AWO-AFFÄRE

Gericht verschärft Anklage gegen Ex-Awo-Manager

Der Strafprozess wegen des Vorwurfs der schweren Untreue gegen Ex-Awo-Chef Peter Olijnyk hat noch gar nicht begonnen, da sorgt das Landgericht Schwerin für einen Paukenschlag.
Rote Karte für Ex-Awo-Manager? Langjährige Führungskräfte der Arbeiterwohlfahrt müssen sich wegen Unt
Rote Karte für Ex-Awo-Manager? Langjährige Führungskräfte der Arbeiterwohlfahrt müssen sich wegen Untreue-Vorwürfen vor dem Landgericht Schwerin verantworten. Marek Majewsky
Schwerin.

Dramatische Entwicklung in der Awo-Affäre: Nachdem die Staatsanwaltschaft Schwerin Anfang Februar nach knapp vierjährigen Ermittlungen gegen den ehemaligen Geschäftsführer der Awo Müritz, Peter Olijnyk, wegen des Vorwurfs der schweren Untreue Anklage erhoben hatte, hat jetzt das zuständige Landgericht Schwerin in zwei Punkten die Anklageschrift verändert. Einer davon hat extreme strafrechtliche Relevanz: Nach Recherchen des Nordkurier gibt es einen Mittäter!

Götz-Peter-Lohmann: Vom „Gehilfen zum Mittäter”

Und der ist in der SPD und der Awo ein alter Bekannter: Götz-Peter Lohmann. Den hatte die Staatsanwaltschaft im Februar „lediglich“ wegen Beihilfe zur Untreue angeklagt. Das Landgericht aber stufte Lohmann vom „Gehilfen zum Mittäter“ hoch. „Es gibt zwischen Olijnyk und Lohmann ein gemeinschaftliches Handeln. Herr Lohmann ist auch Täter“, sagte ein Sprecher des Landgerichts gegenüber dem Nordkurier.

SPD und Awo versorgen sich mit gut dotierten Posten

Olijnyk und sein langjähriger Kompagnon Lohmann – letzterer war als früherer Awo-Kreisvorsitzender, Vize-Awo-Landeschef in MV, Ex-SPD-Bürgermeister in Waren/Müritz und ehemaliger SPD-Bundestagsabgeordnete bestens im Filz zwischen Partei und Wohlfahrt vernetzt – sollen sich ohne Wissen des Awo-Vorstandes über viele Jahre lukrative Verträge zugeschanzt haben. Der heute 71-jährige Olijnyk hatte gegen Ende seiner 22-jährigen Geschäftsführertätigkeit bei der Awo Müritz ein Jahresgehalt von 150 000 Euro plus 30 000 Euro Tantiemen plus eine lebenslange Betriebsrente in Höhe von 2000 Euro kassiert. Lohmann (78) stand in einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Awo Müritz, bei der ansonsten Reinigungskräfte angestellt waren, als Diplom-Psychologe auf der Gehaltsliste – und kassierte über einen Zeitraum von fast zehn Jahren 5200 Euro monatlich. Ohne jede Arbeitsnachweise. Böse Zungen behaupten, er habe das Geld fürs Nichtstun erhalten. Lohmann soll einen Vermögensschaden in Höhe von 675 000 Euro verursacht haben.

Wie das Zusammenspiel zwischen SPD und Awo funktioniert, hatte Olijnyk vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss (PUA) zur Aufklärung der Awo-Affäre offenbart: „Lohmann haben wir nach dem Verlust seines SPD-Bundestagsmandats im Jahr 2005 bei uns untergebracht“, verriet der Ex-Awo-Geschäftsführer vor den verblüfften Politikern das Versorgungsprinzip.

Millionenschaden durch hochrangige Ex-Awo-Manager

Der von der Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift berechnete Vermögensschaden, den Olijnyk angerichtet haben soll, beläuft sich auf 1,2 Millionen Euro. Diese Summe hat das Landgericht in seinem Eröffnungsbeschluss leicht korrigiert – ein wenig zu Gunsten von Olijnyk, wie der Sprecher des Landgerichts mitteilte. Sollten die Awo-Funktionäre verurteilt werden, könnten ihnen langjährige Haftstrafen drohen. Lohmann hatte seine Awo-Posten 2015 und 2016 verloren, Olijnyk war im Juni 2016 fristlos entlassen worden.

Ministerpräsidentin Schwesig im Zeugenstand des Untersuchungsausschusses

Nach Auskunft des Landgerichts werde der Prozess gegen Olijnyk und Lohmann allerdings nicht mehr in diesem Jahr beginnen. Start des mit Spannung erwarteten Verfahrens könnte im ersten Halbjahr 2021 sein – das heißt, dass der Prozess in den Landtagswahlkampf 2021 hinein laufen könne. Wie politisch aufgeladen die Awo-Affäre ist, wird auch am kommenden Montag zu sehen sein. Dann müssen die drei ehemaligen SPD-Sozialministerinnen Manuela Schwesig, Birgit Hesse und Stefanie Drese im Zeugenstand des PUA im Landtag Platz nehmen.

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