Der Lehrermangel drückt auf das MV-Bildungssystem: Ein Reformgesetz soll jetzt die Not lindern – doch die Oppositio
Der Lehrermangel drückt auf das MV-Bildungssystem: Ein Reformgesetz soll jetzt die Not lindern – doch die Opposition schäumt. (Symbolbild) Julian Stratenschulte
Schulen

Gibt es in MV bald Lehrer ohne abgeschlossene Ausbildung?

Werbekampagne in Polen, Gehaltserhöhung und jetzt ein ergänzendes Gesetz: Die Landesregierung steht bei der Lehrergewinnung massiv unter Druck – und die Opposition greift schmerzhaft in die offene Wunde
Schwerin

Das Problem ist nicht neu und wird zunehmend zur Belastung im Bildungssystem Mecklenburg-Vorpommerns: Der eklatante Lehrermangel hängt wie ein Mühlstein an der Landesregierung. Jetzt will Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) mit der Änderung des Lehrerfortbildungsgesetzes für Abhilfe sorgen.

„Wir werden die Qualifizierungsmaßnahmen ausbauen, um so die inhaltliche und pädagogische Befähigung kontinuierlich weiterzuentwickeln“, sagte Martin am Mittwoch, als sie im Landtag einen Gesetzentwurfs einbrachte. Lehrkräfte im Seiteneinstieg mit den erforderlichen Abschlüssen machen inzwischen rund elf Prozent der Lehrkräfte in Mecklenburg-Vorpommern aus. „Unsere Aufgabe ist es, diese Menschen in ihrer neuen Berufswahl gut zu begleiten und im Lehrberuf zu halten“, so Martin.

Das Land brauche in den kommenden Jahren zahlreiche neue Lehrerinnen und Lehrer. Daher sei es laut der Ministerin selbstverständlich, den Beruf auch für diejenigen interessant zu machen, die nicht den klassischen Weg des Lehramtsstudiums eingeschlagen haben. Bereits zu Beginn des laufenden Schuljahres 2020/2021 kämen 1344 der Lehrkräfte an öffentlichen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen im Land aus dem Seiteneinstieg.

In ihrer Rede machte die Bildungsministerin klar, „dass als formale Mindestvoraussetzung für die Einstellung als Lehrkraft im Seiteneinstieg grundsätzlich eine abgeschlossene Berufsausbildung festgelegt ist“. Im Gesetzentwurf sei jedoch dafür Sorge getragen worden, dass in Ausnahmefällen auch Personen ohne diese Voraussetzung in den Schuldienst gelangen könnten, „jedoch nur, wenn deren spezifische berufliche Sozialisation für die Schülerinnen und Schüler einen substanziellen Mehrwert verspricht“.

Lehrer werden, ohne Beruf gelernt zu haben

Und genau diese „Ausnahmefälle“ nahm Simone Oldenburg, Bildungsexpertin der oppositionellen Linksfraktion, aufs Korn: „Neu an dem Gesetz ist, dass man nun auch komplett ohne abgeschlossene Berufsausbildung Lehrer werden kann. Ich hoffe, dass ein Schüler nicht gleich als Lehrkraft an der Schule bleiben darf, wenn er genug Praktika absolviert hat“, meinte Oldenburg ironisch Richtung Bildungsministerium.

„Dieser Gesetzentwurf darf niemals Realität werden. Er ist das Papier nicht wert, auf dem er steht“, sagte die Linkspolitikerin. Die neue Qualifizierung komme nur wenigen Seiteneinsteigern zugute, da nur wenige über die geforderte Eignung für zwei Fachbereiche verfügten, betonte sie.

Und die Verkürzung der Bewährungszeit bis zur Lehrbefähigung von zehn auf sieben Jahre für Nicht-Akademiker und von sieben auf fünf für Seiteneinsteiger mit Hochschulabschluss sei noch lange keine Qualitätsverbesserung. Oldenburg forderte Reformen des Lehramtsstudiums, damit mehr Studenten auch einen Abschluss erreichen.

CDU hätte sich mehr Reformeifer gewünscht

Aktuellen Erhebungen zufolge brechen in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 83 Prozent der Lehramtsstudenten für Regionale Schulen das Studium ab oder wechseln in ein anderes Bundesland.

Vorsichtige Kritik am SPD-geführten Bildungsministerium kam auch vom Koalitionspartner CDU. „Ich hätte mir eine größere Reform der Lehramtsausbildung gewünscht und diese im Übrigen auch zu einem früheren Zeitpunkt innerhalb der Legislatur“, sagte Marc Reinhardt, bildungspolitischer Sprecher der CDU.

Den Entwurf wolle er dadurch keineswegs schmälern, da er längst überfällige Schwerpunkte zur Verbesserung der Lehramtsausbildung setze und insbesondere dringend notwendige Maßnahmen bei der Qualifikation von Seiteneinsteigern in den Schuldienst vorlege. „Dennoch kann ich mir für meine Fraktion gerade im Bereich der Seiteneinstiegsqualifikation weitergehende Regelungen vorstellen, die wir mit dem Koalitionspartner besprechen werden“, kündigte Reinhard an.

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