Mit weißen Tüchern ist der Rezeptionstresen im geschlossenen Grand Hotel im Seebad an der Ostseeküste abgedeck
Mit weißen Tüchern ist der Rezeptionstresen im geschlossenen Grand Hotel im Seebad an der Ostseeküste abgedeckt. Das Oberlandesgericht in Rostock beschäftigt sich am Dienstag mit einer Schadenersatzklage im Zusammenhang mit einer Betriebsschließung im ersten Lockdown der Corona-Pandemie. Jens Büttner
Corona-Lockdown

Geschlossene Restaurants – Wer zahlt den Wirten die Rechnung?

Das Gastgewerbe ist eine der Branchen, die von der Corona-Pandemie am schwersten betroffen ist – und zwar von Beginn an. Viele Betriebe mussten schließen. Doch wer zahlt den Verdienstausfall?
dpa
Rostock

Das Oberlandesgericht (OLG) in Rostock hat drei vom ersten Lockdown betroffenen touristischen Betrieben kaum Aussicht auf Schadenersatzleistungen aus Betriebsschließungsversicherungen gemacht. Die Firmen hatten argumentiert, dass die Anordnung zur Betriebsschließung nach dem Infektionsschutzgesetz im März 2020 Voraussetzung für den Eintritt des Versicherungsfalls sei.

Allerdings war Covid-19 erst am 23. Mai des vergangenen Jahres, also nach der verordneten Schließung, ins Infektionsschutzgesetz als Krankheit aufgenommen worden.

Es geht um Millionen-Summen

Das OLG vertrat am Dienstag die Ansicht, dass es sich bei den zum damaligen Zeitpunkt im Infektionsschutzgesetz genannten Krankheiten um eine „abschließende Aufzählung” handle. Die Kläger sind dagegen der Meinung, dass die Aufzählung im Infektionsschutzgesetz nur beispielhaft und dynamisch sei. Bei einem Verfahren geht es um einen Streitwert von knapp 1,2 Millionen Euro, die anderen liegen im fünfstelligen Bereich.

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Eine Rechtsanwältin verwies auf mehrere erstinstanzliche Urteile bundesweit mit anderen Ergebnissen als das des OLG. Es sei zudem zu verlangen, dass die Versicherungsbedingungen für einen durchschnittlichen Versicherungsnehmer ohne juristische Spezialkenntnisse klar erkenntlich sein müssten.

Bundesgerichtshof hat noch keine Entscheidung getroffen

Das OLG schloss sich früheren Entscheidungen der Landgerichte in Stralsund und Neubrandenburg an. Allerdings sagte der Vorsitzende Richter, dass in der bundesweiten Rechtsprechung viel Bewegung sei und es noch kein abschließendes Urteil des Bundesgerichtshofs gebe. Das OLG kündigte an, eine Revision in Karlsruhe zuzulassen. Die Entscheidung wird für den 14. Dezember erwartet.

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Der Präsident des Dehoga Mecklenburg-Vorpommern, Lars Schwarz, kritisierte die Versicherungen. Diese reizten seiner Meinung nach gerade alles aus, um nicht zahlen zu müssen. Er hätte sich gewünscht, dass sie menschlicher reagieren und sich nicht hinter Kleingedrucktem verstecken.

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