MORD AUF USEDOM

Gericht wertet Tod von Marias Baby als Schwangerschaftsabbruch

In Zinnowitz auf Usedom wurde die im dritten Monat schwangere Maria K. erstochen. Der Tod des Ungeborenen floss in das am Freitag verkündete Strafmaß für die Täter ein.
dpa
Im März wurde die schwangere Maria K. in Zinnowitz auf Usedom getötet. Der Tod des Fötus floss in das Strafma&s
Im März wurde die schwangere Maria K. in Zinnowitz auf Usedom getötet. Der Tod des Fötus floss in das Strafmaß für die Täter ein. Polizei Neubrandenburg
Maria K. wurde zum Ziel, weil sie alleine wohnte.
Maria K. wurde zum Ziel, weil sie alleine wohnte. ZVG
Das Gericht verhängte gegen den 19-jährigen Haupttäter eine Jugendstrafe von 12 Jahren und Unterbringung im Ma&
Das Gericht verhängte gegen den 19-jährigen Haupttäter eine Jugendstrafe von 12 Jahren und Unterbringung im Maßregelvollzug einer Psychiartrie. Tilo Wallrodt
Nicolas K. (19) und Nico G. (21) wurde gemeinschaftlicher Mord an Maria K. vorgeworfen.
Nicolas K. (19) und Nico G. (21) wurde gemeinschaftlicher Mord an Maria K. vorgeworfen. ZVG
Stralsund.

Für den grausamen Mord an der 18-jährigen Maria aus Zinnowitz hat das Landgericht Stralsund für den 19 Jahre alten Haupttäter die Unterbringung im Maßregelvollzug in einer Psychiatrie angeordnet. Zusätzlich wurde er zu einer zwölfjährigen Jugendhaftstrafe verurteilt. Dieses Strafmaß bedeutet nach Angaben des Gerichts automatisch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Der andere Täter, ein 21 Jahre alter Mann, erhielt eine lebenslange Haftstrafe. Auch bei ihm stellte das Gericht am Freitag die besondere Schwere der Schuld fest. Eine vorzeitige Haftentlassung ist damit so gut wie ausgeschlossen.

Laut Gericht wollten die beiden Täter einen Menschen sterben sehen. Sie suchten sich dafür die im dritten Monat schwangere Maria aus, mit der sie befreundet waren. „Es gab nicht den geringsten Anlass dafür, Wut oder Rachegedanken zu hegen”, sagte die Richterin. Der Tod des Fötus wurde als Schwangerschaftsabbruch gewertet und floss in das Strafmaß mit ein. „Wieder gutzumachen ist der Tod Marias unter keinen Umständen” betonte das Gericht.

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Maria wohnte alleine. Es sei einfacher gewesen, das Mordvorhaben umzusetzen als bei einem anderen jungen Mann in der Clique, der ebenfalls in ihrem Visier stand, hatte der 19-Jährige im Prozess ausgesagt.

Lange gehegter Mordplan

Das Gericht stellte in seiner Begründung fest, dass die Täter gemeinsam den schon lange gehegten Mordplan gefasst hatten. Sie hätten sich die Messer und Ersatzkleidung besorgt, um diese später gegen die mit Blut beschmierte auszutauschen. Unter einem Vorwand waren sie in die Wohnung Marias gegangen. Dort habe der Haupttäter aus dem Hinterhalt seinem Opfer einen heftigen Stich in den Hals versetzt.

Sie hätten wohl nicht damit gerechnet, dass sich Maria nach dieser Verletzung noch wehren konnte, betonte die Richterin. Dann habe er sich auf die am Boden liegende Frau gesetzt und ihr zahlreiche weitere Stiche am Kopf und Hals zugefügt, während der Mittäter ihre Beine festgehalten habe. Der 21 Jahre alte Mann hatte dies allerdings bestritten. Vier Wochen nach der Tat waren die beiden Männer festgenommen worden.

Ein psychiatrischer Gutachter hatte dem Jüngeren eine dissoziale Persönlichkeitsstörung und eine extrem hohe Gefährlichkeit attestiert. Bei ihm sei ein völliger Mangel an Empathie festzustellen, sagte der Psychiater. Er sei extrem aggressiv und impulsiv. „Das sind Leute, um die man sich Sorgen machen muss.” Der Täter hatte auch angekündigt, eine solche Tat wiederholen zu wollen.

Experten rechnen mit langem Psychiatrie-Aufenthalt

Das Gericht folgte dem Gutachter in dieser Einschätzung. Im Maßregelvollzug würden Therapieversuche unternommen. Es sei nicht zu erwarten, dass sich beim 19-Jährigen unbehandelt etwas ändert. Experten gehen bei ihm von einer sehr langen Zeit in der Psychiatrie aus. Die verhängte zwölfjährige Jugendstrafe wird mit der Zeit in Psychiatrie teilweise verrechnet.

Die Gutachterin des 21 Jahre alten Angeklagten hatte bei diesem dagegen keine Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung oder eingeschränkte Steuerungsfähigkeit festgestellt.

Die Mutter Marias zeigte sich mit den Strafen ebenso zufrieden wie der Anwalt des Haupttäters.  „Ich bekomme meine Tochter und mein Enkelkind nie mehr zu sehen. Das macht mich so traurig”, sagte sie. Die Verzweiflung und der Hass, den diese Tat hervorgerufen hatte, wurde auch nach dem Urteil deutlich. Die beiden Verurteilten wurden aus dem Publikum in aufgeheizter Stimmung mit „Bastard” oder „Abschaum” verabschiedet. 

Der Verteidiger des 21-Jährigen, der in seinem Plädoyer eine Bestrafung nur wegen Beihilfe geforderte hatte, sagte, dass er mit seinem Mandanten eine Revision prüfen wolle.

+++ Hier finden Sie alle Nordkurier-Artikel zum Fall Maria K. +++

 

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Kommentare (3)

gehört viel mehr als solch schöngewaschenen Urteile - ich vermisse eine klare Position durch Politic und Presse

...gehört die Gewaltenteilung. Deshalb wird ein Rechtsstaatanhänger eine Position von Politik oder Medien zu einem Urteil der Judikative nicht vermissen. Laut dem Urteil wurde Höchststrafe verhängt. Was an Höchststrafe Schönwäscherei sei, können Sie mitteilen. Lassen Sie uns NK-Leser mit Ihrem öffentlichen Rülpser nicht ratlos zurück.

Apropos öffentliche Rülpser. Die Medien gehören nicht zur Gewaltenteilung in Deutschland.