MV UND BRANDENBURG

Gewalt gegen Polizisten auf Höchststand gestiegen

In MV und in Brandenburg werden immer mehr Polizisten Opfer von Gewaltstraftaten bis hin zu versuchtem Mord. Es gab einen Anstieg um rund 80 Prozent. Vor allem eine Tatsache alarmiert die Behörden.
In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Gewaltdelikte gegen Polizisten in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg
In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Gewaltdelikte gegen Polizisten in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg stark angestiegen (Archivbild). Carsten Rehder
Schwerin.

Die Zahl der Gewaltdelikte gegen Polizisten ist in den vergangenen fünf Jahren in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg drastisch angestiegen. Dies teilten die Innenministerien der Länder dem Nordkurier auf Anfrage mit.

In MV wurden im Jahr 2015 insgesamt 996 Polizeibeamte Opfer von Gewalttaten. In den Folgejahren stieg die Zahl an und erreichte hier im Jahr 2019 mit 1750 Opfern aus dem Polizeidienst ihren Höhepunkt. Damit machen Polizisten 9,2 Prozent aller Opfer von Gewaltdelikten in Mecklenburg-Vorpommern aus.

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In Brandenburg wurde im selben Zeitraum ein ähnlicher Anstieg registriert: 2015 gab es noch 1144 Polizisten, die einem Gewaltdelikt zum Opfer fielen. Nach einem kontinuierlichen Anstieg in den Folgejahren erreicht die Zahl mit 2156 im Jahr 2019 ihren bisherigen Höchststand.

Versuchter Mord und Totschlag

In Mecklenburg-Vorpommern ergibt sich damit ein Anstieg der polizeilichen Gewaltopfer um knapp 76 Prozent, in Brandenburg um mehr als 88 Prozent. Neben schweren Delikten wie Totschlag und Körperverletzung fallen darunter auch Straftaten wie Nötigung, Bedrohung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Im Nordosten wurden insgesamt 233 Polizisten Opfer von Körperverletzungen, in Brandenburg wurden in den vergangenen zwei Jahren sogar zwei Beamte getötet und sieben Opfer eines versuchten Mordes oder Totschlags.

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Dabei liegt der Anteil der deutschen Tatverdächtigen in MV in den verschiedenen Deliktklassen zwischen 83,4 und 88,2 Prozent, in Brandenburg zwischen 44,9 und 79,7 Prozent.

Der Anstieg ist wohl nicht nur auf einen einzigen Faktor zurückzuführen. Zwar stieg die die Zahl der Demonstrationen seit der zweiten Jahreshälfte 2015 bundesweit stark an, so dass es in diesem Kontext immer wieder auch zu besonderen Gefahrensituationen für Polizisten kommt. Allerdings bildeten derartige Versammlungen „keine herausragendere Gefahrenlage für Polizeikräfte als andere Einsätze“, teilte das Schweriner Innenministerium dem Nordkurier mit.

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Fehlender Respekt

Grundsätzlich könne mittlerweile „jede Einsatzsituation risikobehaftet sein“. In Brandenburg begegnen Polizisten häufig dann Gewalt, wenn sie eine Identität feststellen oder eine Person festnehmen wollen. Hier spielten auch Einsätze im Rahmen von häuslicher Gewalt eine wichtige Rolle. In knapp 60 Prozent aller Fälle, heißt es aus dem Potsdamer Innenministerium, waren die Tatverdächtigen alkoholisiert.

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Die Tatsache, dass der Gewaltanstieg auf keine eindeutigen Gründe zurückzuführen ist, werten die Behörden als Alarmsignal. Denn hier muss davon ausgegangen werden, dass die Ursachen gesamtgesellschaftlicher Natur und damit nur schwer zu beeinflussen sind. „Leider sind in unserer Gesellschaft fehlender Respekt und Achtung sowie ein Absinken der Gewalthemmschwelle festzustellen“, sagte Innenminister Lorenz Caffier (CDU).

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