Erneut in den Negativ-Schlagzeilen: das Asylbewerberheim Stern-Buchholz vor den Toren Schwerins.
Erneut in den Negativ-Schlagzeilen: das Asylbewerberheim Stern-Buchholz vor den Toren Schwerins. Jens Büttner
Gesicht aufgeschlitzt

Gewalttäter aus Asylbewerberheim in MV untergetaucht

Eine kläglich gescheiterte Abschiebung eines tunesischen Intensivtäters aus einem Asylbewerberheim in Mecklenburg-Vorpommern kocht politisch hoch. Das Innenministerium versucht abzuwiegeln.
Schwerin

Laut eines Berichts der Bild-Zeitung war der Tunesier Bilel Z. im Juli 2017 nach Deutschland eingereist und landete anschließend in der Asylbewerber-Erstaufnahmestelle Stern Buchholz vor den Toren der Landeshauptstadt Schwerin. Schon wenige Tage später, Anfang August 2017, habe der Asylbewerber das erste Mal mit der Polizei zu tun gehabt. Seinerzeit soll es um räuberische Erpressung gegangen sein.

Zweistellige Zahl von Gewalttaten

Ein Vorfall ohne strafrechtliche Konsequenzen – doch Bilel Z. ließ sich offenbar nur schwer zähmen. Es folgten laut Bild-Zeitung Diebstähle, Überfälle, Prügelangriffe. „Bei der Polizei ist der Mann mittlerweile mit einer zweistelligen Zahl von Gewaltstraftaten und Eigentumsdelikten registriert”, hieß es von der Schweriner Polizei. „Seinerzeit wurde gegen den Beschuldigten eine Geldstrafe von zehn Tagessätzen wegen Diebstahls verhängt worden”, sagte Jörg Ebert, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Schwerin, gegenüber der Bild-Zeitung.

Im März 2019 abgeschoben – im Mai 2020 wieder in Deutschland

Im März 2019 reagierte das Land Mecklenburg-Vorpommern erstmals – der Tunesier wurde abgeschoben. Aber: Trotz Wiedereinreisesperre war er bereits im Mai 2020 in Deutschland erneut strafrechtlich relevant unterwegs.

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Bilel Z. kam erneut in Stern-Buchholz unter. Im Februar dieses Jahres schlitzte der 30-Jährige einem Landsmann (23) mit der Rasierklinge das Gesicht auf. Wenige Tage später, so meldete die Bild-Zeitung, tauchte der Tunesier unter. Erst im Mai 2021 wurde Haftbefehl erlassen. „Wegen des dringenden Tatverdachts der Körperverletzung in zwei Fällen sowie einer versuchten Körperverletzung in einem weiteren Fall”, sagte Staatsanwalt Ebert.

AfD-Anfrage an Landesregierung immer noch unbeantwortet

Mittlerweile ist der Fall des Tunesiers längst zum Politikum geworden. Schon im März – nach der Rasierklingen-Attacke – hatte die AfD-Fraktion im MV-Landtag eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt und „im Innenausschuss des Landtags kritisiert, dass dieser Intensivtäter ohne Haftbefehl untertauchen konnte”, machte Horst Förster, migrationspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion, gegenüber dem Nordkurier deutlich. Es sei vollkommen unverständlich, dass der Staat ganze drei Monate braucht, um diese krasse Fehlleistung zu korrigieren. „Offenbar hat Innenminister Torsten Renz (CDU) spürbar Angst vor einer öffentlichen Debatte. Ihn sollte aber wenigstens der Schutz unserer Bürger interessieren.”

„Fahndung nach Tunesier läuft nur halbherzig”

Gerüchten zufolge ist Bilel Z. nach seiner schrecklichen Tat mit der Rasierklinge mittlerweile wieder in Stern Buchholz gesehen worden. „Dass Z. bisher nicht festgenommen wurde, lässt vermuten, dass die Fahndung genauso halbherzig läuft wie die Ermittlungen bisher”, befürchtet Förster. „Wir brauchen dringend wirksame Wiedereinreisesperren und eine konsequente Strafverfolgung in Mecklenburg-Vorpommern.”

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Übrigens: Die Antwort der Landesregierung ist bis heute nicht veröffentlicht worden – wegen „schutzwürdiger personenbezogener Daten” des Intensivtäters, deren Veröffentlichung sein „Recht in schwerwiegender Weise verletzten” würde, so das Innenministerium.

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