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Gericht verurteilt Lkw-Fahrer im Sandsturm-Prozess zu Geldstrafe

Der Unfall auf der A19 bei Kavelstorf war eine der schlimmsten Massenkarambolagen in Deutschland.
Der Unfall auf der A19 bei Kavelstorf war eine der schlimmsten Massenkarambolagen in Deutschland.
Bernd Wüstneck

Gut viereinhalb Jahre nach der tödlichen Massenkarambolage hat das Amtsgericht Rostock einen Lastwagenfahrer wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Er hatte die Vorwürfe bestritten, doch Gutachter sahen es anders.

Im Prozess um den tödlichen Massenunfall im Sandsturm bei Rostock im April 2011 ist ein 53-jähriger Lkw-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 3600 Euro verurteilt worden. Der Richter sah es als erwiesen an, dass der Lastwagenfahrer den Tod eines Autofahrers mitverursacht hat. Er sei auf der A 19 zu schnell in die Sandwolke hineingefahren und mit einem vor ihm fahrenden Lastwagen zusammengestoßen. Dadurch sei der vordere Lkw in das Fahrzeug eines Ehepaares geschoben worden. Der Ehemann starb, die Frau wurde schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Lasterfahrer vorgeworfen, das Sichtfahrgebot verletzt zu haben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Verhandlung war nötig geworden, weil der 53-Jährige einem Strafbefehl widersprochen hatte. Darin war er zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Zu diesem Zeitpunkt war die Staatsanwaltschaft noch von einer Alleinschuld des Mannes ausgegangen.

Gutachten der Dekra brachte Gewissheit

Diese Auffassung konnte in der Hauptverhandlung nicht zweifelsfrei belegt werden, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe bestritten und ausgesagt, er habe seine Geschwindigkeit angepasst und sei rechtzeitig zum Stehen gekommen. Sein Fahrzeug sei von einem dritten Lkw in den Lastwagen vor ihm geschoben worden, der wiederum mit dem Auto kollidierte.

Sachverständige der Dekra hatten jedoch im Prozess nachgewiesen, dass die Kollision des dritten Lkw nicht alleine für den Tod des Mannes verantwortlich sein könne. Zudem müsse auch der Angeklagte entgegen seiner Aussage auf seinen Vordermann aufgefahren sein. Anders seien die Schäden an den Fahrzeugen nicht zu erklären.

Angeklagter zeigte Bedauern

Der Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert. Im Zweifel müsse für den Angeklagten geurteilt werden, da es nicht sicher sei, dass dessen Kollision den Tod des Autofahrers verursacht habe, sagte er in seinem Plädoyer. Der Angeklagte sagte in seinem Schlusswort, dass er den Tod des Mannes und der anderen Unfallopfer bedauere.

Bei der Massenkarambolage im Sandsturm mit 60 Fahrzeugen waren acht Menschen ums Leben gekommen. In einem ersten Prozess war eine Autofahrerin verwarnt und zu einer Geldstrafe von 9000 Euro auf Bewährung verurteilt worden.