FEUER IN NOTRE-DAME

"Genaue Ursache wird vielleicht nie gefunden"

Warum das Feuer in der Kathedrale Notre-Dame in Paris ausbrach, steht noch nicht fest. Ein Spezialist aus Schwerin kennt die Tücken von historischen Bauwerken.
Simon Voigt Simon Voigt
Der Dachstuhl von historischen Gebäuden wie der Kathedrale Notre-Dame in Paris ist aus Holz gebaut. Bei Sanierungsarbeiten gibt es daher besonders hohe Auflagen beim Brandschutz.
Der Dachstuhl von historischen Gebäuden wie der Kathedrale Notre-Dame in Paris ist aus Holz gebaut. Bei Sanierungsarbeiten gibt es daher besonders hohe Auflagen beim Brandschutz. Julien Mattia
Schwerin.

Der Direktor der Kathedrale Notre-Dame in Paris sieht nach dem großen Feuer keine Sicherheitsmängel beim Brandschutz. Das sagte Patrick Chauvet dem Sender France Inter. So hätten Brandaufseher dreimal täglich den Dachstuhl geprüft. „Ich denke, dass man nicht mehr machen kann.“ Aber es gebe natürlich immer Vorfälle, die man so nicht habe vorhersagen könne. Man müsse nun prüfen was passiert sei.

Der gebürtige Schweriner Dirk Graumann ist vom Fach und beobachtet die Nachrichten nach der Feuerkatastrophe sehr genau. Am Ende seiner Ausbildung zum Korpusgürtler beim VEB Denkmalpflege Schwerin war er 1988 an der Sanierung des Schweriner Schlosses beteiligt. Sein Gesellenstück war ein Teil der Wetterfahne auf dem 75 Meter hohen Hauptturm des Schlosses.

Wie wurde die Wetterfahne damals befestigt?

Die Fahne hängt an einer etwa einen Meter langen Helmstange auf der Turmlaterne. So wird der obere Aufsatz des Haupturmes bezeichnet. Der Dachstuhl ist aus Eichenholz und mit Kupferblech verkleidet. Wir haben die Bleche damals mit der Gasflamme und massiven Lötkolben verlötet. Bei Holz erwischen sie immer das Risiko, dass es brennt.

Wie gehen Bauleute mit dieser Gefahr um?

Jeden Tag haben wir drei Stunden vor Feierabend die Arbeit abgebrochen und mussten danach noch Brandwache halten. Das ist der normale Ablauf auf solchen Baustellen. Beim Löten werden die Flächen heiß, unter dem Blech kann immer ein kleiner Schwelbrand entstehen. Wir saßen also da oben und haben aufgepasst. Zwischendurch haben wir auch mal Karten gespielt. Als Lehrling lernen Sie da oben übrigens auch, dass so ein Turm ganz schön wackelt. Das muss er auch, damit er dem Wind standhält.

Und nach drei Stunden ist die Gefahr vorüber?

Bei dem Wind in der Höhe kann man das Feuer kaum riechen oder sehen. Es kann lange unbemerkt glimmen, bevor es richtig losgeht. Glutnester können auch nach fünf Stunden oder länger eskalieren. Ein Restrisiko bleibt immer.

Welche Gefahrenquellen gibt es noch bei historischen Gebäuden wie der Notre-Dame?

Feuer kann auch durch Kurzschlüsse ausbrechen. Daher wird auf solchen alten Dachstühlen aus Holz versucht, auf Elektrik zu verzichten. Natürlich herrscht absolutes Rauchverbot. Die Notre-Dame verfügt nicht einmal über eine Sprinkleranlage, weil das in dem Gebäude nicht möglich ist.

Die Handwerker dort tun mir leid. Sie werden jetzt wohl immer mit dem Gedanken leben müssen, etwas zu dem Unglück beigetragen zu haben. Auch wenn die genaue Ursache vielleicht nie rauskommt, müssen sie als Schuldige herhalten.

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