STREIT UMS INSEKTENSTERBEN

Gibt es heute wirklich weniger Insekten als früher?

Die Ansichten sind geteilt: Mecklenburg-Vorpommerns Agrar- und Umweltminister hat das Insektensterben zum Thema eines Parlamentarischen Abends in Berlin gemacht.
dpa
Um die Anzahl der Fluginsekten in Deutschland ist ein Streit entbrannt. Die Faktenlage ist diesbezüglich noch sehr dünn.
Um die Anzahl der Fluginsekten in Deutschland ist ein Streit entbrannt. Die Faktenlage ist diesbezüglich noch sehr dünn. Carsten Rehder
Berlin.

Zwischen Landwirtschaft und Umweltschutz gibt es Streit um das Insektensterben. Während einige Forscher von einer Abnahme der Insekten um 75 Prozent in den vergangenen 27 Jahren in Deutschland ausgehen, bezweifeln andere die Belastbarkeit der Studie, die auf Daten des Entomologischen Vereins Krefeld basiert. Zwischen 1989 und 2015 wurden an mehr als 60 Standorten in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg die Insektenmengen erfasst.

Mecklenburg-Vorpommerns Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD) nannte den Rückgang der Insektenzahl dramatisch. Daher müsse alles getan werden, um die Lebensbedingungen für Wildbienen und Insekten zu sichern, sagte er vor einem Parlamentarischen Abend am Donnerstag in Berlin. Dazu hatte er unter anderem den Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Stiftung, Fritz Vahrenholt, und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) eingeladen. Dort stellte Backhaus auch die Auflage einer Insektenschutz-Strategie mit dem Titel "Mehr Respekt vor dem Insekt!" vor.

Darin wird sich MV für eine bessere Vernetzung von Forschung und Forschungsergebnissen zum Thema Insektenschutz sowie für das Aufbrechen der großflächigen Strukturen in der Landwirtschaft einsetzen, hieß es aus dem Ministerium. Außerdem sollen auch Kommunen motiviert werden, sich für den Insektenschutz einzusetzen. Die Kosten für die Umsetzung der Strategie beziffert das Ministerium auf 2,6 Millionen Euro.

Bauern bezweifeln drastischen Rückgang

Backhaus sagte: „75 Prozent der Pflanzen sind auf bestäubende Insekten angewiesen. Die Produktion eines Drittels aller Nahrungsmittel wäre ohne vorangegangene Insektenbestäubung nicht möglich.“ Die durch Insekten erbrachten Ökosystemleistungen liegen nach seinen Worten weltweit im dreistelligen Milliardenbereich. Schätzungen zufolge entstünde ein Schaden von bis zu 300 Milliarden Euro pro Jahr, wenn es keine bestäubenden Insekten mehr gäbe.

Die Umweltorganisation BUND macht die Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion für den Insektenrückgang verantwortlich. Durch den intensiven chemisch-synthetischen Pflanzenschutz und die Düngung würden die Lebensräume der meisten Arten verschlechtert und deren Nahrungsgrundlage zerstört. Wo keine Kräuter und Gräser mehr blühen, weil sie totgespritzt wurden gebe es keine Insekten und auch keine Feldvögel mehr. Ökolandbauflächen seien wesentlich artenreicher.

Der Bauernpräsident Mecklenburg-Vorpommerns, Detlef Kurreck, bezweifelt dagegen einen drastischen Insektenrückgang und spricht von einer „dünnen Faktenlage“. Die Daten stammten aus einem Gebiet bei Krefeld, in dem bis 1989 noch Landwirtschaft betrieben wurde. Heute ist es ein Naturschutzgebiet. Wo früher noch Kühe standen, fehlten den Schmeißfliegen heute vielleicht einfach die Kuhfladen, sagte er. Kurreck forderte eine wissenschaftlich ermittelte und repräsentative Datengrundlage zur Situation der Insekten. Die Landwirte hätten ein ganz natürliches Interesse daran, die Bienen- und Insektenvielfalt zu erhalten, sagte er.

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Kommentare (1)

sind die größten Naturvernichter überhaupt. Um Ausreden nie verlegen haben sie die Landwirtschaft in einem Maße intensiviert, wie niemals zuvor. Industrielle Landwirtschaft statt bäuerliche Strukturen. Sie legen Sümpfe trocken, fördern die Bodenerosion, kippen Sölle mit Steinen zu, pflügen bis an die Gräben ran, überdüngen Wiesen und Äcker um das dreifach Notwendige. Sie verdichten unsere Böden, spritzen Insekten und Wildkräuter tot. Und sie finden das alles ganz normal.