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Ex-KZ-Sanitäter: Gericht schließt Nebenkläger aus

Dem 96 Jahre alten Ex-Landarbeiter aus der Nähe von Neubrandenburg wird Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vorgeworfen.
Dem 96 Jahre alten Ex-Landarbeiter aus der Nähe von Neubrandenburg wird Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vorgeworfen.
Bernd Wüstneck

Im Prozess gegen den einstigen KZ-Sanitäter Hubert Z. droht ein neuer Streit. Zwei der drei Nebenkläger wurden am Dienstag wieder von dem Verfahren ausgeschlossen.

Im Neubrandenburger Prozess gegen Hubert Z., einen ehemaligen SS-Sanitäter aus dem Konzentrationslager Auschwitz, droht neuer Streit. Das Landgericht Neubrandenburg hat zwei der drei Nebenkläger von dem Verfahren wieder ausgeschlossen. Das teilte Gerichtssprecher Carl-Christian Deutsch am Dienstag mit. Grund sei, dass die Mutter der Mandanten, die die Anwälte vertreten, nicht in dem Zeitraum in das KZ Auschwitz deportiert wurde, um den es in dem Prozess geht. Das Landgericht hatte die Nebenkläger schon zu Beginn nicht zulassen wollen, das ordnete später das Oberlandesgericht (OLG) an.

Im Neubrandenburger Prozess gegen einen ehemaligen SS-Sanitäter aus dem Konzentrationslager Auschwitz droht neuer Streit. Das Landgericht Neubrandenburg hat zwei der drei Nebenkläger von dem Verfahren wieder ausgeschlossen. Das teilte Gerichtssprecher Carl-Christian Deutsch am Dienstag mit. Grund sei, dass die Mutter der Mandanten, die die Anwälte vertreten, nicht in dem Zeitraum in das KZ Auschwitz deportiert wurde, um den es in dem Prozess geht. Das Landgericht hatte die Nebenkläger schon zu Beginn nicht zulassen wollen, das ordnete aber das Oberlandesgericht an.

Man müsse Recht und Gesetz befolgen

Dem 96 Jahre alten ehemaligen Landarbeiter aus der Nähe von Neubrandenburg wird Beihilfe zum Mord in mindestens 3681 Fällen vorgeworfen. Er war laut Anklage im Sommer 1944 einen Monat als KZ-Sanitäter in Auschwitz tätig. Nach Angaben seiner Verteidigung war er aber nicht in dem Teil tätig, in dem Menschen vergast wurden. In der Zeit sollen dort 14 Züge mit deportierten Häftlingen angekommen sein, von denen 3681 Menschen in Gaskammern getötet wurden.

Die Mutter der betroffenen Nebenkläger sei aber nicht mit einem dieser 14 Züge, sondern mit einem Deportationszug vor dem 15.08.1944 in Auschwitz angekommen, erklärte Deutsch. Damit könne die Ermordung der Mutter der Nebenkläger nicht „Teil der prozessualen Tat sein, die in der Anklage beschrieben ist.“ Man müsse Recht und Gesetz befolgen, erläuterte der Gerichtssprecher, auch im Hinblick auf die Kosten. So kämen im Fall einer Verurteilung die Kosten für Nebenkläger auf den Verurteilten oder seine Angehörigen zu.

Nebenklage will Beschwerde einlegen

Die Vertretung der Nebenklage wollte noch am Dienstag Beschwerde gegen die Entscheidung des Landgericht Neubrandenburg beim OLG Rostock einlegen. Auch eine Strafanzeige wegen Rechtsbeugung gegen die Mitglieder der Strafkammer soll geprüft werden. „Die Art und Weise, wie die Strafkammer mit unseren Mandanten umgeht, ist geprägt von einzigartiger Rücksichtslosigkeit und Respektlosigkeit gegenüber den hochbetagten Mandanten”, teilte der Rechtsanwalt Thomas Walther mit.

Das Verfahren wurde schon mehrfach abgebrochen. Ursprünglich wollte das Landgericht den Prozess wegen des Gesundheitszustandes des betagten Angeklagten gar nicht eröffnen. Das ordnete auf Beschwerde der Staatsanwaltschaft aber das Oberlandesgericht in Rostock an. Dann wurde der Prozess Anfang 2016 begonnen, aber wegen gesundheitlicher Probleme des 96-Jährigen wieder ausgesetzt. Im Herbst 2016 wurde der Prozess kurz nach Beginn wieder abgebrochen. Derzeit laufen wieder zwei Gutachten zur Verhandlungsfähigkeit des 96-jährigen Mannes. Wann der Prozess wieder beginnt, ist unklar.

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