Wohnen in Deutschland

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Ganzes Dorf in MV so teuer wie Münchener Wohnung?

Ein Haus im vorpommerschen Japenzin gibt es beispielsweise für 75.000 Euro. Ein vergleichbar große Eigentumswohnung in München-Schwabing kostet das 24-fache.
Ein Haus im vorpommerschen Japenzin gibt es beispielsweise für 75.000 Euro. Eine vergleichbar große Eigentumswohnung in München-Schwabing kostet das 24-fache.
Gabriel Kords

Wird Wohnraum in MV verramscht, in anderen Teilen Deutschlands teuer verkauft? Das legt ein Extra3-Beitrag nahe. Sicher, es ist ein Satire-Magazin, doch das ist kein Witz.

Klar, was die NDR-Sendung Extra3 veröffentlicht, darf man in der Regel nicht als ernsthafte Nachricht verstehen. Es handelt sich schließlich um ein Satire-Magazin. Aber mit einem Beitrag über Wohnpreise bei Facebook hat es tatsächlich ein sehr reales Thema aufgeworfen. Wie weit klafft die Preisschere bei Wohnraum in Deutschland auseinander?

Ziemlich weit. „Für den Preis einer 100-Quadratmeter-Wohnung in München-Schwabing bekommt man in Mecklenburg ein ganzes Dorf. Mit Gärten, Straßen, Möbeln und dem Recht der ersten Nacht”, schrieb das Satire-Magazin bei Facebook – und liegt damit richtig.

Ganze Siedlung ab 125.000 Euro

Ein ganzes Dorf zum Verkauf haben wir per Google-Suche in Mecklenburg-Vorpommern zwar nicht gefunden. Nur die brandenburgische Siedlung Alwine mit rund 15 Einwohnern. Die wurde bei einer Auktion mit einem Startpreis von 125.000 Euro angeboten. Der endgültige Kaufpreis wurde nicht verraten.

Aber beispielsweise in Tützpatz (Mecklenburgische Seenplatte) bekommt man ein Haus mit 93 Quadratmetern Wohnfläche laut einem aktuellen Immobilienscout24-Inserat bereits für 45.000 Euro.

In Schwabing bezahlt man bei dem Immobilienportal – je nach Lage – für eine 92-Quadratmeter-Wohnung bereits 710.000 Euro. Es gibt dort aber auch Schwabinger Eigentumswohnungen, die 1,8 Millionen Euro kosten (113 Quadratmeter). Für letztere bekommt man 14,4 Mal die komplette Siedlung Alwine. Oder alle fünf Häuser, die bei Immobilienscout24 derzeit in Tützpatz verkauft werden – und man hätte noch mehr als 1,4 Millionen Euro zum Verjubeln übrig. Das Recht der ersten Nacht kann man sich damit zwar nicht erkaufen, aber Kapital für sehr viele Verabredungen bliebe durchaus übrig.

Saubere Luft gibt es gratis dazu

Wer die 1,4 Millionen Euro aber nicht in Dates investieren will, könnte sie zum Beispiel in eine exklusive Eigentumswohnung im Seebad Warnemünde, direkt an der Strandpromenade, investieren. Die kostet 1,395 Millionen Euro und ist 158 Quadratmeter groß. Rechnen wir nach: 14,4 Mal die Siedlung Alwine oder eine Strand-Wohnung an der schönen Ostsee inklusive fünf Häusern in Tützpatz – oder eine einzige Wohnung in München. Dass alles gibt es für denselben Preis. Oder 24 Mal ein Haus im vorpommerschen Japenzin. Zwei stehen im Immobilienportal derzeit zum Verkauf, jeweils für 75.000 Euro für 102 Quadratmeter.

Gut, München ist eine Großstadt, da lebt man eben teurer. Dafür ist die Luft dort regelmäßig stark mit Stickstoffdioxid belastet, während Mecklenburg-Vorpommern meist unter dem NO2-Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter liegt. Freie Fahrt für Diesel-Fahrzeuge beziehungsweise saubere Luft gibt es in Mecklenburg-Vorpommern also gratis dazu.

Mietpreise im Nordosten im Schnitt günstiger

Die Mietpreise und die Wohnungsnot in den Ballungsräumen in Deutschland sind immer wieder ein Aufregerthema. Stets ganz vorn steht seit Jahren München. Vergangenes Jahr teilte das Bundesinstitut für Bauforschung mit, die Neuvertragsmieten für Wohnungen seien deutschlandweit im ersten Halbjahr 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,4 Prozent gestiegen (netto kalt). München wurde erneut als Spitzenreiter ausgemacht. Demnach wurden dort Wohnungen durchschnittlich für 16,40 Euro pro Quadratmeter angeboten.

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur bewerteten 48 Prozent der Befragten die durchschnittlichen Mietpreise als zu hoch. Und mehr als jeder Dritte der 2044 Befragten urteilte Ende 2017 sogar, die Mieten seien „viel zu teuer”. Vor allem in Bayern, Baden-Württemberg, Berlin und Hamburg sind die Mieten dem Bundesinstitut für Bauforschung teuer. Unter 7 bis 8 Euro je Quadaratmeter ist dort im Durchschnitt wenig zu finden. Dieser Schnitt liegt im südlichen Teil Mecklenburg-Vorpommerns und der Uckermark bei 5 bis 5,50 Euro, im nördlichen MV-Teil bei 6 bis 7 Euro.

Kommentare (2)

Die Satire eigenmächtig fortsetzend: Gibt es in Tützpatz schon Licht aus der Zimmerdecke und fliessend Wasser aus der Wand?

Eine Wohnung in München würde man 1000 mal verkauft kriegen, wenn das ginge. Die Nachfrage ist riesig. Doch das Angebot winzig. Dörfer auf dem Lande gibt es tausendfach. Nur will kaum noch einer dort hin. Das Angebot ist riesig. Doch die Nachfrage klein. Es ist alles ganz logisch. Und dennoch ist es verrückt.