon eine Weile dauern, denn derer sind es einige.

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In den deutschen fürchterlichen finsteren Zeiten bei den Nazis wäre meiner Mutter von einem der braunen Parteibürokraten das Mutterkreuz in Silber verliehen worden, weil sie Führer, Volk und Vaterland so viele künftige Soldaten und Mütter geschenkt hat. Immerhin, ein sehr früher Akt der Nazis war es, den einige Jahre zuvor aus den USA importierten Muttertag schon 1933 zu einem offiziellen Feiertag zu küren. Das Kalkül war klar: Die Frau als Mutter zu ehren, die gesunde deutsche Nachfahren gebärt. Nur darin bestand das Ziel, die Fixierung auf ihre eigentliche Aufgabe. Alles andere war unwichtig.

Ich mag diesen heute so kommerzträchtigen Tag nicht, ich wiederhole mich. Und da kommt mir gelegen, wie der Muttertag in Deutschland Einzug hielt. Nämlich 1923 auf Initiative des „Verbandes Deutscher Blumengeschäftsinhaber”, haha, alles klar? Und weil ich manchmal gemein bin, habe ich neugierig unter dem Stichwort „Geschenke zum Muttertag” nachgeschlagen. Mein Favorit unter den Angeboten ist eine Fußmatte zum Selbstgestalten ab 24,95 Euro. Vielleicht noch mit einem Bild der Mutter und dann trampeln alle drauf rum. Ich besorge jetzt noch ein paar Blümchen für meine Mutter. Sie soll sich morgen darüber freuen und nur das zählt für den Moment. Alles andere ist unwichtig.

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